Hamsa bin Hussein (Archivbild) | picture alliance / dpa

Jordanischer Prinz unter Hausarrest Bruch im Königshaus

Stand: 05.04.2021 11:22 Uhr

Im jordanischen Königshaus rumort es. Prinz Hamsa bin Hussein wurde unter Hausarrest gesetzt - man wolle ihn mundtot machen, sagt er. Die Regierung behauptet, man habe so eine "staatsgefährdende Straftat" verhindert.

Von Tilo Spanhel, ARD-Studio Kairo

Mitten in der Nacht seien Wagen mit Blaulicht vorgefahren und hätten Dutzende Politiker oder Funktionäre festgenommen, berichten Presseagenturen. Den Halbbruder des jordanischen Königs Abdallah II., Hamsa bin Hussein, stellte man unter Hausarrest.

Er meldete sich per Videobotschaft: "Ich hatte heute Morgen Besuch vom Leiter der jordanischen Streitkräfte. Er hat mich darüber informiert, dass ich mein Haus nicht verlassen darf, ich keine Leute mehr treffen oder mit ihnen sprechen darf. Seitdem wurden einige meiner Bekannten und Freunde festgenommen. Mein Sicherheitsdienst wurde abgezogen und mein Internet abgeschaltet. Dies ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass ich mich melden kann."

 "Sicherheit und Stabilität des Landes untergraben"

Der Vorwurf: Der Prinz soll sich an Intrigen beteiligt haben. Diese hätten zum Ziel gehabt, die jordanische Regierung zu untergraben. Deshalb sei Prinz Hamsa unter Hausarest gesetzt und 14 bis 16 weitere Personen festgenommen worden.

Das sagte der jordanische Außenminister Ayman Al Safadi in einer Pressekonferenz: "Die Sicherheitsapparate haben durch unablässige und umfangreiche Ermittlungen, an denen die Armee, der jordanische Nachrichtendienst und die polizeilichen Kreise seit einem längerem Zeitraum beteiligt waren, Aktivitäten und Bewegungen verfolgt. Diese Aktivitäten (...) hatten das Ziel, die Sicherheit und Stabilität unseres Landes zu untergraben."

"Nicht für Zusammenbruch der Politik verantwortlich"

Doch der Halbbruder des Königs streitet alles ab und übt in seiner Videobotschaft scharfe Kritik an der jordanischen Regierung.

"Ich bin nicht für den Zusammenbruch der Politik verantwortlich. Auch nicht für die Korruption und die Inkompetenz in unserem System in den letzten 15 bis 20 Jahren - die jedes Jahr schlimmer wird. Ich bin nicht verantwortlich für das Misstrauen, das die Menschen gegenüber ihrer Regierung haben."

Zwist zwischen Brüdern

Wie das "Wall Street Journal" berichtete, tritt nun der Streit zwischen den Brüdern offen zu Tage. 2004 setzte König Abdullah II. Prinz Hamsa als Thronfolger ab - und ernannte später seinen eigenen Sohn zum neuen Kronprinzen. 

König Abdullah II. ist seit 1999 an der Macht. Sein Vater, König Hussein, hatte ihn kurz vor dessen Tod überraschend zum Thronfolger ernannt. Zuvor war jahrzehntelang Husseins Bruder Hassan als Kronprinz für das Amt vorgesehen gewesen. 

Sorge um Stabilität in dem Land

Jordaniens Außenminister wollte am Sonntag verdeutlichen, dass man die Situation unter Kontrolle hätte: "Die Ermittlungen dauern noch an. Die Ergebnisse werden mit Transparenz und Klarheit bekannt gegeben. Wir wollen hier aber versichern, dass all diese Aktivitäten komplett unter Kontrolle gebracht und in den Anfängen begraben wurden."

Der öffentliche Zwist zwischen den beiden Brüdern könnte die Sorge der internationalen Gemeinschaft um die Stabilität in Jordanien befördern. Das Königreich gilt eigentlich seit langem als Stabilitätsanker in der Region. Viele Länder bekundeten nach den Festnahmen ihre Unterstützung für König Abdullah II. - darunter auch die Türkei, Saudi-Arabien, der Iran und die USA.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. April 2021 um 09:00 Uhr.