Chinesische Tennisspielerin Peng Shuai. (Archivbild: 05.10.2016) | picture alliance/dpa/EPA

Angebliche Mail von Peng Shuai Sorge um verschwundene Tennisspielerin

Stand: 18.11.2021 08:50 Uhr

Tennisprofi Peng Shuai hat einem chinesischen Ex-Spitzenpolitiker sexuellen Missbrauch vorgeworfen, seitdem gilt sie als vermisst. Nun soll eine Mail von ihr aufgetaucht sein. Die Tenniswelt ist in großer Sorge.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Eine vermeintliche Nachricht der vermissten chinesischen Tennisspielerin Peng Shuai sorgt für Beunruhigung beim Welt-Frauentennisverband (WTA).

Grund ist ein auf Englisch verfasster Text, den Chinas staatlicher Auslandsfernsehsender CGTN veröffentlicht hat und der von der 35-Jährigen stammen soll. Darin heißt es wörtlich: "Ich werde nicht vermisst, mir geht es gut. Ich habe mich einfach nur zu Hause etwas ausgeruht, alles ist bestens."

Auf dem Screenshot dieser Nachricht ist der Cursor eines Textverarbeitungsprogramms zu sehen, unter anderem deswegen halten viele Beobachter die vermeintliche E-Mail von Peng Shuai für erzwungen oder gar gefälscht.

Peng Shuai nach erhobenen Vorwürfen verschwunden

Hintergrund all dessen sind Vorwürfe, die Peng Shuai Anfang November erhoben hatte und zwar gegen einen früheren Vize-Ministerpräsidenten Chinas. Zhang Gaoli habe eine Affäre mit ihr gehabt und sie sexuell missbraucht, hatte Peng auf ihrem chinesischen Social-Media-Account geschrieben. Dieser Eintrag war innerhalb weniger Minuten von der staatlichen Zensur gelöscht worden. Die frühere Weltklasse-Profispielerin ist seitdem aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Chinesische Tennisspielerin Peng Shuai (Archivbild: 05.10.2016) | picture alliance / dpa

Peng, frühere Doppel-Siegerin in Wimbledon und bei den French Open, hatte Missbrauchsvorwürfe gegen einen ehemaligen Spitzenpolitiker öffentlich gemacht. Bild: picture alliance / dpa

Antworten zu Peng Shuai fallen kurz aus

Bei der regelmäßigen Pressekonferenz des chinesischen Außenministeriums haben ausländische Journalisten in den vergangenen Tagen mehrmals nach Peng Shuai gefragt. Die Antworten fielen jeweils kurz aus:  

Er habe davon noch nichts gehört, das sei auch keine Frage zum Thema Außenpolitik, "nächste Frage!" -  sagte etwa Chinas Außenamtssprecher Wang Wenbin kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe.

Tennisprofis besorgt

Weltweit haben sich in den vergangenen Tagen aktive und frühere Tennisprofis besorgt gezeigt um Peng Shuai, darunter Naomi Osaka, Martina Navratilova und Novak Djoković, die Nummer eins der Tennis-Weltgangliste.

Dass eine der bekanntesten Sport-Stars Chinas einem ehemaligen Spitzenpolitiker einen sexuellen Übergriff vorwirft, das betrachtet die kommunistische Staatsführung offensichtlich als große Gefahr; das ist in den vergangenen Tagen deutlich geworden.

Alle Vorwürfe gelöscht

Alles, was mit Peng Shuais Vorwürfen zu tun hat, wurde von der chinesischen Staatszensur gelöscht, so etwa unzählige Online-Kommentare chinesischer Social-Media-Userinnen und User.

Dass die chinesischen Staatsmedien nun versuchten, mit einer offensichtlich gefälschten oder erzwungenen E-Mail die Sorgen um Peng Shuai zu zerstreuen, das passe ins Bild, sagt Sophie Richardson von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) . So habe man erzwungene Selbstbezichtigungen in den Staatsmedien auch in anderen Fällen erlebt, so etwa beim früheren Interpol-Chef Meng Hongwei oder beim Künstler Ai Weiwei.

Bei solchen Texten gehe es nicht um rationale Argumente oder darum, die Wahrheit zu belegen: "Chinas Behörden geben den Medien vor, was sie zu melden haben und die Medien tun genau das", so Richardson.

Die China-Direktorin von Human Rights Watch mit Sitz in den USA begrüßt ausdrücklich, dass sich der Welt-Frauentennisverband (WTA) offensiv für Peng Shuai einsetzt.

WTA in großer Sorge

WTA-Chef Chef Steve Simon hatte zuvor erklärt, die von chinesischen Staatsmedien veröffentlichte vermeintliche Nachricht von Peng Shuai vergrößere seine Bedenken bezüglich ihrer Sicherheit noch zusätzlich.

Auch er hält den Text offensichtlich für erzwungen oder gefälscht: Simon forderte, dass der chinesischen Profi-Spielerin erlaubt werden müsse, sich frei und ohne Zwang oder Einschüchterung zu äußern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 05. November 2021 um 14:12 Uhr.