Papst Franziskus (R), begleitet vom chaldäisch-katholischen Erzbischof von Mosul Najib Michaeel Moussa (3.-R), Mossul/Irak. | AFP

Papst gedenkt Kriegsopfern im Irak "Geschwisterlichkeit ist stärker als Brudermord"

Stand: 07.03.2021 11:06 Uhr

Papst Franziskus hat in Mossul bei einer Zeremonie für die Kriegsopfer des IS-Terrors gebetet. Er rief zur Versöhnung zwischen den Religionen auf. Zum Ende seiner Irak-Reise will Franziskus eine Messe mit Tausenden Gläubigen abhalten.

Papst Franziskus hat bei seiner Irak-Reise in einer symbolträchtigen Zeremonie in Mossul der Kriegsopfer gedacht. Auf dem Platz Hosh al-Bieaa, Schauplatz der Zerstörung mehrerer christlicher Kirchen durch den "Islamischen Staat" (IS), berichteten mehrere Zeitzeugen über Verfolgung und Vertreibung während der IS-Herrschaft.

Der Papst zeigte sich bestürzt angesichts der "grauenvollen Erfahrungen". Ein "unermesslicher Schaden" sei angerichtet worden. Moslems, Christen, Jesiden - alle zählten zu den Opfern. "Heute bekräftigen wir nichtsdestotrotz erneut unsere Überzeugung, dass die Geschwisterlichkeit stärker ist als der Brudermord", sagte  Franziskus.

"Brauchen prophetische Stimme"

Am letzten Tag seiner historischen Reise in den Irak betete der Papst für die Kriegsopfer. Es sei falsch, im Namen Gottes Brüder und Schwestern zu töten und in seinem Namen Kriege zu führen, denn er sei der Gott des Lebens und des Friedens. "Wenn Gott der Gott der Liebe ist - und das ist er - dann ist es falsch für uns, unsere Brüder und Schwestern zu hassen", sagte er.

Mossuls chaldäisch-katholischer Erzbischof Najib Mikhael Moussa dankte Franziskus für seinen Besuch. Das Land benötige "eine prophetische Stimme, um diesem leidenden Volk zu helfen". Gemeinsam wolle man die "Mauern zwischen den Religionen niederreißen", um den Weg für Frieden und Nächstenliebe zu ebnen.

Am Ende der Zeremonie wurde auf dem Kirchplatz ein Gedenkstein enthüllt, um an die Papstvisite zu erinnern. Franziskus ließ eine Friedenstaube aufsteigen, ehe er nach Karakosch - die einst größte christliche Stadt des Iraks - weiterreiste

Anreise im gepanzerten Konvoi

Am frühen Morgen war Franziskus in Erbil angekommen. Anschließend flog ihn eine Hubschrauber-Eskorte nach Mossul. Ein gepanzertes Fahrzeug brachte das Kirchenoberhaupt ins Zentrum der Stadt Mosul. Am Nachmittag will der Papst in einem Stadion von Erbil mit mehreren Tausend Gläubigen eine Messe feiern.

Das Oberhaupt der Katholiken war am Freitag im Irak eingetroffen. Es ist der erste Besuch eines Papstes im Irak und Franziskus' erste Auslandsreise seit Beginn der Corona-Pandemie.

Viele flohen in die Kurdengebiete

Der Besuch in Mossul ist von großer symbolischer Bedeutung. Die Stadt in der Ninive-Ebene war 2014 vom IS überrannt worden, ebenso wie weite Gebiete im Norden und im Zentrum des Irak. In Mossul hatte der IS im Juni 2014 ein "Kalifat" ausgerufen. 

Die Ninive-Ebene war bis zur Eroberung durch den IS eines der Hauptsiedlungsgebiete der Christen im Irak. Sie flohen 2014 aus ihren Dörfern und fanden Zuflucht im irakischen Kurdengebiet. Nur mehrere Zehntausend von ihnen sind inzwischen wieder zurückgekehrt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. März 2021 um 11:00 Uhr.