Der US-Flugzeugträger "USS Nimitz" verlässt den Hafen von San Diego (Archivbild) | REUTERS

Südchinesisches Meer China sieht US-Manöver als Provokation

Stand: 06.07.2020 14:00 Uhr

In unmittelbarer Nähe zu einem chinesischen Manöver im Südchinesischen Meer hat nun auch die US-Marine Militärübungen durchgeführt. Die Regierung in Peking spricht von einer Machtdemonstration.

In Sichtweite zu chinesischen Kriegsschiffen haben zwei US-Flugzeugträger Manöver im Südchinesischen Meer absolviert. "Sie haben uns gesehen, und wir haben sie gesehen", sagte der Kommandant des Flugzeugträgers "Nimitz", Admiral James Kirk, der Nachrichtenagentur Reuters.

"Zeichen der Entschlossenheit"

Die gemeinsamen Übungen mit dem Flugzeugträger "Ronald Reagan" und den auf den Kriegsschiffen stationierten Kampfjets haben am 4. Juli begonnen, dem US-Unabhängigkeitstag. Die US-Marine hatte schon in der Vergangenheit Träger in die Region verlegt, um dort ihre Macht zu demonstrieren. Es habe keine Zwischenfälle mit den chinesischen Kriegsschiffen gegeben, sagte Kirk. Seit einigen Tagen hält die chinesische Marine bereits Militärübungen in dem Seegebiet ab.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte, die Manöver sendeten ein Zeichen der Entschlossenheit, das internationale Recht der freien Schiff- und Luftfahrt durchzusetzen.

Ein F/A-18E-Flugzeug der US-Marine auf der USS Ronald Reagan | AP

Bei dem Manöver sind insgesamt rund 12.000 US-Soldaten im Einsatz. Auf den Flugzeugträgern sind jeweils rund 90 Jets stationiert. Bild: AP

China protestiert

China kritisierte die Entsendung der Flugzeugträger hingegen scharf. Außenamtssprecher Zhao Lijian sprach von einer "Machtdemonstration mit Hintergedanken". Es sei eine Provokation durch die USA und untergrabe Frieden und Stabilität in dem Seegebiet.

Auch fördere das Vorgehen die Militarisierung des Südchinesischen Meeres, sagte Zhao. Die chinesischen Manöver um die Paracel-Inseln hingegen seien nicht zu beanstanden, weil die Inselgruppe zu China gehöre. Obwohl die Inseln auch von Vietnam und Taiwan beansprucht werden, gab Zhao vor, dass es keinen Streit darum gebe. Die Kritik der USA an Chinas Manövern ignoriere "völlig die Fakten".

Strategisch wichtiges Seegebiet

Die USA werfen China vor, die Lage im Südchinesischen Meer mit seinen Übungen weiter zu destabilisieren. Das Seegebiet liegt zwischen China, Vietnam, Malaysia und den Philippinen. Peking beansprucht 80 Prozent des rohstoffreichen Meeres, durch das wichtige Schifffahrtsstraßen führen.

Der Ständige Schiedsgerichtshof in Den Haag wies 2016 die Gebietsansprüche zurück. China ignoriert das Urteil aber. Das Land hat auf Atollen künstliche Inseln als Stützpunkte errichtet, bezeichnet seine Absichten aber als friedlich. Brunei, Malaysia, die Philippinen, Taiwan und Vietnam erheben eigene Ansprüche auf Teile des Seegebiets.

Karte: China und  Südchinesisches Meer

Mehrere Anrainerstaaten erheben Ansprüche auf Teile des Südchinesischen Meeres.

Angespannte Lage zwischen den Supermächten

Die US-Manöver fallen in eine Zeit erhöhter Spannungen zwischen den USA und China wegen der Corona-Pandemie. Die Trump-Regierung macht Peking schwere Vorwürfe wegen des Umgangs mit dem Virus. Es gibt auch zahlreiche andere Streitpunkte zwischen den größten Volkswirtschaften der Welt wie Handelsfragen oder Pekings Umgang mit Hongkong.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Juli 2020 um 14:09 Uhr.

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KOMMENTARE

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Olivia59 06.07.2020 • 21:55 Uhr

Hochmut

In think-tanks wird immer öfter das Szenario „thucydides trap“ diskutiert und dabei analysiert, dass es bei Machtverschiebungen wie zwischen USA/China historisch in 85% der Fälle zum militärischen Konflikt kam. Die EU sollte sich als diplomatische Kraft verstehen und nicht immer noch hinter die verunsicherten USA stellen, denen nix besseres einfällt als militärische Drohgebärden. Freiheit, Demokratie und Werte sind oft nur ein plumper Vorwand dafür denn mit Völkerrechtsverletzungen kennt sich der Westen selbst gut aus. (Israels Annexion durch Trumps Gnaden nur als Beispiel) Wer weiterhin ständig die ungezogenen Chinesen „in die Schranken weisen“ möchte hat absolut nichts verstanden und provoziert den Tag, an dem Chinas Flotte an unseren Küsten auftaucht um uns Demut zu lehren.