Krankenwagen mit Covid Patienten warten vor dem Regierungskrankenhaus in Ahmedabad (Indien). | AP

Coronavirus in Indien Ein Höchststand nach dem anderen

Stand: 25.04.2021 14:02 Uhr

Indien meldet den vierten Tag in Folge einen neuen Höchstwert bei Neuinfektionen. Die Krankenhäuser sind am Limit, es fehlt Sauerstoff. Deutschland und die USA kündigten an, das Land bei der Pandemie-Bekämpfung zu unterstützen.

Die rasche Ausbreitung des Corona-Virus bringt Krankenhäuser in Indien an ihre Belastungsgrenze. Mit täglich neuen Höchstwerten an Neuinfektionen gilt das nach Bevölkerung zweitgrößte Land der Welt mittlerweile als globales Epizentrum der Pandemie: Erneut meldet Indien nun mit 349.691 Fällen einen neuen Höchstwert bei Neuinfektionen. Das Gesundheitsministerium teilte mit, es seien 2767 Infizierte gestorben. Damit steigt die Zahl der Corona-Toten auf 192.311.

Gestern hatten die Behörden des Landes mit 2624 Corona-bedingten Todesfällen binnen eines Tages einen neuen Höchststand gemeldet. Zudem schnellte die Zahl der Neuinfektionen auf mehr als 340.000.

Kliniken an Belastungsgrenze

Kliniken berichteten am Samstag von verschärftem Mangel an medizinischem Sauerstoff zur Beatmung von Patienten, die an der Lungenkrankheit leiden. Fernsehbilder zeigten Warteschlangen vor Krankenhäusern. Die Regierung setzt Luftstreitkräfte und Züge zur Verteilung der Sauerstoff-Flaschen ein. "Bitte helft uns, Sauerstoff zu bekommen, sonst kommt es hier zu einer Tragödie", hatte sich der Chef-Minister für die Hauptstadt-Region Delhi, Arvind Kejriwal, an Ministerpräsident Narendra Modi gewendet.

Modi forderte alle Bürger auf, sich impfen zu lassen und Vorsicht walten zu lassen. Ein Sturm von Infektionen habe das Land erschüttert. "Unsere Stimmung war hoch, nachdem wir die erste Welle erfolgreich bewältigt hatten", sagte Modi in einer Radio-Ansprache. "Aber dieser Sturm hat die Nation erschüttert."

Merkel kündigt Nothilfe an

Angesichts der dramatischen Corona-Lage in dem Land will Deutschland helfen. "Wir bereiten so schnell wie möglich eine Unterstützungsmission vor", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Angaben ihres Sprechers Steffen Seibert. "Der Kampf gegen die Pandemie ist unser gemeinsamer Kampf." Die Regierung in Neu Delhi hatte bereits am Freitag mitgeteilt, dass eine Lieferung von 23 Anlagen zur Aufbereitung von Sauerstoff aus Deutschland geplant sei.

Auch die USA kündigten an, Indien bei der Pandemie-Bekämpfung zu unterstützen. Eine Sprecherin sagte, die US-Regierung sei über die Situation in Indien zutiefst besorgt und bereit, schnell zusätzliche Hilfe zu leisten.Ein Sprecher der indischen Botschaft in Washington sagte, Vertreter beider Länder verhandelten über die beschränkte Lieferung von Vakzin-Komponenten amerikanischer Pharma-Unternehmen und die Entsendung von medizinischem Personal nach Indien.

Variante erstmals in der Schweiz nachgewiesen

Derweil ist in der Schweiz erstmals ein Infektionsfall mit der indischen Coronavirus-Variante nachgewiesen worden. Wie das schweizerische Bundesamt für Gesundheit mitteilte, handelte es sich bei dem Betroffenen um einen Passagier, der über einen Transitflughafen in die Schweiz eingereist war. Die Beratungen darüber, ob Indien auf die Risikoliste des Landes gesetzt wird, laufen demnach.

Spahn: Einreisen sollen deutlich eingeschränkt werden

Angesichts der dramatischen Corona-Infektionslage werden Einreisen aus Indien nach Deutschland weitgehend gestoppt. "Um unsere Impfkampagne nicht zu gefährden, muss der Reiseverkehr mit Indien deutlich eingeschränkt werden", schrieb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Samstag via Twitter. Daher werde die Regierung Indien kurzfristig zum Virusvariantengebiet erklären. Ab Sonntagnacht dürfen Spahn zufolge nur noch Deutsche aus Indien einreisen. Für sie gilt eine Testpflicht vor dem Abflug sowie eine 14-tägige Quarantäne nach der Ankunft in Deutschland. Die Regelung soll ab Montagfrüh 00.00 Uhr in Kraft treten. "Die neu entdeckte Virus-Mutation in Indien besorgt uns sehr", erklärte Spahn.

Für die dramatische Lage in Indien wird unter anderem die "Doppel-Mutante" B.1.617 verantwortlich gemacht. Sie trägt zwei Mutationen im Spike-Protein des Virus, mit dem sich der Erreger an menschliche Zellen andockt. Diese könnten möglicherweise zu einer höheren Übertragbarkeit führen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. April 2021 um 09:06 Uhr.