Mehrere Raketen werden aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert (Archiv, 6.8.2022). | AP

Konflikt in Nahost Weitere Angriffe in der Nacht

Stand: 07.08.2022 08:28 Uhr

Israelische Streitkräfte haben in der Nacht erneut Ziele im Gazastreifen angegriffen. Dabei wurde ein weiterer Kommandeur des Islamischen Dschihad getötet. Militante Palästinenser feuerten wiederum Raketen Richtung Israel ab.

Die israelische Armee hat in der Nacht erneut mehrere Ziele im Gazastreifen angegriffen. Ziel der Angriffe war nach israelischen Angaben die Organisation Islamischer Dschihad (PIJ), die nach der Hamas die zweitstärkste militärische Kraft im Gazastreifen ist. Dabei wurde ein weiterer Anführer der Organisation getötet.

"Die hochrangige Führung des militärischen Flügels des Islamischen Dschihads in Gaza wurde neutralisiert", teilte der Leiter der Operationsabteilung, Generalmajor Oded Basiok, mit. "In den vergangenen Tagen hat er an der Vorbereitung eines Angriffs auf Israel mit einer Panzerabwehrrakete und Raketen gearbeitet", hieß es in der Mitteilung. Er sei auch für Terroranschläge in der Vergangenheit verantwortlich.

Raketenangriffe auf Jerusalem

Die palästinensische Seite bestätigte, dass bei einem israelischen Luftangriff Khaled Mansur getötet wurde. "Die Al-Kuds-Brigaden trauern um den Anführer und Kommandeur der südlichen Region", hieß es. Die Al-Kuds-Brigaden sind der bewaffnete Teil der radikal-islamischen Organisation.

Die militanten Palästinenser reagierten mit massivem Raketenbeschuss auf Israel. In Jerusalem gab es in der Folge Raketenalarm. Zudem seien Explosionen zu hören gewesen, berichteten Zeugen vor Ort. Am Freitag und Samstag hatte der Islamische Dschihad bereits Hunderte Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Die meisten von ihnen wurden nach Angaben des israelischen Militärs von der Luftabwehr abgefangen.

Zweiter palästinensischer Kommandeur gezielt getötet

Das israelische Militär hatte am Freitag die großangelegte Militäraktion "Morgengrauen" gegen den Islamischen Dschihad gestartet. Dabei wurden der Militärchef Taisir al-Dschabari und weitere PIJ-Mitglieder getötet. Al-Dschabari war dem Militär zufolge verantwortlich für Raketenangriffe aus dem Küstenstreifen und geplante Angriffe auf Zivilisten. Er war als Kommandeur für den nördlichen Gazastreifen zuständig.

Eskalation auf dem Tempelberg befürchtet

Befürchtet wird nun, dass sich heute - dem jüdischen Fasten- und Trauertag Tischa BeAv - die Lage weiter zuspitzen könnte. Religiöse Juden betrauern an dem Tag die Zerstörung der beiden antiken Tempel in Jerusalem. Die Hamas rief am Abend dazu auf, die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg "zu verteidigen und sich den israelischen Übergriffen auf die heilige Stätte entgegenzustellen".

Palästinensische Berichte: Mindestens 29 Tote

Seit Beginn der israelischen Luftangriffe am Freitag starben nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums 29 Menschen. Mindestens 250 seien verletzt worden. Unter den Toten sind demnach neben PIJ-Mitgliedern sechs Kinder.

Palästinensische Berichte, wonach das israelische Militär für den Tod von fünf Kindern und einem Erwachsenen im Flüchtlingslager Dschabalia verantwortlich gemacht wird, wies Israel zurück. "Basierend auf Militärdaten scheint es, dass das Ereignis auf eine fehlgeleitete Rakete des Islamischen Dschihads zurückgeht", teilte das Militär mit.

Luftangriffe beschäftigen UN-Sicherheitsrat

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi teilte unterdessen mit, seine Regierung bemühe sich, Kämpfe und andere Gewaltakte zwischen beiden Seiten zu vermeiden, wie die staatliche Nachrichtenseite "Al-Ahram" berichtete. Berichten aus Gaza zufolge sollen sich auch die Vereinten Nationen und Katar um Vermittlung bemühen.

Die Luftangriffe sollen am Montag auch den UN-Sicherheitsrat in New York beschäftigen. Aus Diplomatenkreisen hieß es, dass ein Treffen des mächtigsten Gremiums der Vereinten Nationen von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Irland, Frankreich, Norwegen und China angefragt worden sei.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. August 2022 um 09:00 Uhr.