Das Auto, von dem angenommen wird, dass es die Leiche des verstorbenen ehemaligen japanischen Premierministers Shinzo Abe trägt, fährt an Polizisten und Medien vorbei | AFP

Nach Attentat auf Abe Japan prüft Schutz für Politiker

Stand: 09.07.2022 09:30 Uhr

Attentate wie auf Ex-Regierungschef Abe sind in Japan nahezu unbekannt. Entstand so ein falsches Gefühl der Sicherheit? Während das Land trauert, werden nun die Schutzkonzepte Prominenter überprüft.

Nach dem tödlichen Angriff auf den japanischen Ex-Regierungschef Shinzo Abe stehen die Sicherheitsmaßnahmen für Prominente auf dem Prüfstand. Nach Medienberichten beschäftigt sich die Polizei mit möglichen Mängeln im Sicherheitsprotokoll.

"Ich glaube nicht, dass es in Japan mit seinen strengen Waffengesetzen genügend Vorsichtsmaßnahmen für Schusswaffen gibt", wurde ein Experte für Personenschutz von der Zeitung "Nikkei" zitiert.

Attentat bei Wahlkampfrede

Der Täter hatte sich Abe bei einer Wahlkampfrede in der Stadt Nara auf offener Straße von hinten bis auf wenige Meter genähert und dann aus kurzer Entfernung zweimal auf den Politiker geschossen.

Japan gilt als sicheres Land. Angriffe mit Schusswaffen gibt es sehr selten, weil Waffenbesitz streng reglementiert ist. Reden und andere Wahlkampfauftritte von Politikerin auf belebten Straßenkreuzungen, vor Bahnstationen oder großen Geschäften gibt es häufig und werden nicht aufwändig abgeschirmt.

Zusammenhang mit "religiöser Gruppe"?

Über das Motiv des geständigen Täters gibt es noch keine gesicherten Angaben. Der 41-Jährige soll ursprünglich den Anführer einer religiösen Gruppe zum Ziel gehabt haben. Das habe er während der Befragungen durch die Polizei gesagt, berichtet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Ermittlerkreise. Er sei "unzufrieden" mit Abe gewesen und habe ihn "töten" wollen, wurde er zitiert. Er hege einen Hass auf eine "bestimmte Organisation", zu der Abe Verbindungen habe.

In diesem Zusammenhang werden auch Verbindungen der Mutter des Täters genannt, die einer religiösen Gruppe nach Angaben des Mannes sehr viel Geld gespendet hatte. Dies habe die Familienverhältnisse zerrüttet, berichtet der öffentlich-rechtliche Fernsehsender NHK.

Bereits kurz nach dem Attentat in Nara hatte die Polizei die Wohnung des 41-Jährigen durchsucht. Dabei wurden mehrere selbstgebaute Schusswaffen sichergestellt. Der arbeitslose Mann diente bis 2005 drei Jahre lang in der Marine. Dort hatte er den Umgang mit Handfeuerwaffen gelernt.

Leichnam nach Tokio gebracht

In Nara nehmen die Menschen großen Anteil am Tod Abes. Am Tatort wurden Blumen und kleine Geschenke abgelegt, viele Trauernde beten dort. Der Leichnam des früheren Premierministers wurde inzwischen nach Tokio überführt. Ein Fahrzeug mit dem Sarg fuhr zum Haus des Politikers.

Menschen beten in der Nähe der Stelle, ab der Shinzo Abe getötet wurde. | AP

Menschen beten in der Nähe der Stelle, an der Shinzo Abe getötet wurde. Bild: AP

Über dieses Thema berichtete am 09. Juli 2022 tagesschau24 um 10:00 Uhr und Deutschlandfunk um 13:00 Uhr in den Nachrichten.