Kasachstans Hauptstadt Nur-Sultan (Archivbild vom Oktober 2021). | REUTERS
Hintergrund

Kasachstan Riesiges Land mit vielen Ressourcen

Stand: 06.01.2022 15:28 Uhr

Die Ex-Sowjetrepublik Kasachstan verfügt über große Mengen an Erdöl, Erdgas und Metallen. Das Land galt lange als Hort der Stabilität in der Region - nicht jedoch als Musterbeispiel für Demokratie.

Kasachstan ist einer der Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Der Großteil des Landes wird Zentralasien zugerechnet, nur ein kleiner Teil liegt am äußersten Rand von Osteuropa. Mit einer Fläche von 2,7 Millionen Quadratkilometern ist Kasachstan das neuntgrößte Land der Erde - gut siebenmal so groß wie Deutschland. Es hat jedoch nur knapp 19 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner.

Die einzige Landesgrenze im Norden ist jene zu Russland. Im Süden grenzt Kasachstan an die Staaten Turkmenistan, Usbekistan und Kirgistan und im Südosten an die Volksrepublik China.

Karte: Kasachstan

Nur-Sultan ist die Hauptstadt Kasachstans. Die Wirtschaftsmetropole Almaty ist aber weiterhin die größte Stadt des Landes.

Langzeitherrscher Nasarbajew

Kasachstan ist offiziell eine Präsidialrepublik. Fast drei Jahrzehnte lang war Nursultan Nasarbajew als Präsident die prägende Figur des Landes. Der inzwischen 81-jährige frühere Chef der Kommunistischen Partei regierte das Land nach seiner Unabhängigkeit 1991 bis 2019 mit harter Hand. Freie Wahlen waren nicht zugelassen.

Nasarbajew nutzte die großen Öl- und Gasressourcen seines Landes, um die neue Hauptstadt Astana zu bauen, die 2019 zu seinen Ehren in Nur-Sultan umbenannt wurde. Die Wirtschaftsmetropole und frühere Hauptstadt Almaty ist aber weiterhin die größte Stadt des Landes.

Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew

Nursultan Nasarbajew prägte lange die Politik des Landes. Noch immer übt er Einfluss aus.

Auch nach der Übergabe der Amtsgeschäfte an den heutigen Staatschef Kassym-Schomart Tokajew übt Nasarbajew weiter großen politischen Einfluss aus. Der Ehrentitel "Führer der Nation" sichert ihm umfangreiche Privilegien und Immunität vor Strafverfolgung.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft dem Land "weit verbreitete Unterdrückung der grundlegenden Menschenrechte" und ein hartes Vorgehen gegen Oppositionelle vor.

Verhältnis zu Russland

In dem Land lebt eine große russische Minderheit. Ihr Anteil lag in den 1970er-Jahren bei mehr als 40 Prozent, inzwischen machen Russen noch ein Fünftel der Bevölkerung aus. Nach offiziellen Angaben leben in Kasachstan Menschen mit einem Hintergrund aus 130 verschiedenen Nationalitäten, von denen viele zu Sowjetzeiten als politische Gefangene dorthin verschleppt worden waren. In der kasachischen Steppe sind unter anderem deutsche, griechische und polnische Gemeinschaften entstanden.

Kasachstan ist stolz auf seine nomadische Tradition und feierte 2015 den 550. Jahrestag der Gründung des ersten kasachischen Staates. Die Feierlichkeiten folgten auf umstrittene Äußerungen von Putin, der behauptet hatte, die Kasachen hätten vor ihrer Unabhängigkeit von Moskau nie einen eigenen Staat gehabt.

Kasachstan und Russland pflegen traditionell enge Beziehungen, ihre gemeinsame Geschichte birgt aber auch Konfliktpotenzial. So kritisierte Russland 2019 einen kasachischen Dokumentarfilm, in dem die These aufgestellt wurde, dass die Zwangskollektivierung des Landes zu einem Völkermord geführt habe, bei dem in den 1930er-Jahren bis zu 40 Prozent der Bevölkerung entweder durch Hungersnöte starben oder flohen.

Abhängigkeit vom Öl

Kasachstan ist die größte Volkswirtschaft in Zentralasien und verzeichnete lange hohe Zuwachsraten. Die Einnahmen aus der Ölförderung machten 2020 gut ein Fünftel des Bruttoinlandprodukts aus. Die Abhängigkeit von dem Rohstoff führte 2014 zu einer schweren Krise, als die Ölpreise einbrachen.  Kasachstan ist außerdem der größte Uranproduzent der Welt und verfügt über große Vorkommen an Mangan, Eisen, Chrom und Kohle.

Die Ex-Sowjetrepublik ist darum bemüht, ihre Wirtschaftsbeziehungen zum Nachbarland China auszubauen und investiert massiv in ihr Straßen- und Bahnnetz sowie in den Ausbau der Hafeninfrastruktur, um den Handel mit der Volksrepublik voranzutreiben. 

Weltraumbahnhof Baikonur

Das von Russland betriebene Kosmodrom Baikonur in der kasachischen Steppe ist der weltweit größte Weltraumbahnhof. Von hier aus war 1961 der russische Kosmonaut Juri Gagarin zum ersten bemannten Flug ins All gestartet. 

Weltraumbahnhof Baikonur | AFP

Der Weltraumbahnhof hat eine lange Tradition. Bild: AFP

Über dieses Thema berichteten am 06. Januar 2022 tagesschau24 um 14.00 Uhr, die tagesschau um 09:00 Uhr und tagesschau24 um 09:15 Uhr.