Nahid Taghavi | <Mariam Claren>

Urteil im Iran Zehn Jahre Haft für Deutsch-Iranerin

Stand: 04.08.2021 16:04 Uhr

Nahid Taghavi war im Oktober 2020 in ihrer Wohnung in Teheran verhaftet worden. Nun hat ein iranisches Gericht die Deutsch-Iranerin wegen der "Leitung einer illegalen Gruppe" zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Die Deutsch-Iranerin Nahid Taghavi hat im Iran wegen illegaler politischer Aktivitäten eine langjährige Haftstrafe erhalten. Taghavi sei wegen der "Leitung einer illegalen Gruppe" zu zehn Jahren und wegen Propaganda gegen das islamische Regime zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden, teilte ihr Anwalt Mostafa Nili auf Twitter mit. Um was für eine illegale Gruppe und Propaganda es sich handeln soll, erläuterte er nicht.  

Reue könnte Strafe noch mildern

Das Urteil basiert laut Nili auf einer islamischen Regel, die bei der Strafe die Reue als Kriterium berücksichtigt. In diesem Fall könnte die 67-jährige Kölnerin noch auf mildernde Umstände hoffen - und damit Rechtsexperten zufolge auf eine kürzere Haft- oder gar eine Geldstrafe.

Nahid Taghavi war im Oktober 2020 in ihrer Wohnung in Teheran verhaftet worden, nachdem sie Verwandte in dem Land besucht hatte. Die iranische Justizbehörde hat sich bis heute weder zu der Verhaftung noch zu den Vorwürfen geäußert.

Nahid im Gefängnis in Teheran

Laut unbestätigten Berichten sitzt sie derzeit im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran ein und hat sich kürzlich mit dem Coronavirus infiziert. Die im Iran geborene Architektin lebte seit 1983 in Köln und besitzt seit 2003 die deutsche Staatsangehörigkeit.

Ihre Tochter Mariam Claren in Köln versucht seit letztem Jahr, mit den Hasthtags #FreeNahid und #FreeMama auf die Festnahme ihrer Mutter aufmerksam zu machen. Sie bestätigte auf Twitter die Verurteilung Taghavis.

Menschenrechtler: "Tatbestand der Folter"

Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, warf der iranischen Justiz vor, Nahid Taghavi "sowohl konsularischer Beistand und angemessene medizinische Versorgung als auch Schutz vor einer Corona-Infektion verweigert" zu haben. "Ihre Haftumstände erfüllen den Tatbestand der Folter", erklärte er. Das Auswärtige Amt sei bisher nicht in der Lage gewesen, sich erkennbar für die Deutsch-Iranerin einzusetzen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 13. Juni 2021 um 12:20 Uhr.