Die Flaggen von China und USA | REUTERS

In der Stadt Chengdu Chinas Behörden schließen US-Handelskammer

Stand: 01.09.2021 13:46 Uhr

Die Behörden der Volksrepublik haben eine Niederlassung der US-Handelskammer in Südchina geschlossen - ohne Begründung. Der Schritt fällt in eine Zeit angespannter Beziehungen zwischen den Ländern.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die US-Handelskammer (AmCham) in der südchinesischen Stadt Chengdu hat auf Weisung der Behörden ihre Arbeit einstellen müssen. Nur 48 Stunden Zeit habe das AmCham-Team gehabt, um die Niederlassung zu schließen, berichtet die "South China Morning Post". Der Leiter der Vertretung, Benjamin Wang, sagte der Hongkonger Tageszeitung, dass man dabei sei, gemeinsam mit den Behörden vor Ort eine Lösung zu suchen. Doch ob die Niederlassung der US-Handelskammer bald wieder öffnen kann, ist fraglich.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Niederlassung besteht seit den Neunzigern

Seit Mitte der 1990er-Jahre vertrat die AmCham in Chengdu die Interessen der US-Wirtschaft in Südchina. Zuletzt waren rund 300 Firmen Mitglied bei der Kammer. Geschlossen wurde das Büro nun offensichtlich, weil die Behörden in Chengdu erstmals eine Regel umsetzten, die schon seit vielen Jahren gilt: Demnach dürfen Staaten nur eine offizielle Handelskammer-Niederlassung in China betreiben. Diese ist im Fall der US-Handelskammer in der Hauptstadt Beijing registriert.

"Kolateralschaden" angespannter Beziehungen?

Die meisten Beobachter sehen in der Schließung aber auch klar politische Gründe. Das könnte auch den Druck auf die bisher eigenständige US-Handelskammer in Shanghai erhöhen. Ein deutscher Wirtschaftsvertreter sagte dem ARD-Hörfunk, die Schließung des AmCham-Büros in Chengdu sei eine Art Kollateralschaden in den äußerst angespannten Beziehungen zwischen China und den USA.

Auch die deutsche Handelskammer hat mehrere Niederlassungen in China. Allerdings ist sie anders aufgestellt als die US-Handelskammer: Im Gegensatz zur AmCham hat die Deutsche Handelskammer nur eine Zentrale. Auch trennt sie zwischen Lobbyarbeit und Wirtschaftsvertretung einerseits und kommerziellen Angeboten Angeboten anderseits.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. September 2021 um 13:53 Uhr.