Chinesische Tennisspielerin Peng Shuai (Archivbild: 05.10.2016) | picture alliance / dpa

Tennisspielerin Peng Shuai Für China ein "böswillig aufgebauschtes Thema"

Stand: 23.11.2021 13:37 Uhr

Zum ersten Mal hat sich ein Regierungsvertreter Chinas offiziell zum Fall des verschwundenen Tennisstars Peng geäußert und das internationale Aufsehen harsch kritisiert. Die Vorwürfe gegen Peking seien "bösartig und politisierend".

Die chinesische Regierung hat das internationale Aufsehen um das Verschwinden der Tennisspielerin Peng Shuai kritisiert. "Ich denke, einige Leute sollten ihre bösartigen Unterstellungen beenden und diese Sache nicht politisieren", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Zhao Lijian. Dass internationale Journalistinnen und Journalisten auf der Pressekonferenz des Außenministeriums in Peking nach Peng Shuai fragen würden, war zu erwarten gewesen. Ebenso die Reaktion des Sprechers der chinesischen Staats- und Parteiführung: Es handele sich um keine diplomatische Angelegenheit.

Angelegenheit "böswillig aufgebauscht"

Es war das erste Mal, dass sich ein Regierungsvertreter offiziell zu dem Fall äußerte. Zhao Lijian wies sodann darauf hin, dass die 35-Jährige einige Aktivitäten in der Öffentlichkeit unternommen habe. Sie habe öffentliche Veranstaltungen besucht und mit dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, per Videotelefonie gesprochen. "Wir hoffen, dass betreffende Seiten aufhören, die Angelegenheit absichtlich und böswillig aufzubauschen", sagt er.

Doch sowohl die Videos mit Peng Shuais Auftritten als auch das Gespräch mit dem IOC-Präsidenten Präsidenten sind heftig kritisiert worden. Viele Beobachterinnen und Beobachter gehen fest davon aus, dass Peng Shuai zu den Auftritten gezwungen wurde. Es handle sich dabei keinesfalls um Beweise, dass es ihr gutgehe.

Das IOC hatte indes mitgeteilt, Bach habe mit der Tennisspielerin gesprochen. Diese habe erklärt, sie sei in Sicherheit. Ob ihre #MeToo-Vorwürfe oder möglicher Druck chinesischer Stellen auf die 35-Jährige dabei angesprochen wurden, blieb offen. Nach IOC-Angaben erklärte sie, wohlauf in ihrem Haus in Peking zu leben und dass ihre Privatsphäre respektiert werden solle.

Vorwurf der sexuellen Nötigung

Anfang November hatte Peng Shuai im sozialen Netzwerk Weibo einem hochrangigen Ex-Politiker vorgeworfen, sie zum Sex genötigt zu haben. Zunächst wurde ihr Post von der Zensur der chinesischen Staats- und Parteiführung gelöscht. Dann verschwand die Tennisspielerin mehrere Wochen aus der Öffentlichkeit.

Der Fall sorgt weltweit für Aufsehen. Die Sportlervereinigung Global Athlete warf dem IOC vor, sich "mitschuldig an der bösartigen Propaganda der chinesischen Behörden und deren mangelndem Interesse an grundlegenden Menschenrechten und Gerechtigkeit" zu machen. Die Affäre um die Weltklasse-Doppelspielerin bringt das IOC knapp zweieinhalb Monate vor den Olympischen Winterspielen in Peking (4. bis 20. Februar) zusätzlich stark in Bedrängnis. China steht wegen Verstößen gegen die Menschenrechte ohnehin in der Kritik.

Viele Profi-Sportlerinnen und -Sportler haben sich klar hinter Peng Shuai gestellt, ebenso der Frauentennis-Weltverband. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International fordern ebenfalls, dass Peng Shuai sich ohne Druck frei äußern kann.

Mit Informationen von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. November 2021 um 13:13 Uhr.