Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden in Indien tragen den verhüllten Körper eines verstorbenen Covid-19-Erkrankten in einem Krematorium. | REUTERS

Internationale Zusagen Hilfe für Indien rollt an

Stand: 26.04.2021 17:29 Uhr

Erneut hat Indien dramatische Corona-Zahlen gemeldet. Deutschland und andere Staaten wollen nun möglichst rasch Sauerstoff und Medikamente liefern. Die USA lockern dafür ihre Exportbeschränkungen.

Angesichts der dramatischen Pandemie-Lage in Indien will die Bundesregierung das Land nun möglichst bald mit Hilfslieferungen unterstützen. "Innerhalb der Bundesregierung und im Gespräch mit Unternehmen setzen wir deshalb gerade alle Hebel in Bewegung, um schnellstmöglich, etwa mit Sauerstoff und Medikamenten, unterstützen zu können", sagte Außenminister Heiko Maas der "Rheinischen Post".

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, aktuell werde geprüft, welche Unterstützung gegeben werden könne. Er nannte als Beispiele Sauerstoffanlagen, Beatmungsgeräte und Medikamente. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums fügte hinzu, dass das Hilfspaket auf Bundesebene koordiniert und zügig zusammengestellt werden solle.

Botschafter: 100 Beatmungsgeräte

Laut dem Deutschen Botschafter in Neu-Delhi, Walter Lindner, will das Bundesgesundheitsministerium mehr als 100 Beatmungsgeräte schicken. Aus der Arzneimittelreserve würden Medikamente wie Remdisivir zur Verfügung gestellt, sagte er im Interview mit einem indischen Fernsehsender. Die Bundeswehr biete eine Sauerstoffaufbereitungsanlage an, die Hunderte Menschen versorgen könne.

Indien hatte in den letzten vergangenen Tagen jeweils mehr als 350.000 Neuinfektionen gemeldet. Mit 352.991 neuen Fällen verzeichnete das Land heute erneut einen weltweiten Höchstwert. Binnen 24 Stunden wurden zudem 2812 Todesfälle registriert  - so viele wie noch nie seit Pandemiebeginn.

Wegen der starken Ausbreitung von Virusvarianten ist der Reiseverkehr mit dem Land in Deutschland ab heute stark eingeschränkt. Indien gilt nun offiziell als Virusvariantengebet - eine Einreise nach Deutschland ist damit ist praktisch nur noch für deutsche Staatsbürger und für Menschen mit Aufenthaltsrecht in der Bundesrepublik möglich. Sie müssen vor Abflug einen aktuellen negativen Corona-Test nachweisen. Nach der Ankunft in Deutschland gilt eine 14-tägige Quarantänepflicht.

Hilfen auch aus den USA und Großbritannien

Auch andere Länder sagten Indien Hilfe zu. Die US-Regierung will unter anderem Rohstoffe für die Impfstoff-Herstellung und Beatmungsgeräte bereitstellen. Die Rohstoffe sollten dem Land umgehend zur Verfügung gestellt werden, erklärte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats. Eigentlich gilt für diese Stoffe ein US-Exportverbot. Auch Corona-Tests, medizinische Schutzausrüstung und Medikamente sollen laut Weißem Haus nach Indien geschickt werden. Gearbeitet werde rund um die Uhr, um alles zu beschaffen, hieß es.

Damit hat die Regierung unter Präsident Joe Biden begonnen, ihren Kurs zu ändern. Bisher hatte sie den Standpunkt vertreten, dass erst alle US-Bürger versorgt sein müssten, bevor man dem Rest der Welt helfen könne. Noch ungeklärt ist, ob die USA nicht benötigten Impfdosen des Herstellers AstraZeneca bereitstellen wird. Der wichtigste Corona-Berater der Regierung, Anthony Fauci, erklärte, dieser Schritt werde geprüft. Die USA haben zahlreiche Dosen des Impfstoffes gelagert, der dort gar nicht zugelassen ist. Ein Teil davon ist bereits Mexiko und Kanada überlassen worden.

Aus Großbritannien sollen in der Nacht zum Dienstag die ersten neun Luftfrachtcontainer mit Hilfslieferungen in Indien eintreffen, wie der britische Premierminister Boris Johnson ankündigte. Geliefert werden unter anderem Beatmungsgeräte und Sauerstoffkonzentratoren. Auch Frankreich, Kanada und Pakistan boten Indien ihre Hilfe an.

EU: Zivilschutz-Mechanismus aktiviert

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Wochenende Hilfe über den europäischen Katastrophenschutz-Mechanismus versprochen. Über den Mechanismus nimmt die Behörde zentral Hilfsgesuche aus aller Welt bei humanitären Notlagen entgegen. Anschließend koordiniert und kofinanziert die Behörde Hilfsangebote der EU-Länder und weiterer europäischer Staaten.

Bis heute Mittag hatte nach Kommissionsangaben dann ein Mitgliedstaat Hilfszusagen über das EU-Instrument getätigt: Irland werde 700 medizinische Sauerstoffkonzentratoren liefern, so ein Sprecher der Brüsseler Behörde. "Wir rechnen in den nächsten Stunden und Tagen mit weiteren Hilfszusagen." Die Kommission ist demnach auch mit Frankreich und Deutschland in Kontakt. Sollten Paris und Berlin ihre in Aussicht gestellte Hilfe über den EU-Katastrophenschutz leiten, würde Brüssel die Organisation übernehmen und den Transport mitfinanzieren.

Das ohnehin schlecht ausgestattete Gesundheitssystem Indiens steht angesichts der rapide steigenden Infektionszahlen vor dem Kollaps. Besonders dramatisch ist die Lage in der Hauptstadt Neu-Delhi. In zahlreichen Krankenhäusern sind medizinischer Sauerstoff und Medikamente knapp. Angehörige von Corona-Patienten suchen im Internet verzweifelt nach freien Krankenhausbetten. Mitverantwortlich für die dramatische Lage in Indien ist vermutlich die neue Coronavirus-Mutante B.1.617.

Mit Informationen von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 26. April 2021 um 15:33 Uhr.

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