Ausgebrannter Bus in Tel Aviv nach Raketenangriff aus den Palästinensergebieten | AFP

Angriffe der Hamas Raketen auf Tel Aviv abgefeuert

Stand: 11.05.2021 22:33 Uhr

Die Küstenmetropole Tel Aviv steht unter Raketenbeschuss der Hamas. Im Stadtzentrum waren mehrere Explosionen zu hören. In einem Vorort kam eine Frau um - mehrere Menschen wurde verletzt. Seit gestern gibt es Angriffe und Gegenangriffe.

Im neu aufgeflammten Nahost-Konflikt hat die radikal-islamische Hamas die israelische Großstadt Tel Aviv unter Beschuss genommen. Man habe 130 Raketen auf sie abgefeuert, hieß es in einer Erklärung der Organisation. Raketenalarm wurde ausgelöst - Sirenen heulten auf. Im Zentrum waren mehrere Explosionen zu hören. Flüge vom Flughafen Ben Gurion wurden ausgesetzt.

Dem Sender Channel 12 zufolge traf eine Rakete ein Gebäude im Vorort Cholon. In der Stadt südlich von Tel Aviv wurde demnach ein Bus getroffen, er brannte aus. Mindestens sechs Menschen wurden bei dem Raketenangriff verletzt, wie die die Zeitung "Times of Israel" unter Berufung auf Rettungsdienste berichtete. In der Stadt Rischon Lezion kam eine Frau bei einem Einschlag um. Die Rettungsorganisation Zaka bestätigte den Todesfall.

Die israelische Armee hatte zuvor ein Gebäude mit Büros von Mitgliedern des Hamas-Politbüros und Sprechern der islamistischen Palästinenserorganisation im Gaza-Streifen zerstört. Die Anwohner des Gebäudes wurden vor dem Angriff von den israelischen Streitkräften gewarnt und angehalten, das Haus zu verlassen, wie Augenzeugen berichteten. Ein Sprecher der Hamas hatte mit einem "harten" Raketenangriff auf Tel Aviv gedroht, sollte der "Hanadi-Turm" zerstört werden. Israels politische und militärische Führung kündigte nun ihrerseits harte Gegenangriffe an.

Dauerbeschuss aus dem Gazastreifen

Die Angriffe und Gegenangriffe hielten am Dienstag den zweiten Tag in Folge an, seitdem der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis am Freitag erneut eskaliert war. Israel steht seit gestern unter Dauerbeschuss der Hamas aus dem Gazastreifen. Militante Palästinenser feuerten am Dienstag innerhalb eines Tages rund 480 Raketen ab.

Davon wurden etwa 200 abgefangen und 150 schlugen beim Start fehl, teilte das israelische Militär mit. Im Schnitt hätte die palästinensische Seite teils alle drei Minuten eine Rakete abgefeuert. Einige hätten das rund 100 Kilometer entfernte Jerusalem erreicht.

Israel reagierte seinerseits mit Luftangriffen, für die sowohl Kampfflugzeuge als auch Drohnen eingesetzt worden seien. Laut Militärangaben wurden seit Montag 150 Vorrichtungen zum Abschuss von Raketen attackiert. Im Gazastreifen hätte die Armee Produktionsstätten für Raketen, Trainingslager der militanten Gruppierungen, militärische Stellungen und zwei Tunnel unter Beschuss genommen. Insgesamt seien 500 Ziele im Gazastreifen angegriffen worden, teilte der Generalstab mit.

Opferzahlen schwanken

Wie viele Menschen im Gazastreifen insgesamt durch die israelischen Angriffe getötet wurden, ist noch unklar. Generalstabschef Aviv Kochavi sagte, die Armee habe bislang Dutzende Terroraktivisten getötet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben im Zuge der Gewalt bislang 28 Menschen, darunter zehn Kinder.

Auf israelischer Seite wurden zwei Frauen durch Raketen aus dem Gazastreifen getötet. Wie der israelische Rettungsdienst Magen David Adom mitteilte, starben die beiden Frauen in der Küstenstadt Aschkelon. Ein Sprecher machte Raketenangriffe aus dem Palästinenser für die Todesfälle verantwortlich. Der Rettungsdienst Zaka berichtete von massivem Beschuss mit Dutzenden Raketen binnen kurzer Zeit - offenkundig mit dem Ziel, das israelische Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) zu überlasten.

"Wir sind bereit für eine Eskalation"

Jonathan Conricus, Sprecher der israelischen Streitkräfte, betonte, Israel tue alles, um "Kollateralschäden zu vermeiden". Es gebe keine Beweise, dass durch die Luftangriffe im Gazastreifen auch Zivilisten getötet worden seien.

Wie zuvor bereits Israels Premierminister Netanyahu stellte auch Conricus in Aussicht, dass die Gefechte länger andauern könnten: "Wir befinden uns in der Anfangsphase unserer Reaktion gegen militärische Ziele im Gazastreifen. Wir sind bereit für eine Eskalation." Conricus warf der palästinensischen Seite vor, die Angriffe lange geplant zu haben.

Israels Verteidigungsminister Benny Gantz genehmigte die Mobilisierung von etwa 5000 Reservisten, die die Streitkräfte unterstützen sollen. Nach Angaben der ARD-Korrespondenten Susanne Glass und Tim Aßmann verstärkt Israel seine Truppen an der Grenze zum Gazastreifen. Mehrere Konvois seien auf dem Weg Richtung Süden.

Hunderte Verletzte bei Zusammenstößen in Jerusalem

Die Hamas hingegen begründete ihren Raketenbeschuss Israels damit, er sei eine Reaktion auf die "Verbrechen und Aggression gegen die heilige Stadt" durch den "Feind Israel". Der Angriff sei eine "ausgleichende Vergeltung". Hier war es in den vergangenen Tagen zu immer drastischeren Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen, bei denen Hunderte Menschen verletzt wurden.

Auslöser waren unter anderem von israelischen Behörden angedrohte Zwangsräumungen der Wohnungen und Häuser palästinensischer Familien im Stadtviertel Scheich Dscharrah und die Absperrung des Tempelbergs in der Altstadt durch die Polizei.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. Mai 2021 um 22:15 Uhr.