Taliban-Kämpfer fahren auf einem Fahrzeug mit der Taliban-Flagge in Kabul.

Internationaler Appell Afghanische Journalisten bitten um Hilfe

Stand: 18.09.2021 13:38 Uhr

Mehr als 100 afghanische Journalisten appellieren an die internationale Gemeinschaft, die Pressefreiheit in ihrem Land zu retten. Am dringendsten seien Schutzgarantien für Medienschaffende.

Über die Organisation "Reporter ohne Grenzen" (RSF) haben mehr als 100 afghanische Journalistinnen und Journalisten anonym einen dringenden Hilferuf an die internationale Gemeinschaft gerichtet. In ihrem Aufruf unter dem Titel "Der Journalismus in Afghanistan ist vom Aussterben bedroht" äußern sie die Befürchtung, Journalismus und Medienpluralismus drohten vollständig aus dem Land zu verschwinden.

Unterzeichnet haben den Appell insgesamt 103 Medienschaffende, darunter 20 Frauen, mit verschiedenen politischen und ethnischen Hintergründen. Die meisten von ihnen arbeiteten derzeit noch in der Hauptstadt Kabul oder in den afghanischen Provinzen, teilte RSF weiter mit. Einige seien aus Angst um ihre Sicherheit in den Untergrund gegangen, zehn der 103 Unterzeichnenden hätten es geschafft, aus dem Land zu fliehen.

Forderung nach Schutzgarantien

Was sie am dringendsten benötigten, seien Schutzgarantien, insbesondere für Journalistinnen. Ebenso wichtig sei ganz konkrete Unterstützung, die es afghanischen Redaktionen ermögliche, ihre Arbeit fortzuführen oder wiederaufzunehmen. Auch Geflüchteten müsse geholfen werden, damit sie außer Landes weiterhin als Journalisten oder Journalistinnen arbeiten können. Wer dringend Zuflucht brauche, müsse auf die volle Unterstützung westlicher Länder zählen können.

Alle hätten sich entschieden, anonym zu bleiben, weil sie Repressalien gegen sich selbst oder gegen noch in Afghanistan lebende Familienmitglieder befürchteten.

"Der dramatische Appell unterstreicht, was wir und andere Organisationen seit Wochen fordern: unbürokratische Hilfe, Schutzgarantien vor allem für Journalistinnen und konkrete Unterstützung für geflüchtete Medienschaffende", sagte RSF-Geschäftsführer Christian Mihr. "Die Taliban haben gezeigt, dass sie keine freie Presse dulden werden, weder in Kabul noch in den Provinzen. Reporterinnen und Journalisten in Afghanistan sind akut bedroht, es droht ein Rückfall in die finsteren fünf Jahre der ersten Taliban-Herrschaft."

Die 103 Medienschaffenden fordern die internationale Gemeinschaft auf, dringend Maßnahmen zu entwickeln, mit denen die Pressefreiheit im Land gestützt werden kann. Die vielen Übergriffe gegen Fotografen, Kameraleute und Reporterinnen der vergangenen Tage, die "immer eklatantere Einmischung der Taliban in die Medienarbeit" und die Tatsache, dass eine immens hohe Zahl von Journalistinnen nicht mehr weiterarbeiten könne, ließen das Schlimmste befürchten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. August 2021 um 15:36 Uhr.

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KOMMENTARE

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Blitzgescheit 18.09.2021 • 22:25 Uhr

@Am 18. September 2021 um 22:00 von Clara Berger

Zitat: "... wo mehr als 90 % der Menschen die Sharia wollen. Tolle Quote. Gab es da nach Ihrem Kenntnisstand eine faire und neutrale Umfrage? Oder hat man den Befragten nicht doch eher die Kalaschnikow unter die Nase gehalten?" Die Nummer mit Kalaschnikow hatten wir doch schon einmal. Ich glaube nich6t, dass die Forscher des Pew Research Institute eine bestimmte Antwort mit einer Waffen erpresst haben. Das wäre im höchsten Maße unwissenschaftlich, finden Sie nicht?!