Einwohner von Tianjin stehen auf einem Fußballfeld für einen Corona-Test während eines Massentests Schlange. | dpa

Chinesische Millionenstadt Tianjin Massentests nach 40 Corona-Fällen

Stand: 10.01.2022 10:48 Uhr

40 Corona-Fälle gibt es in Tianjin. Chinas Behörden reagieren gewohnt hart: Alle 14 Millionen Einwohner müssen zum Test. Aber lässt sich diese Strategie auch halten, wenn Omikron sich weiter durchsetzt?

Benjamin Eyssel ARD-Studio Peking

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Die Menschen in Tianjin sind aufgefordert worden, Kontakte zu reduzieren und sich testen zu lassen. Im Internet kursieren Videos von Menschenmassen, die sich offenbar mit Lebensmitteln eindecken wollen - aus Angst vor harten Ausgangssperren, wie in der Stadt Xi'an. Viele Bewohner dort haben sich darüber beschwert, dass sie nicht genug zu essen bekommen.

Panikkäufe sollen verhindert werden

Die chinesische Staats- und Parteiführung will in der Wirtschaftsmetropole Tianjin nun offenbar Panikkäufe verhindern. Im Staatsfernsehen werden Bilder gezeigt von vollen Regalen und frischem Gemüse. Die Nachricht dahinter: Es ist genug vorhanden, die Preise sind stabil.

"Wir haben sofort reagiert und seit Samstag zehnmal so viele Instant-Nudeln auf Vorrat und zwanzigmal so viel Gemüse. Es gibt auch mehr Rind, Lamm und Schweinefleisch als sonst. Die Preise sind stabil und werden sich auch nach dem Frühlingsfest nächsten Monat nicht ändern", sagt der Manager einer Supermarkt-Kette im Sender CCTV.

Mehr als zweieinhalb Wochen harter Lockdown in Xi'an

In Xi'an dürfen die Menschen seit zweieinhalb Wochen ihre Häuser und Wohnungen so gut wie nicht mehr verlassen - außer für PCR-Tests. Offenbar ist es den Behörden so gelungen, den Ausbruch weitgehend unter Kontrolle zu bekommen. Insgesamt gab es nach Behördenangaben in der Metropolregion Xi'an, in der 13 Millionen Menschen leben, seit Anfang Dezember rund 2000 Covid-Fälle - der größte Ausbruch in China seit rund zwei Jahren.

China reagiert weiter rigoros bei kleinsten Ausbrüchen

Auch in anderen Landesteilen gibt es vereinzelt Ausbrüche des Coronavirus. Um welche Variante es dabei handelt, haben die Behörden nicht mitgeteilt.

Verglichen mit den Infektionszahlen im Rest der Welt, ist die Zahl der Fälle in der Volksrepublik verschwindend gering. China reagiert bei kleinsten Ausbrüchen mit Massentests, Ausgangssperren und Reiseverboten. Viele Experten zweifeln, ob Chinas strikte Null-Covid-Politik angesichts der hochansteckenden Omikron-Variante weiter durchgezogen werden kann. Jüngste Studien zeigen, dass die in China genutzten Impfstoffe nur ungenügend vor einer Ansteckung mit der Variante schützen.

Was die Lage weiter verschärft: In knapp einem Monat sollen in China die Olympischen Winterspiele stattfinden - in einer Blase, komplett abgeschottet vom Rest des Landes. Kurz davor beginnt das chinesische neue Jahr. Traditionell reisen rund um das Frühlingsfest hunderte Millionen Chinesen quer durchs Land, um ihre Familien zu besuchen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 10. Januar 2022 um 10:04 Uhr.