Eine Frau trägt ihr Kind auf eine Corona-Isolierstation in Indonesien | AFP

Corona in Südostasien Kinder sind die Leidtragenden

Stand: 21.08.2021 08:25 Uhr

Niedrige Impfquoten, steigende Todeszahlen: Südostasien ist hart von der Corona-Pandemie getroffen. Leidtragende sind oft Kinder. Immer mehr von ihnen erkranken, werden Waisen oder gar missbraucht.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Großmutter Zubeida hat ihre Enkelin verloren. Shilova aus dem indonesischen Bekasi starb an den Folgen von Covid-19. "Jetzt bin ich allein. Ohne sie bin ich einsam. Ich sehe ihr Bild und bin traurig. Sie war lustig, jeder mochte sie."

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

Die Zahl der Corona-Toten steigt in Südostasien, und mit ihr auch die Zahl der gestorbenen Kinder. Gerade in den Ländern, die zu Beginn der Pandemie nur sehr gering betroffen waren, ist der Impfstand noch sehr niedrig. Und darum schlägt die Delta-Variante hier umso härter zu - auf den Philippinen, in Thailand oder Malaysia. Indonesien aber hat die höchsten Infektions- und Todeszahlen der Region. Und so ist auch das Risiko, dass Kinder durch ungeimpfte Erwachsene angesteckt werden, sehr hoch.

Sie könnten sich schlechter schützen, sagt die indonesische Epidemiologin Masdalina Pane: "Weil es nicht genügend Masken für Kleinkinder und Babys gibt. Sie verstehen auch nicht, dass sie sich immer gut die Hände waschen und sich nicht ins Gesicht fassen sollen." Darum meint Pane, dass die Gesellschaft und die Behörden nicht nur auf ältere und schwächere Personen achten sollten, sondern besonders auf Kinder. "Denn es gibt noch keine Impfung, mit der wir jüngere Kinder schützen können."

Unterentwickelte Kinder sind Risikopatienten

Indonesien hat 121.000 Corona-Tote zu verzeichnen, mehr als 1200 davon sind Kinder. Und Mediziner beobachten den höchsten Anstieg bei den unter Einjährigen. Zwar gelten gesunde Kinder generell als widerstandsfähiger gegenüber Covid-19 als Ältere mit Vorerkrankungen. Aber in ärmeren Ländern sind viele Kinder mangelernährt und unterentwickelt, sie haben dem Virus nicht so viel entgegenzusetzen. Die Epidemiologin erläutert: "Besonders der Delta-Variante muss man mit Durchhaltevermögen begegnen. Aber unterentwickelte Kinder haben das nicht."

Gerade einmal elf Prozent der Indonesier sind vollständig geimpft, ein Großteil davon mit Sinovac, das in seinem Wirkungsgrad nicht so hoch ist wie andere Impfstoffe. In Malaysia ist ein Drittel der Bevölkerung geimpft, doch hier steigt die Zahl der Erkrankungen täglich weiter - auch die der infizierten Kinder, die behandelt werden müssten, sagen Mediziner.

Gefahr von Kindesmissbrauch wächst

Auf den Philippinen durften Kinder Anfang Juli endlich wieder nach draußen gehen, um zu spielen und um die Schule zu besuchen. Doch wegen steigender Zahlen durch die Delta-Variante müssen sie wieder zuhause bleiben.

Das führt auch zu einem höheren Risiko des sexuellen Missbrauchs von Kindern, sagen Schutzorganisationen. Laut Unicef entsteht auf den Philippinen ein großer Teil des weltweit im Internet gehandelten kinderpornographischen Materials, oft durch die eigene Familie. Und ohne Lehrer und Freunde haben Kinder keine Ansprechpartner, keine Möglichkeit, um Hilfe zu bitten.

Viele Corona-Waisen

Solange die Pandemie weiter wütet und Südostasien dem Virus so wenige Impfungen entgegen zu setzen hat, leiden besonders Kinder weiter. Sie verlieren ihre Bildungschancen, ihre Unschuld, ihr Leben, ihre Eltern: Auch die Zahl der Corona-Waisenkinder steigt.

"Am nächsten Tag bin ich zum Covid-Friedhof gegangen, nur mit der engsten Familie, ihren Eltern, ihrem Bruder. Nur wir vier haben sie beerdigt." Shilova, Zubeidas geliebtes Enkelkind, ist vier Jahre alt geworden, so steht es auf ihrer Grabtafel. Eine simple Holztafel in einer Reihe von vielen auf dem neuen Corona-Friedhof, wo unablässig Gräber ausgehoben werden. Die Bagger stehen nicht still.

Mit Material von Sandra Ratzow, ARD-Studio Singapur

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. August 2021 um 06:16 Uhr.