Fußballfans stürmen das Spielfeld im Kanjuruhan-Stadion nach dem Erstliga-Spiel zwischen Arema FC und Persebaya FC. | dpa

Nach Fußballspiel in Indonesien Mehr als 170 Tote bei Massenpanik

Stand: 02.10.2022 08:26 Uhr

Nach einem Fußballspiel in Indonesien haben Tausende Zuschauer den Platz gestürmt. Als die Polizei Tränengas einsetzte, brach eine Massenpanik aus. Den Behörden zufolge kamen mehr als 170 Menschen ums Leben.

Bei schweren Ausschreitungen im Anschluss an ein Fußballspiel in der indonesischen Provinz Ost-Java sind dem stellvertretenden Gouverneur von Java zufolge 174 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Toten seien auch zwei Polizisten, teilte die indonesische Polizei mit. Zudem seien mehr als 100 Menschen verletzt worden. Nach dem Ende des Spiels zwischen Arema FC und Persebaya Surabaya hatten Anhänger der unterlegenen Mannschaft das Spielfeld gestürmt.

Als die Polizei Tränengas einsetzte, sei eine Massenpanik ausgebrochen, sagte der Polizeichef von Ostjava, Nico Afinta, gegenüber Reportern. 34 Menschen seien auf dem Spielfeld des Kanjuruhan-Stadions gestorben, alle weiteren in Krankenhäusern, sagte Afinta laut dem Radiosender Elshinta und dem Sender tvOne weiter.

Zu Tode getrampelt

Das Kanjuruhan Stadion fasst insgesamt 42.000 Zuschauer und war nach Angaben der Behörden ausverkauft. Laut Polizei stürmten 3000 Menschen den Platz. "Wir möchten darauf hinweisen, dass nicht alle anarchisch waren, es waren nur etwa 3000, die das Spielfeld betraten", sagte der örtliche Polizeichef. Aufnahmen aus dem Stadion zeigten Menschen, die über Zäune kletterten, und andere, die Verletzte trugen. Abgefackelte Fahrzeuge, darunter auch ein Polizeifahrzeug, säumten die Straßen vor dem Stadion.

Die meisten Menschen sollen laut Polizeihauptinspektor Afinta an Sauerstoffmangel gestorben sein. Viele der Opfer wurden zu Tode getrampelt. Bei den Ausschreitungen wurden 13 Fahrzeuge beschädigt, darunter zehn der Polizei.

Ein beschädigtes Auto nach einem Aufruhr nach einem Fußballspiel im Kanjuruhan-Stadion | via REUTERS

Bild: via REUTERS

Clubs sprechen Beileid aus

Die Fußball-Clubs Arema und Persebaya sprachen den Opfern und ihren Familien ihr Beileid aus. "Arema FC spricht tiefes Beileid für die Katastrophe in Kanjuruhan aus. Das Management von Arema FC ist auch für den Umgang mit den Opfern verantwortlich, sowohl für die Toten als auch für die Verletzten", sagte Vereinschef Abdul Haris.

Der Club werde ein Krisenzentrum und eine Opferinformationsstelle einrichten. "Bei den Familien der Opfer entschuldigt sich das Management von Arema FC zutiefst und ist bereit, eine Entschädigung zu leisten. Das Management ist bereit, Vorschläge für den Umgang mit der Katastrophe anzunehmen, damit viele gerettet werden", erklärte Haris. 

Keine Heimspiele für den Rest der Saison

Der indonesische Fußball-Verband (PSSI) setzte den Spielbetrieb in der ersten Liga für eine Woche aus. Arema wurde die Austragung von Heimspielen für den Rest der Saison untersagt. Zudem habe der Verband ein Untersuchungsteam eingesetzt, das noch am Sonntag seine Arbeit aufnehmen sollte.

"PSSI bedauert die Aktionen der Aremania-Anhänger im Kanjuruhan-Stadion. Es tut uns leid und wir entschuldigen uns bei den Familien der Opfer und bei allen Beteiligten für den Vorfall", sagte der Verbandsvorsitzende Mochamad Iriawan. Man werde die Polizei bei der Aufklärung unterstützen. In Indonesien ist die Rivalität zwischen den Vereinen so stark, dass es bei Fußballspielen immer wieder zu Gewalt unter den Anhängern kommt.

Indonesische Regierung kündigt Überprüfung an

Auch die indonesische Regierung entschuldigte sich für den Vorfall. Sie versprach, die Umstände der Massenpanik zu untersuchen. "Wir bedauern diesen Vorfall", sagte der indonesische Sport- und Jugendminister Zainudin Amali dem Fernsehsender Kompas. Er kündigte eine gründliche Überprüfung der Spielorganisation an. 

Die Organisatoren hätten die Empfehlung der Behörden ignoriert, das Spiel am Nachmittag statt am Abend abzuhalten, sagte der indonesische Koordinationsminister für politische, rechtliche und sicherheitspolitische Angelegenheiten, Mahfud MD. Ihm zufolge empfahl die Regierung, nur 38.000 Eintrittskarten zu drucken. Stattdessen seien sämtliche 42.000 Stadionplätze verkauft worden. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Oktober 2022 um 09:59 Uhr.