Im indischen Ahmedabad arbeiten drei Männer in einem Lager voller Sauerstoffflaschen. | REUTERS

Kampf gegen zweite Corona-Welle Staaten sichern Indien Hilfe zu

Stand: 25.04.2021 21:14 Uhr

Am Morgen meldete Indien den weltweit bislang höchsten Wert an täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Nun kündigten mehrere Länder Unterstützung durch schnellstmögliche Lieferungen von Hilfsgütern an.

In Indien nimmt die zweite Corona-Welle ein immer drastischeres Ausmaß an. Die Neuinfektionen erreichen inzwischen täglich einen Höchstwert, die Kliniken sind völlig überlastet. Gleich mehrere Länder wollen Indien nun mit Hilfslieferungen unterstützen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, der Kampf gegen die Pandemie sei ein "gemeinsamer Kampf". Über einen Tweet des Sprechers der Bundesregierung, Steffen Seibert, äußerte Merkel ihr "Mitgefühl für das schreckliche Leid", welches das Virus über Indien gebracht habe. "Wir bereiten so schnell wie möglich eine Unterstützungsmission vor", versicherte Merkel.

Kurz darauf teilte das Bundesverteidigungsministerium mit, es prüfe, ob eine mobile Herstellungsanlage für Sauerstoff nach Indien geschickt werden könne. Zudem arbeite das Ministerium "mit Hochdruck" daran, wie der Transport weiterer Hilfsgüter unterstützt werden kann, teilte ein Sprecher mit.

EU aktiviert Zivilschutzmechanismus

Im Laufe des Tages folgten von mehreren Seiten weitere Hilfsangebote. Sie sei "sehr besorgt" über die Lage in Indien, twitterte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Die EU habe den Zivilschutzmechanismus aktiviert, um schnellstmöglich Indiens Ruf nach Hilfe Folge leisten zu können. Von der Leyen verwies auf ein Statement des EU-Kommissars für Krisenmanagement, Janez Lenarčič: Er betonte, derzeit laufe schon die Koordinierung zwischen den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten, um Sauerstoff und Arzneimittel nach Indien zu schicken.

"Seite an Seite mit Indien als Freund und Partner "

Das britische Außenministerium plant, mehr als 600 medizinische Geräte nach Indien zu senden. Dazu zählen demnach 140 Beatmungsgeräte und 495 Sauerstoffkonzentratoren aus überschüssigen Beständen des Vereinigten Königreichs.

"Wir stehen Seite an Seite mit Indien als Freund und Partner während einer äußerst besorgniserregenden Zeit im Kampf gegen Covid-19", betonte der britische Premierminister Boris Johnson. Die erste Lieferung von Hilfsgütern solle am Dienstag in Indien eintreffen, im Laufe der Woche sollen weitere Lieferungen folgen.

Auch die USA kündigten an, "sofort" Medikamente, Schnelltests, Beatmungsgeräte und Schutzausrüstung nach Indien zu schicken. Außerdem soll das Land spezifische Rohmaterialen erhalten, um den Impfstoff AstraZeneca herzustellen. Das Mittel wird in Indien unter dem Namen Covishield produziert. In einer Erklärung des Weißen Hauses hieß es:

Genau wie Indien den Vereinigten Staaten Hilfe schickte, als unsere Krankenhäuser zu Beginn der Pandemie überlastet waren, sind die Vereinigten Staaten entschlossen, Indien in der Zeit der Not zu helfen.

Selbst Pakistan, das zu Indien traditionell ein angespanntes Verhältnis hat, kündigte Hilfe in Form von medizinischen Gütern an. Als eine "Geste der Solidarität" mit der indischen Bevölkerung wolle man Beatmungsgeräte, digitale Röntgengeräte, Schutzkleidung und andere Ausrüstung bereitstellen, teilte das Außenministerium mit.

Höchste Zahl an täglichen Neuinfektionen weltweit

In Indien steigen die Neuinfektionen mit dem Coronavirus rasant an. Am Morgen meldeten die Gesundheitsbehörden 349.691 weitere Fälle innerhalb von 24 Stunden - der bislang höchste Wert an täglichen Neuinfektionen weltweit. Zudem seien binnen eines Tages 2767 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gemeldet worden. Das ist die bisher höchste Zahl an Todesopfern innerhalb dieses Zeitraums in dem Land. Indien verzeichnet damit den vierten Tag in Folge mehr als 300.000 Neuinfektionen und mehr als 2000 Corona-Tote.

Deutschland erklärt Indien zum Virusvariantengebiet

Die Härte der zweiten Welle wird auch auf die Ausbreitung der Doppelmutante B.1.617 zurückgeführt. Deutschland erklärte Indien deshalb bereits Anfang der Woche zum Virusvariantengebiet. Damit besteht für Menschen, die sich zuvor in Indien aufgehalten haben, weitgehend ein Einreiseverbot. Ausnahmen bestehen beispielsweise für Deutsche und ausländische Staatsbürger, die in der Bundesrepublik Aufenthaltsrecht haben. Doch auch sie müssen schon vor ihrer Einreise einen negativen Corona-Test vorweisen und sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland in Quarantäne begeben.

Neben Deutschland haben auch andere Länder, beispielsweise Italien, die Einreise aus Indien eingeschränkt. Indiens Nachbarstaat Bangladesch kündigte an, seine Grenze zu Indien schließen zu wollen. Nur noch eigene Staatsbürger dürften nach Bangladesch zurückkehren. Und die vereinigten Arabischen Emirate wollen ab Wochenbeginn alle Flugverbindungen aus Indien und Pakistan bis vorerst zum 4. Mai aussetzen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. April 2021 um 20:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Tada 25.04.2021 • 23:54 Uhr

@ DerOstbayer

"Neben der Hilfe aus dem Ausland muss Indien die Aktivitäten für 2-3 Wochen stilllegen sonst ist der Tsunami nicht zu bewältigen." Am 25. April 2021 um 22:37 von DerOstbayer * Aha. Und wie soll Indien das bitte finanzieren? Spenden oder leihen Sie Geld? Da trifft Ihre Fantasie auf Realität. Eine Stilllegung muss man sich leisten können.