Prinz Hamsa (Archiv) | AP

Jordanien Prinz angeblich unter Hausarrest

Stand: 04.04.2021 16:41 Uhr

In Jordanien ist das Militär gegen ranghohe Persönlichkeiten aus dem Umfeld der Königsfamilie vorgegangen. Ein Halbbruder von Abdullah II. behauptet, unter Hausarrest zu stehen. Die Regierung spricht von einer Verschwörung.

Das jordanische Militär hat mehrere ranghohe Persönlichkeiten aus dem Umfeld von König Abdullah II. festgenommen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Petra berichtet, sind darunter der ehemalige Gesandte für Saudi-Arabien und der frühere Chef des Hoftstaats.

Die jordanische Regierung teilte mit, man habe eine "heimtückische Verschwörung" vereitelt. Der Geheimdienst habe bestimmte Gespräche abgehört, sagte Außenminister Ayman Safadi Safadi. Daraufhin sei klar geworden, dass sie von "Absicht und Planung zur Aktion übergegangen" seien. Bis zu 16 Personen seien verhaftet worden.

Abdullahs Halbbruder unter Hausarrest?

Verwirrung besteht im Zusammenhang mit einem Halbbruder des Königs: Prinz Hamsa erklärte in einer Videobotschaft, er stehe unter Hausarrest. Hamsa wandte sich mit einer Videomitteilung an die Öffentlichkeit; die Nachricht liegt auch der britischen BBC vor. Darin heißt es, der Militärchef sei gestern früh zu ihm gekommen und habe ihm mitgeteilt, er dürfe das Haus nicht verlassen, mit niemandem kommunizieren und keine Person treffen.

Laut Hamsa wurden sämtliche Telefon- und Internetverbindungen gekappt. Seine Botschaft habe er über einen Satelliten-Internetzugang abgesetzt, und er rechne damit, dass auch diese bald unterbrochen werde. Die Maßnahmen gegen ihn, so Hamsa, seien damit begründet worden, dass er an Treffen teilgenommen habe, auf denen König Abdullah II. kritisiert worden sei.

Deutliche Kritik an König

In der Videomitteilung übte Hamsa zudem beispiellos offen Kritik an dem Zustand von Staat und Regierung des Königreichs. Er habe dem Militärchef wörtlich gesagt: "Ich bin nicht die Person, die für den Zusammenbruch der Staatsführung verantwortlich ist, für Korruption und Unfähigkeit, die in unserer Regierungsstruktur seit 15 bis 20 Jahren vorherrscht und jedes Jahr schlimmer wird. Ich bin nicht verantwortlich für den Mangel an Vertrauen, den die Leute in ihre Institutionen haben. Sie sind verantwortlich."

Die "unfähige und korrupte" Regierung wolle ihre Gegner mit allen Mitteln mundtot machen. "Ich bin nicht Teil irgendeiner Verschwörung oder ruchlosen Organisation oder Gruppe mit ausländischer Unterstützung", beteuerte der Prinz. Auch Prinz Hamsas Mutter schaltete sich inzwischen ein. Die Anschuldigungen seien eine "böse Verleumdung", teilte sie auf Twitter mit.

Dementi des Militärchefs, Solidarität der Partner

Der Generalstabschef hatte bereits vor Erscheinen der Videobotschaft dementiert, dass der Prinz unter Hausarrest stehe. Hamsa, dem 2004 der Titel "Kronprinz" entzogen worden war, sei lediglich gebeten worden, Aktivitäten zu beenden, die Jordaniens Sicherheit und Stabilität zuwider liefen. "Niemand steht über dem Gesetz", zitierte die Nachrichtenagentur Petra den Militärchef. Die Ermittlungen liefen noch; deren Ergebnisse würden in "transparenter und deutlicher Form" öffentlich gemacht.

Saudi-Arabien, Ägypten, Katar und andere arabische Länder drückten ihre Unterstützung für König Abdullah II. aus. Auch die USA zeigten sich solidarisch: US-Außenamtssprecher Ned Price bezeichnete den Monarchen als "Schlüsselpartner" der USA, der die "volle Unterstützung" der Vereinigten Staaten habe. Der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz bezeichnete Jordanien als "strategischen Verbündeten" und sprach ansonsten von einer "inneren jordanischen Angelegenheit." Jordanien gilt im Vergleich zu einigen seiner regionalen Nachbarn als weitgehend stabil und sicher.

Jahrealter Streit zwischen Halbbrüdern

2004 hatte König Abdullah II. Prinz Hamsa als Thronfolger abgesetzt - und später seinen eigenen Sohn zum neuen Kronprinzen ernannt. In einem Dekret hieß es damals, König Abdullah II. wolle seinen 24-jährigen Halbbruder von den "Zwängen" seiner Position befreien, um ihm andere Möglichkeiten zu geben. Der König hatte Prinz Hamsa wenige Jahre zuvor zunächst für das Amt bestimmt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. April 2021 um 09:00 Uhr.