Barham Salih, Präsident vom Irak, und Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, gehen durch den Präsidentenpalast zu einer gemeinsamen Pressekonferenz.  | dpa

Regionalkonferenz in Bagdad Hoffen auf Stabilität im Irak und der Region

Stand: 28.08.2021 20:40 Uhr

Es geht um Stellvertreterkriege zwischen dem Iran und Saudi-Arabien und um den Kampf gegen den "Islamischen Staat": Eine Konferenz in Bagdad soll Konflikte in der Region entschärfen - und die sind zahlreich.

Ranghohe Vertreter aus den Golfstaaten sowie des Iran haben sich zum Abbau regionaler Spannungen in der irakischen Hauptstadt Bagdad getroffen. Schwerpunkte der Konferenz sind die Annäherung der beiden Erzfeinde Iran und Saudi-Arabien und deren Stellvertreterkonflikte. Auch der Kampf gegen den IS und andere radikalislamische Gruppen steht auf der Tagesordnung.

"Wir wehren uns dagegen, den Irak in einen Schauplatz für regionale und internationale Konflikte zu verwandeln", sagte der irakische Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi zur Eröffnung der Konferenz. Das Land wolle Beziehungen mit anderen Staaten durch Zusammenarbeit und Integration pflegen ohne fremde Einmischung in interne Angelegenheiten.

Macron: Stabilität der Region stärken

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nahm teil. Hauptzweck des Treffens sei Stabilität im Irak, "was offenkundig zur Stabilität in der gesamten Region beitragen wird", sagte Macron. Man dürfe im Kampf gegen den IS "nicht unachtsam" werden. Es müssten im Irak auch die richtigen Bedingungen für junge Menschen geschaffen werden, dass diese nicht in "Extremismus und Terrorismus" abdrifteten, so der französische Präsident.

Seit 2019 waren im Irak immer wieder vor allem junge Menschen auf die Straße gegangen, um unter anderem gegen Korruption und die schlechte Wirtschaftslage zu protestieren.

Französischer Irak-Einsatz unabhängig von USA

Macron betonte zudem, dass Frankreich seinen Militäreinsatz im Irak im Antiterrorkampf unabhängig von den USA fortsetzen werde. "Wir werden unsere Präsenz für den Kampf gegen den Terrorismus so lange aufrechterhalten, wie die Terrorgruppen ihre Aktivitäten fortsetzen und so lange die irakische Regierung uns darum bittet", sagte Macron. Frankreich habe dazu die operationellen Kapazitäten, unabhängig von den Entscheidungen der US-Amerikaner. Rund 800 französische Soldaten sind nach Angaben Macrons derzeit im Irak und in Jordanien stationiert.

Unter dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump war der Großteil der US-Truppen aus dem Irak abgezogen worden - derzeit sind noch 2500 US-Soldaten dort. Trumps Nachfolger Joe Biden kündigte im Juli an, dass der Kampfeinsatz Ende des Jahres eingestellt werde. Die US-Armee werde die irakischen Regierungstruppen aber auch danach als Berater und Ausbilder unterstützen.

Barham Salih und Emmanuel Macron geben eine Pressekonferenz. | dpa

Macron will in Abstimmung mit seinem irakischen Amtskollegen Salih handeln. Bild: dpa

Viele Konfliktlinien

Im Irak schwelt seit Jahren unter anderem der Konflikt zwischen den USA und pro-iranischen Milizen. Seinen Höhepunkt erreichte der Konflikt Anfang 2020, als die USA noch unter Präsident Trump bei einem Raketenangriff am Flughafen von Bagdad den iranischen Top-General Ghassem Soleimani und den irakischen Milizenanführer Abu Mahdi Al-Muhandis töteten. Die pro-iranischen Milizen fordern den Abzug aller US-Truppen aus dem Irak.

Neben dem neuen iranischen Außenminister Hussein Amirabdollahian reiste auch der saudische Außenminister Faisal bin Farhan zu der Konferenz nach Bagdad. Der schiitische Iran und das sunnitische Saudi-Arabien sind verfeindet. Saudi-Arabien fürchtet, dass die iranische Führung ihren Einfluss in der Region ausbaut, etwa durch Unterstützung der Milizen im Irak und in Syrien sowie der Huthi-Rebellen im Jemen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. August 2021 um 20:00 Uhr.