Raketen werden aus dem Gazastreifen abgefeuert. | AP

Gewalt in Nahost Israel "seit zehn Stunden unter Beschuss"

Stand: 11.05.2021 05:15 Uhr

Allen internationalen Appellen zum Trotz eskaliert die Gewalt in Nahost weiter. Laut israelischem Militär ist das Land seit zehn Stunden unter Raketenbeschuss, schlägt aber selbst auch hart zurück. Es gibt Tote und Verletzte.

Trotz internationaler Appelle zur Deeskalation hält der Raketenbeschuss aus dem von militanten Islamisten beherrschten Gazastreifen auf Israels Staatsgebiet nach israelischen Angaben an. "Seit 18 Uhr feuern Terrorgruppen in Gaza ununterbrochen Raketen auf israelische Zivilisten", erklärte die israelische Armee am Morgen über Twitter. "Jetzt ist es 4 Uhr (Ortszeit; 3 Uhr MESZ). Das sind zehn Stunden Raketenbeschuss." Schon vor Mitternacht hatte das Militär von mehr als 150 abgeschossenen Raketen gesprochen, Dutzende davon habe die Raketenabwehr "Iron Dome" abgefangen.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern war in den vergangenen Tagen gefährlich eskaliert. Am Wochenende kam es mehrfach zu schweren Zusammenstößen in Jerusalem, bei denen Hunderte Menschen verletzt wurden.

Nach massiven Raketenangriffen aus dem Gazastreifen auf Israel bombardierte die israelische Luftwaffe dann am Montag Ziele in dem abgeschotteten Küstengebiet, das von der militant-islamistischen Hamas beherrscht wird. Laut neuen Angaben der "Jerusalem Post" wurden dabei acht Hamas-Aktivisten getötet. Das Gesundheitsministerium in Gaza sprach von insgesamt 20 getöteten Palästinensern im Gazastreifen, darunter neun Kinder.

Streit um Tempelberg

Gegen Mitternacht kündigte ein Hamas-Sprecher dem Zeitungsbericht zufolge massive Attacken auf Ziele in Israel an, falls die israelischen Polizeikräfte den Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) in Jerusalem nicht binnen zwei Stunden räumen sollten.

Dort hatte es in den vergangenen Tagen gewaltsame Zusammenstöße zwischen palästinensischen Gläubigen und Sicherheitskräften gegeben. Nach Ablauf des Ultimatums erklärte der Hamas-Sprecher dann, dass die Angriffspläne wegen des Einlenkens der israelischen Seite ausgesetzt worden seien.

Vonseiten der israelischen Polizei gab es zunächst keine Bestätigung für ein angebliches Einlenken oder den verlangten Abzug von Sicherheitskräften aus dem umstrittenen Areal, das für Muslime wie Juden von herausragender Bedeutung ist. Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

UN-Sicherheitsrat berät über Konflikt

Der UN-Sicherheitsrat beriet in einer Dringlichkeitssitzung über die Eskalation in Jerusalem. Auf eine gemeinsame Erklärung konnten sich die Ratsmitglieder zunächst nicht einigen, wie mehrere Diplomaten der Nachrichtenagentur AFP sagten.

Einem Diplomaten zufolge erklärten die USA, sie würden sich "hinter den Kulissen" darum bemühen, die Situation zu beruhigen. Washington äußerte demnach Zweifel, ob eine öffentliche Botschaft zu diesem Zeitpunkt hilfreich sei. 

Bei den Beratungen im Sicherheitsrat brachten Diplomaten zufolge Norwegen, Tunesien und China einen Entwurfstext ein. Die ursprüngliche Fassung enthält den Aufruf an Israel, auf Siedlungsaktivitäten, die Zerstörung von Häusern und Zwangsräumungen unter anderem in Ost-Jerusalem zu verzichten. Der Text könnte noch abgeschwächt werden. 

Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 11. Mai 2021 um 07:38 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 11.05.2021 • 10:29 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Liebe User, um Ihre Kommentare zum Thema „Gewalt in Nahost" besser bündeln zu können, haben wir uns entschieden, die Kommentarfunktion in diesem Artikel zu schließen. Gern können Sie das Thema hier weiter diskutieren: meta-Link → meta.tagesschau.de/id/148973/konflikt-in-nahost-die-schwerste-eskalation-seit-jahren Viele Grüße Die Moderation