Mark Milley | AP

Neue Raketentechnologie Pentagon bestätigt Chinas Hyperschall-Test

Stand: 28.10.2021 07:37 Uhr

Auch wenn Peking widerspricht, steht für das US-Verteidigungsministerium fest: Beim chinesischen Raketentest im August handelte es sich um Hyperschalltechnologie. Das Pentagon sprach von einem "bedeutsamen Ereignis", das "sehr besorgniserregend" sei.

Bislang gab es nur Vermutungen, aber nun hat das Pentagon es offiziell bestätigt: China testete im August eine atomwaffenfähige Hyperschallrakete. Es habe sich um das "sehr bedeutsame Ereignis des Tests eines Hyperschall-Waffensystems" gehandelt, sagte der Generalstabschef der US-Streitkräfte, Mark Milley, auf Bloomberg TV. Der Test sei "sehr besorgniserregend", und die USA verfolgten ihn "voller Aufmerksamkeit".

"Sehr nahe" am "Sputnik-Moment"

Milley sagte, er wisse nicht, ob der Test der chinesischen Hyperschallrakete einem Sputnik-Moment völlig gleichkomme, doch er komme dem "sehr nahe". Der sogenannte Sputnik-Schock von 1957 war ein für die westlichen Staaten völlig überraschender Flug eines sowjetischen Sputnik-Satelliten durch die Erdumlaufbahn. Ein solcher Flug war bis dahin niemandem gelungen. Das Ereignis beschleunigte das Wettrüsten und den Wettlauf ins All. 

Die "Financial Times" hatte vergangene Woche über ein Experiment der Chinesen mit einer Hyperschallrakete berichtet. Der Gleitkörper habe die Erde in einer niedrigen Umlaufbahn mit fünffacher Schallgeschwindigkeit umrundet, ihr Ziel aber um 30 Kilometer verfehlt. Zunächst hatten US-Regierung und -Armee den Test nicht bestätigt. Der Ständige Vertreter der USA für Abrüstungsfragen in Genf, Robert Wood, zeigte sich Anfang der vergangenen Woche nur in allgemeiner Form "sehr besorgt" über die technischen Fortschritte Pekings im Bereich der Hyperschallraketen.

Nur ein Routine-Test?

Die chinesische Regierung dementierte die Zeitungsberichte umgehend. Es habe sich um einen Routine-Test für "wiederverwendbare Raumfahrttechnik" gehandelt, sagte Außenamtssprecher Zhao Lijian am Montag vergangener Woche. Ziel sei es, bei Flügen ins Weltall Kosten zu reduzieren und so die friedliche Nutzung des Weltraums zu fördern.

China hatte bereits 2019 eine Hyperschall-Mittelstreckenrakete, die DF-17, vorgestellt. Diese hat eine Reichweite von rund 2000 Kilometern. Bei dem Test im vergangenen August handelte es sich laut "Financial Times" jedoch um ein anderes Modell mit größerer Reichweite.

Schnell, flexibel und schwer abzufangen

Der US-Abrüstungsbeauftragte Wood sagte, da Russland ebenfalls über Hyperschalltechnologie verfüge, bleibe den USA nun keine andere Wahl, als entsprechend zu reagieren. Die Vereinigten Staaten arbeiten allerdings bereits an der Erweiterung ihres Arsenals um Hyperschallraketen und haben auch schon Tests dieser Raketentechnologie duchgeführt.

Derartige Raketen, an denen auch Nordkorea arbeitet, verbinden die Vorteile einer Interkontinentalrakete mit denen von Marschflugkörpern. Sie sind einerseits schnell und haben eine große Reichweite. Andererseits sind sie während des Flugs flexibel steuerbar und zudem verhältnismäßig niedrig unterwegs, können also erst relativ spät vom gegnerischen Radar entdeckt werden.

Mit Informationen von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai und Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Oktober 2021 um 13:00 Uhr.