Iranische Flagge im Hintergrund Teheran | AP

Proteste im Iran Gegen jede Form von Unterdrückung

Stand: 04.11.2022 17:56 Uhr

Das Versprechen von US-Präsident Biden bei seiner Wahlkampfrede, den Iran befreien zu wollen, ist scharf kritisiert worden - vom Präsidenten Raisi und von jungen Menschen. Protestiert wird gegen jede Form von Unterdrückung.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Die einen rufen "nieder mit dem Diktator, nieder mit Khamenei, nieder mit den Basij-Milizen und Revolutionsgarden"- bei den vielen Demonstrationen gegen das Regime - sieben Wochen nach dem Tod Mahsa Jina Amini nach einer Kopftuchkontrolle.

Karin Senz ARD-Studio Istanbul

Die anderen verdammen die USA und Israel, wie diese Regimeanhängerin: "Wir sind im Namen Gottes gekommen, um den mächtigen Ländern unsere starke Faust zu zeigen: Amerika, Israel und auch den Unruhestiftern, die für den Tod vieler unschuldiger Menschen verantwortlich sind, vor allem unserer Sicherheitskräfte und Basijis."

Ein Jahr in Geiselhaft

Ihre Augen wirken ganz beseelt. Mehr gibt sie nicht preis. Sie trägt Mundschutz und Tschador, das schwarze Tuch, das nicht nur die Haare, sondern auch den ganzen Körper verhüllt. Sie ist zu einer Gedenkveranstaltung vor das Gebäude der früheren US-Botschaft in Teheran gekommen. Vor genau 43 Jahren hatten iranische Studenten die Botschaft gestürmt und US-Diplomaten für mehr als ein Jahr als Geiseln gehalten.  

Iranische Studenten klettern über das Tor und stürmen am 4. November 1979 die amerikanische Botschaft in Teheran.

Iranische Studenten klettern über das Tor und stürmen am 4. November 1979 die US-amerikanische Botschaft in Teheran. (Archiv)

Antwort an den US-Präsidenten

Die USA sind nach wie vor der Erzfeind der islamischen Führung. Immer wieder unterstellt sie den USA, hinter den aktuellen Protesten zu stecken. US-Präsident Jo Biden gibt dem bei einem Wahlkampf-Auftritt gestern Nahrung: "Keine Sorge, wir werden den Iran befreien. Sie werden sich ziemlich bald selbst befreien."

Eine Steilvorlage für den iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi. Der antwortete Biden in seiner Rede zum Gedenktag: "Herr Präsident, der Iran wurde vor 43 Jahren befreit. Und wir sind entschlossen, uns nicht wieder von Euch unterdrücken zu lassen. Wir werden niemals wieder eure Milchkuh sein."

Damit verweist Raisi auf die islamische Revolution 1979, bei der der Schah, der als USA-nah galt, gestürzt wurde.

Proteste gegen Unterdrückung

Die Menschen bei der Veranstaltung jubeln dem ultrakonservativen Präsidenten zu. Kritiker sprechen von einer Inszenierung. Auch Studentinnen und Studenten sind dabei.

"Wir sind hierher gekommen, um der ganzen Welt zu zeigen, dass wir angesichts der Unterdrückung nicht schweigen sollten. Wir iranischen Studenten und jungen Menschen sind gekommen, um allen zu zeigen, dass wir uns gegen Unterdrückung stellen müssen, egal was passiert", sagt ein Student. Er meint eine Unterdrückung durch den Westen, die USA und Israel.

Währenddessen gehen andere Studentinnen und Studenten an vielen anderen Orten im Iran ebenfalls auf die Straße - gegen die Unterdrückung durch das Regime.