Menschen in Shanghai beim Ausfüllen von Formularen vor der Corona-Impfung. | REUTERS

Corona-Impfung in China Eier und Gutscheine als Anreiz

Stand: 04.05.2021 04:04 Uhr

China will bis Juni 40 Prozent seiner Bevölkerung geimpft haben. Für dieses ehrgeizige Ziel zieht die Regierung alle Register. Aber in einigen Regionen ist der Impfstoff knapp.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking

Mit Plakaten, Werbebannern und Videos wirbt Peking für Corona-Impfungen. Im Internet appellieren Ärzte, Fernsehmoderatoren und bereits Geimpfte im Auftrag der Behörden an das Verantwortungsbewusstsein ihrer Mitbürger mit Slogans: "Zusammen bauen wir die große Mauer der Immunität."

Ruth Kirchner ARD-Studio Peking

In Peking gibt es nach der Erstimpfung manchmal sogar Geschenke: Eier oder Mehl, Einkaufs- oder Kinogutscheine. Ganz vorne mit dabei: die Nachbarschaftskomitees, die sonst dafür zuständig sind, die Politik der Kommunistischen Partei auf unterster Ebene durchzusetzen und zu kontrollieren.

Zwangsschließung angedroht

Wu Xiaoying leitet das Nachbarschaftskomitee Yangfangdian im Westen Pekings. Sie stellte im Staatsfernsehen ihre neueste Errungenschaft vor: ein buntes Impfmobil mit Anmeldeschalter, Impfstation und Kühlschrank. Die Leute in der Nachbarschaft finden das gut. "Eigentlich wollte ich mich gar nicht sofort impfen lassen", sagte Shi Min, ein älterer Mann. Aber dann kam er hier vorbei und nichts sei los gewesen. "Ist ja bequem, da habe ich mich impfen lassen."

China braucht Impfwillige wie Shi Min. Denn wegen der geringen Infektionszahlen sehen viele Menschen keine Notwendigkeit, sich mit dem Impfen zu beeilen. Mancherorts machen die Behörden deshalb Druck. Sie drohten sogar in einigen Regionen mit der Zwangsschließung von Geschäften und Restaurants, wenn sich die Angestellten nicht impfen lassen. Denn die Vorgaben sind ehrgeizig: Bis Juni will China 560 Millionen Menschen geimpft haben, 40 Prozent der Bevölkerung.

"Lage auf dem Land könnte Zeitplan verzögern"

Noch ist das Ziel in weiter Ferne: Seit Dezember wurden etwa 275 Millionen Impfdosen verabreicht. "Eine unserer Prioritäten sind die Regionen mit höherem Risiko", sagte Wu Liangyou von der staatlichen Gesundheitskommission. Dazu gehören Hafenstädte, Grenzregionen, große und mittelgroße Städte und Gegenden, in denen es kürzlich Corona-Ausbrüche gab.

Während das Impfen in  Metropolen wie Peking gut vorankommt, gehe es in vielen anderen Regionen nicht so schnell, sagte Imogen Page-Jarret. Sie ist Analystin bei der Economist Intelligence Unit in Peking. "In China leben immer noch sehr viele Menschen auf dem Land", sagte sie. Dort sei das Gesundheitssystem nicht gut aufgestellt. "Das wird den Zeitplan für das ganze Land verzögern."

Auf dem Land ist die Lage unübersichtlich. Anrufe in Ortschaften sowohl im Norden als auch im Südosten zeigen aber, dass es oft nicht genug Impfstoff gibt. Die Produktion kommt laut Medienberichten nicht hinterher - zumal China anderen Ländern viele Millionen Impfdosen zugesagt hat. Im Lauf der nächsten Monate werde sich die Lage aber bessern, versprach kürzlich ein Regierungsvertreter in einem Interview.

Herdenimmunität im nächsten Jahr?

Verabreicht werden bislang ausschließlich chinesische Impfstoffe. Experten schätzen, dass die Volksrepublik eine höhere Impfquote braucht, um die eigene Bevölkerung zu schützen. Die heimischen Präparate haben eine geringere Wirksamkeit als jene aus Europa und den USA. Daher könnte es noch weit bis ins nächste Jahr dauern, bis China Herdenimmunität erreicht.

Die Volksrepublik steht damit vor einem Dilemma: Die Pandemie hat sie mit ihrer strikten Null-Covid-Politik und rigorosen Abschottung schneller in den Griff bekommen als andere Länder. Doch jetzt könnte die Öffnung der Grenzen länger dauern als anderswo. Denn die Impfung von 1,4 Milliarden Menschen stellt das Land vor gewaltige Herausforderungen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Mai 2021 um 08:11 Uhr.