Löscharbeiten am Explosionsort in Beirut

Israel schweigt zu Vorfall Hisbollah droht nach Tod von Hamas-Anführer

Stand: 03.01.2024 05:01 Uhr

Ein führendes Mitglied der Hamas ist bei einem Drohnenangriff in Libanons Hauptstadt Beirut getötet worden. Israels Militär wollte die Berichte nicht kommentieren. Die Hisbollah kündigte eine Reaktion an.

Bei einem Drohnenangriff in einem Vorort von Beirut ist libanesischen Sicherheitsvertretern zufolge die Nummer zwei der radikal-islamistischen Terrororganisation Hamas ums Leben gekommen. Saleh al-Aruri sei zusammen mit seinen Leibwächtern bei dem Angriff auf das Hamas-Büro südlich von Beirut getötet worden, sagte ein ranghoher Sicherheitsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Kurz darauf sprach die Hamas in ihren offiziellen Medien von der "Ermordung" al-Aruris.  

"Der Vizepräsident des Politbüros der Hamas, Scheich Saleh al-Aruri, wurde bei einem zionistischen Angriff in Beirut zum Märtyrer", gab die Hamas auf ihrem offiziellen Fernsehkanal, al-Aksa TV, und ihren anderen Medien bekannt. Bei dem Angriff seien auch die Kommandeure der Kassam-Brigaden, Samir Findi Abu Amer und Assam al-Akraa Abu Ammar, getötet worden.

Simon Riesche, ARD Kairo, mit Informationen zum Tod eines führenden Hamas-Mitglieds durch einen Drohnenangriff im Libanon

tagesthemen, 02.01.2024 23:15 Uhr

Hisbollah kündigt "Folgen" an

Der Anschlag sei ein schwerer Angriff auf den Libanon, erklärte die islamistische Hisbollah-Miliz. Der Mord an al-Aruri und Kommandeuren werde nicht ohne eine Antwort bleiben. Libanesischen Staatsmedien zufolge wurde bei dem Angriff das Büro der Hamas in einem südlichen Vorort von Beirut getroffen, der als Hochburg der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz gilt.

Saleh al-Aruri (Archivbild)

Saleh al-Aruri ist bei einem Drohnenangriff im Süden Beiruts getötet worden.

Keine Bestätigung aus Israel

Israels Militär wollte die Berichte auf Anfrage nicht kommentieren. Militärsprecher Daniel Hagari sagte, Israel konzentriere sich auf den Kampf gegen die Hamas und werde das weiter tun. Er fügte aber hinzu: "Wir sind in hoher Bereitschaft für jegliches Szenario." Den Tod al-Aruris erwähnte Hagari dabei nicht.

Sollte es sich um einen israelischen Angriff handeln, wäre es der erste auf ein Ziel in der libanesischen Hauptstadt seit dem Beginn des Kriegs zwischen Israel und der Hamas am 7. Oktober - und die erste gezielte Tötung eines hohen palästinensischen Funktionärs.

Bislang beschränkten sich die Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Hisbollah-Miliz - einem Verbündeten der palästinensischen Hamas - auf die Grenzgebiete im Süden des Libanon.

Likud-Funktionär gratuliert Israels Militär

Danny Danon, ranghohes Mitglied der Likud-Partei, der auch Israels Premierminister Benjamin Netanyahu angehört, gratulierte Israels Militär, Geheimdiensten und Sicherheitskräften auf X zur Tötung al-Aruris in Beirut. Alle am Massaker am 7. Oktober Beteiligten sollten wissen, dass Israel sie erreichen werde, schrieb er. Israelischen Medienberichten zufolge hat der israelische Kabinettssekretär den Ministern untersagt, sich zu dem Vorfall zu äußern. Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb auf X: "Alle deine Feinde werden umkommen, Israel."  

Der Sicherheitsberater der israelischen Regierung versuchte derweil offensichtlich, die Lage zu entschärfen. Der mutmaßliche Angriff galt allein der Hamas, betonte Mark Regev dem US-Sender MSNBC. "Wer auch immer das getan hat, es muss klar sein, das dies keine Attacke auf den libanesischen Staat war. Es war nicht einmal eine Attacke auf die Hisbollah." Er sagte weiterhin: 'Wer auch immer diesen Angriff ausgeführt hat, ist sehr chirurgisch genau vorgegangen und hatte es auf ein Hamas-Ziel abgesehen. Denn Israel ist im Krieg", sagte er ohne den Satz zu Ende zu führen.

Al-Aruri, den Israel als Drahtzieher von Anschlägen im Westjordanland sah, galt schon länger als mögliches Ziel für einen Anschlag. Er galt als zuständig für die Aktivitäten des militärischen Hamas-Arms im Westjordanland. Israel und die Hamas hatten im Sommer - schon vor Beginn ihres laufenden Kriegs - Drohungen ausgetauscht. Netanyahu sagte dabei, al-Aruri wisse "sehr genau, warum er und seine Freunde sich versteckt halten". 

Symbolträchtiges Datum

Die Explosion ereignete sich am Abend vor dem dritten Jahrestag der Tötung von General Ghassem Soleimani der islamischen Revolutionswächter (IRGC). Die USA hatten ihn 2020 im Irak durch einen Drohnenangriff getötet. Kürzlich war zudem der ranghohe iranische General Sejed-Rasi Mussawi bei einem mutmaßlich israelischen Luftangriff in Syrien getötet worden.

 

Nina Amin, ARD Berlin, zzt. Kairo, tagesschau, 02.01.2024 19:51 Uhr