Start der  Langer-Marsch-5B-Y2-Rakete  | VIA REUTERS

Chinesische Raumfahrt Raketentrümmer in Ozean gestürzt

Stand: 09.05.2021 10:39 Uhr

Die Befürchtungen waren offenbar unbegründet: Trümmer einer chinesischen Trägerrakete sind nach dem Wiedereintritt in den Indischen Ozean gestürzt, ohne Schäden zu verursachen. Das melden chinesische Staatsmedien.

Viele Trümmer einer chinesischen Trägerrakete sind beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Einige größere Teile sind nach Angaben staatlich chinesischer Medien westlich der Malediven in den Indischen Ozean gestürzt.

Experten hatten davor gewarnt, dass die Trümmer "unkontrolliert" in die Atmosphäre eintreten könnten - schließlich sei die Rakete nicht dafür gebaut, um durch Triebwerke so gesteuert zu werden, dass sie gezielt über einem unbewohnten Gebiet oder dem Meer in die Atmosphäre gelangt. Befürchtungen eines Trümmerregens über bewohntem Gebiet haben sich aber nicht bestätigt.

Start der chinesischen Trägerrakete am 29. April  | AFP

Die Trägerrakete hatte ein Bauteil einer Raumstation ins All gebracht. (Archiv 29. April) Bild: AFP

NASA kritisiert Intransparenz

Die NASA kritisierte China in deutlichen Worten. Raumfahrtnationen müssten die Gefahren für Menschen und Eigentum auf der Erde durch den Wiedereintritt von Raumfahrtobjekten minimieren und möglichst große Offenheit hinsichtlich solcher Operationen demonstrieren, schrieb NASA-Chef Bill Nelson. "Es ist eindeutig, dass China verantwortliche Standards hinsichtlich seines Raumfahrtmülls nicht erfüllt hat."

Raumfahrtbehörden und Experten hatten die Flugbahn der Trümmer genau verfolgt. Die Raketenstufe war demnach über Portugal, Sardinien und Teile Griechenlands geflogen, bevor sie den Nahen Osten überquerte und nach Angaben des US-Raumfahrtkommandos gegen 4.15 Uhr MESZ über der Arabischen Halbinsel in die Atmosphäre eintauchte.

Als Ursache für den ungesteuerten Wiedereintritt gilt Experten das Design der neuen Rakete. Zudem habe der Flugkörper eine Umlaufbahn erreicht, statt kurz nach dem Start ins Meer zu stürzen.

Die chinesische Regierung hatte ihr Vorgehen als "internationale Praxis" verteidigt. Der Sprecher des Außenministeriums, Wang Wenbin, beteuerte, dass es "sehr unwahrscheinlich" sei, dass die Reste der Raketenstufe Schaden anrichten würden, weil sie bei Wiedereintritt verglühen würden. Staatsmedien sahen "nichts anderes als westlichen Rummel um eine 'Bedrohung durch China'" in der Raumfahrttechnologie.

Vorfall im Mai 2020

Die Rakete vom Typ "Langer Marsch 5B" hatte am 29. April das Modul "Tianhe" (Himmlische Harmonie) ins All gebracht, das den Hauptteil der chinesischen Raumstation bilden soll. Das Modul der Raumstation wiegt rund 22 Tonnen.

Der Start Ende April war erst der zweite Einsatz des Raketentyps "Langer Marsch 5B". Im Mai 2020 waren nach dem ersten Flug des neuen Modells Trümmer in der westafrikanischen Elfenbeinküste niedergegangen und hatten lokalen Berichten zufolge Häuser beschädigt.

China plant nächstes Jahr zwei weitere Starts dieses Raketentyps, wenn zwei Module ins All gebracht werden sollen, um an das Hauptteil der Raumstation montiert zu werden.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 09. Mai 2021 um 08:23 Uhr.