Helfer in Schutzkleidung laufen in einer Reihe durch Labuan in Malaysia. Sie versuchen, unter der Bevölkerung Corona-Infektionen zu erkennen. | dpa

Coronavirus in Südostasien Die Angst vor dem Schlimmsten wächst

Stand: 20.07.2021 10:09 Uhr

In Südostasien breitet sich das Coronavirus wieder rasant aus. Einen Impfschutz haben bisher die wenigsten - und so greifen die Regierungen erneut auf scharfe Einschränkungen zurück.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Es ist Opferfest, Hari Raya Haji, einer der höchsten islamischen Feiertage - und wieder können die Gläubigen in Südostasien ihn nicht gemeinsam begehen.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Malaysia hat vor dem Fest die Corona-Maßnahmen verstärkt, um zu verhindern, dass die Fälle wieder ähnlich in die Höhe schießen wie nach dem Zuckerfest im Mai. Durch Reisen und Treffen hat sich das Virus in dem südostasiatischen Land rapide verbreitet, sodass die Zahlen jetzt bei mehr als 10.000 Fällen täglich liegen. Straßenkontrollen sollen unerlaubte Fahrten verhindern, das gemeinsame Mahl nach dem Gebet ist verboten, Familienbesuche ebenso.

In Indonesien hat die Regierung die großen gemeinsamen Gebete zum Feiertag untersagt, denn hier wütet das Virus am schlimmsten in Südostasien.

Bestattungen als Freiwilligendienst

Freiwillige in Bogor hüllen sich in Schutzkleidung und fahren zu einem Haus, in dem ein Mensch an Covid-19 gestorben ist. Sie beten mit den Angehörigen, laden den Toten in den Wagen und beerdigen ihn dann schnell und ohne große Zeremonie in einem Massengrab. Sie verbrennen ihre Schutzkleidung und gehen dann wieder ihrer Wege.

Die Helfer leisten diese Arbeit ehrenamtlich, weil die Bestatter nicht mehr hinterherkommen. Nach islamischem Ritus muss der oder die Tote innerhalb eines Tages begraben werden - und Indonesien hat viele Tote zu beklagen: 1338 allein am Tag vor dem Opferfest, insgesamt sind schon rund 75.000 Indonesier an Covid-19 gestorben.

Nur wenige sind bisher vollständig geimpft

Das Land mit der größten islamischen Bevölkerung der Welt - etwa 200 Millionen der 270 Millionen Einwohner sind Muslime - hat wie Malaysia auch durch eine große Reisewelle nach dem Ramadan einen heftigen Ausbruch an Corona-Fällen erfahren.

Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung sind bisher vollständig geimpft, die meisten mit dem chinesischen Vakzin Sinovac. Zahlreiche Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte haben sich infiziert. Allein in der ersten Julihälfte sind 117 von ihnen trotz Impfung gestorben.

Es mangelt an allem in den Kliniken

Die Krankenhäuser sind überlastet, überfüllt und unterversorgt. Diese Frau hat ihren Vater verloren und erzählt: "Unser Vater hätte beatmet werden müssen, sagte der Arzt, aber alle Beatmungsgeräte waren besetzt. Also ist er gestorben. Es ist so schrecklich, sich das vorzustellen - mein Vater ohne Beatmung. Er ist unter großen Schmerzen gestorben."

Das Nachbarland Singapur will ab jetzt regelmäßig Sauerstoff nach Indonesien liefern. Gerade ist ein Kriegsschiff eingetroffen, beladen mit Beatmungsgeräten, Sauerstofftanks, Masken und Schutzkleidung. Doch viele der 18.000 Inseln des indonesischen Archipels sind nur schwierig zu versorgen.

Vietnam meldet härtesten Ausbruch

Vietnam, vor einem Jahr noch eine Covid-Erfolgsgeschichte, meldet nun den bislang schlimmsten Ausbruch. So berichtet es der staatliche Fernsehsender VTV. Reisen zwischen den Provinzen sind untersagt, Inlandsflüge ebenso. In der Hauptstadt Hanoi sollen die Menschen zuhause bleiben. Der Gesundheitsminister Nguyen Thanh Long sagt: "Wir bereiten uns auf schlimmere und schlimmste Szenarien vor."

Knapp 6000 Neuinfektionen an einem Tag und Infektionsherde, die sich schnell ausbreiten - das sind keine guten Aussichten. In Vietnam sind von 98 Millionen Einwohnern gerade einmal 300.000 voll geimpft.

Dieser Beitrag lief am 20. Juli 2021 um 09:09 Uhr auf Inforadio.