Iranische Flagge im Hintergrund Teheran | AP

Iran Polizei geht mit Gewalt an Elite-Uni vor

Stand: 03.10.2022 01:36 Uhr

Offenbar sind in der iranischen Hauptstadt Teheran Sicherheitskräfte mit Gewalt gegen Studierende und Professoren der Scharif-Universität vorgegangen. Das berichten Medien vor Ort. Es sollen auch Schüsse gefallen sein.

In der iranischen Hauptstadt Teheran sind Sicherheitskräfte örtlichen Medienberichten zufolge mit Gewalt gegen Studierende vorgegangen. In der Nacht riegelten Polizisten und Milizen den Campus der renommierten Scharif-Universität nach Protesten ab. Auch mehrere Professoren der Elite-Universität sollen nach Angaben des iranischen Nachrichtenportals "Emtedad" verprügelt worden sein. Es sollen auch Schüsse gefallen sein.

Tausendfach in den sozialen Medien geteilte Videos, deren Echtheit zunächst nicht verifiziert werden konnte, zeigten eine starke Präsenz von Sicherheitskräften. Viele Menschen warfen den Milizen im Internet vor, mit Gewalt und scharfer Munition gegen Studierende vorzugehen.

Die Staatsmedien sprachen unterdessen von einer ruhigen Lage und warfen den Medien im Ausland vor, Lügen zu verbreiten. Dutzende Autofahrer sollen die Straßen rund um den Campus blockiert haben, um Sicherheitskräfte aufzuhalten. Es soll viele Festnahmen geben.

Scharif-Uni: Vorlesungen ausgesetzt

Seit Beginn der landesweiten Proteste im Iran demonstrierten Studierende an zahlreichen Universitäten gegen die Führung der islamischen Republik und ihren repressiven Kurs. Die Behörden sagten daraufhin in vielen Städten Vorlesungen ab. Auch an der Scharif-Uni wurden alle Vorlesungen ab Montag bis auf weiteres ausgesetzt.

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi beschuldigte am Sonntag erneut die "Feinde" des Iran, sich gegen den Staat zu verschwören, um ihn zu isolieren. Ihre Versuche seien "gescheitert", erklärte er in Teheran.

Proteste gegen das Islamische System

Auslöser der Demonstrationen ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini vor gut zwei Wochen. Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich "unislamischen Outfits" festgenommen. Was mit Amini danach geschah, ist unklar. Die Frau fiel ins Koma und starb am 16. September in einem Krankenhaus.

Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben; die Polizei weist das zurück. Seit dem Tod der jungen Frau demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs von Regierung und Sicherheitskräften sowie gegen das Islamische System.

Unterstützung kommt aus vielen Ländern

Nach dem gewaltsamen Vorgehen des Iran gegen die Proteste gingen am Sonntag in mehreren Ländern erneut Tausende Menschen auf die Straße.

In Paris versicherten Tausende Menschen den Demonstranten im Iran ihre Unterstützung. Frauen mit familiären Verbindungen in den Iran, feministische Gruppen und Politikerinnen und Politiker versammelten sich auf dem Platz der Republik und zogen danach durch den Osten der französischen Hauptstadt.

Auch in der Stadt Diyarbakir im Südosten der Türkei mit einer großen kurdischen Bevölkerung sowie in Izmir an der Westküste bekundeten Frauen ihre Solidarität mit Mahsa Amini und den Frauen im Iran. In Toronto, New York, Los Angeles, Bukarest und Beirut fanden am Wochenende ebenfalls Kundgebungen statt. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Oktober 2022 um 07:00 Uhr.