Bundeswehrsoldaten in Masar-i-Scharif in Afghanistan | dpa

Bundeswehreinsatz Schneller raus aus Afghanistan?

Stand: 21.04.2021 17:03 Uhr

Jetzt könnte es schon Anfang Juli soweit sein: Die Bundeswehr wird voraussichtlich noch früher aus Afghanistan abziehen als bisher geplant. Die USA drängen - bis zum 20. Jahrestag von 9/11 soll der Einsatz beendet sein.

Die Bundeswehr könnte noch früher aus Afghanistan abziehen als ursprünglich geplant. Zuletzt hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer von Mitte August gesprochen - jetzt "wird der 4. Juli als Abzugsdatum erwogen", sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. Die endgültige Entscheidung für das Datum liege aber unverändert beim NATO-Rat.

Zurzeit gingen die Überlegungen im Hauptquartier Resolute Support in Kabul in die Richtung, den Abzugszeitraum zu verkürzen, teilte der Sprecher weiter mit.

Die beteiligten Nationen würden "die daraus resultierenden Herausforderungen und Folgen" prüfen. Der Sprecher betonte: "Vor uns steht nun eine fordernde logistische Aufgabe. Aber auf diesen Fall waren wir vorbereitet."

Grundsätzlich gilt unter Bundeswehrlogistikern die Faustregel: Je kürzer die Zeit, desto mehr Material muss vor Ort bleiben und dort verschenkt, verkauft oder zerstört werden.

Planmäßiger Abzug ab Mai

Die USA und ihre NATO-Partner, darunter auch Deutschland, wollen ab Anfang Mai mit dem Truppenabzug aus Afghanistan beginnen - und damit den seit 20 Jahren andauernden Militäreinsatz am Hindukusch beenden.

Aus NATO-Kreisen in Brüssel hieß es, der Fahrplan für den Abzug werde derzeit von den Militärplanern ausgearbeitet. Er solle so schnell wie möglich, aber auch so geordnet wie möglich erfolgen, um unnötige Risiken für die Soldaten auszuschließen. Leitlinie für die Planungen sei weiterhin die Ansage von US-Präsident Joe Biden, dass der Abzug bis zum 11. September abgeschlossen werden sollte - also zum 20. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New York und das US-Verteidigungsministerium in Washington, die der Auslöser des US-Einsatzes in Afghanistan waren.

Kritik an neuem Abzugsdatum

"Einfach nur unwürdig" nannte es die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit Blick auf den US-Nationalfeiertag am 4. Juli, sich nach 20 Jahren bei der Frage des Abzugs an den symbolischen Feiertagen der USA ausrichten zu müssen. "Wir sind nicht die Zierpüppchen der USA, auch wenn diese den Hut aufhaben", sagte sie. "Die Truppe muss jetzt schnell und sicher zurück."

"Biden will nun am 4. Juli - also zwei Monate früher als vorgesehen - seine Boys aus Afghanistan abziehen. Die Bundesregierung wird vor vollendete Tatsachen gestellt und die Bundeswehr muss nun sehen, wie sie das Unmögliche doch ermöglichen kann", sagte Linken-Verteidigungspolitiker Alexander Neu. "So viel zur transatlantischen Partnerschaft auf Augenhöhe."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. April 2021 um 12:50 Uhr in den Nachrichten.