Heiko Maas und Gabi Aschkenasi besichtigen ein beschädigtes Haus, das von einer Rakete aus Gaza getroffen wurde. | dpa

Maas auf Nahost-Visite "Gewalt im Interesse der Menschen beenden"

Stand: 20.05.2021 13:23 Uhr

Bundesaußenminister Maas hat in Tel Aviv Israels Recht auf Selbstverteidigung betont. Zugleich hoffe er auf ein baldiges Ende der Kämpfe. Hinter den Kulissen gehen die Bemühungen um eine Waffenruhe weiter.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv                       

Als Heiko Maas in Tel Aviv landete, heulten rund 60 Kilometer weiter südlich erneut die Luftschutzsirenen. Sie warnten vor Raketen aus dem Gazastreifen. Der Bundesaußenminister bekräftigte noch am Flughafen die deutsche Solidarität mit Israel: "Wir haben in den vergangenen Tagen immer wieder, und wir werden es auch in Zukunft immer wieder tun, unterstrichen, dass Israel das Recht hat, sich gegen solche massiven inakzeptablen Angriffe zu verteidigen."

Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Zu diesem Recht auf Selbstverteidigung gehöre auch die Zerstörung von Infrastruktur der Gruppen im Gazastreifen, die für künftige Angriffe auf Israel genutzt werden könnte, erklärte Maas. Er griff damit die Begründung der israelischen Armee für die Fortsetzung der Angriffe auf.

"Gewalt sollte bald enden"

Eine Bereitschaft zur sofortigen Waffenruhe forderte Maas zu Beginn seines Besuchs von der israelischen Regierung öffentlich nicht. Er drückte seine Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kämpfe aus. "Wir sehen auch, wie sehr die aktuelle Situation das Leid der Menschen auf beiden Seiten befördert.

Die Opferzahlen steigen täglich. Auch das macht uns große Sorge. Und deshalb unterstützen wir die internationalen Bemühungen um einen Waffenstillstand und sind auch davon überzeugt, dass die Gewalt im Interesse der Menschen bald enden sollte." Maas wird im Rahmen seines Kurzbesuchs unter anderem noch mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas sprechen.

Angriffe gehen weiter

Unterdessen gehen die Kämpfe weiter. Die Hamas und andere bewaffnete Gruppen im Gazastreifen beschossen vor allem Süd-Israel weiter mit Raketen. Daud Shihab, Sprecher der Gruppe Islamischer Dschihad im Gazastreifen, sagte in einem Fernsehinterview mit Blick auf die zahlreichen palästinensischen Todesopfer: "Diese Treffer sind schmerzlich. Das steht außer Frage. Die Angriffe auf Zivilisten stellen Verbrechen dar, die Israel vor der ganzen Welt ausführt. Die Situation der Organisationen des Widerstandes ist noch gut: Wir sind noch immer in der Lage, durchzuhalten: Tage, Wochen, sogar lange Monate." 

Die israelische Armee griff unter anderem erneut mögliche Raketenabschussrampen und Tunnelanlagen palästinensischer Extremisten an. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte eine Fortsetzung der Attacken angekündigt, obwohl ihn US-Präsident Joe Biden gestern in einem Telefonat zu sofortigen Deeskalationsschritten aufgerufen hatte.

Spekulationen über baldige Waffenruhe

Gilad Erdan, Israels Botschafter in Washington, sagte in einem Radiointerview: "Natürlich möchte die amerikanische Regierung bereits eine Waffenruhe sehen, und darüber sprach der Präsident auch mit dem Premierminister.  Auch wir wollen, dass diese Operation schnell zu Ende geht. Es ist kein Geheimnis, dass durch die Fortführung der Operation neue Ziele auftauchen. Man entdeckt neue Dinge und jeder Tag, an dem wir der Hamas weiter zusetzen, könnte uns später mehrere Monate zusätzlicher Ruhe bringen."

Hinter den Kulissen versuchen Ägypten und die Vereinten Nationen weiter, eine Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Israelische Medien spekulieren über ein Ende der Kämpfe ab morgen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Mai 2021 um 11:00 Uhr.

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