Joe Biden bei einer Pressekonferenz während seines Staatsbesuchs in Dschidda, Saudi-Arabien. | REUTERS

Besuch in Saudi-Arabien Biden spricht mit Kronprinz über Khashoggi

Stand: 15.07.2022 23:11 Uhr

US-Präsident Biden hat mit dem Mord am Journalisten Khashoggi gleich zu Beginn seines Besuchs in Saudi-Arabien ein heikles Thema angesprochen. Er warnte Kronprinz bin Salman - eine weitere solche Tat ließen die USA nicht unbeantwortet.

Nach seiner Ankunft in Saudi-Arabien ist US-Präsident Joe Biden mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zusammengetroffen - und hat nach eigenen Angaben gleich zu Beginn den Mord am saudischen Regierungskritiker Jamal Khashoggi angesprochen.

Bin Salman habe jedoch jede Verantwortung zurückgewiesen. "Er sagte im Grunde, dass er nicht persönlich dafür verantwortlich sei. Ich deutete an, dass ich glaube, er ist es", sagte Biden nach dem Treffen in Dschidda. "Ich bereue nichts, was ich gesagt habe. Was mit Khashoggi passiert ist, war empörend."

Biden warnt bin Salman vor künftigen Gewalttaten

Der in den USA lebende Journalist Khashoggi war 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul von einem Killerkommando auf brutale Weise getötet worden. US-Geheimdienste halten den Kronprinzen bin Salman, auch bekannt unter seinem Kürzel "MbS", für direkt verantwortlich. Er bestreitet, die Tötung angeordnet zu haben.

Biden sagte weiter, er habe den Thronfolger vor künftigen Gewalttaten gewarnt: Eine weitere Tat wie der Mord an Khashoggi hätte eine "Antwort" der Vereinigten Staaten zur Folge.

US-Soldaten auf saudischer Insel sollen abziehen

Der US-Präsident kündigte zudem an, US-Soldaten abzuziehen, die Teil einer Friedensmission auf der Insel Tiran im Roten Meer sind. Auf der gegenüber von Scharm el-Scheich am Eingang des Golfs von Akaba gelegenen Insel ist seit dem Friedensschluss zwischen Israel und Ägypten 1981 - damals gehörte die Insel noch zu Ägypten - eine multinationale Beobachtertruppe stationiert.

2017 wurde sie Saudi-Arabien zugesprochen, das die Insel touristisch erschließen will. Der Entscheidung, die Friedenstruppe abzuziehen, musste Israel zustimmen - der Schritt wird deshalb als Hinweis aufgefasst, dass Israel und Saudi-Arabien ihre Beziehungen normalisieren wollen.

Kühle Begrüßung für den US-Präsidenten

Bidens Ankunft in der Golfmonarchie - der letzten Station seiner Nahostreise - war unterkühlt verlaufen. Beim Eintreffen am königlichen Palast in Dschidda stießen er und Kronprinz bin Salman nur kurz die Fäuste aneinander. Danach waren sie ohne weiteres Gespräch weitergegangen.

Saudischer Kronprinz Mohammed bin Salman begrüßt US-Präsident Joe Biden im Al-Salman-Palast in Dschidda per Faustgruß. | VIA REUTERS

Saudischer Kronprinz Mohammed bin Salman begrüßt US-Präsident Joe Biden im Al-Salman-Palast in Dschidda per Faustgruß. Bild: VIA REUTERS

Vor dem Start der Reise in den Nahen und Mittleren Osten hatte das Weiße Haus mitgeteilt, Biden wolle Körperkontakte möglichst vermeiden. Als offizielle Begründung wurde das Coronavirus genannt. "Wir versuchen, Kontakt so weit wie möglich zu minimieren", betonte Bidens-Sprecherin Karine Jean-Pierre an Bord der Präsidentenmaschine.

Einige US-Journalisten spekulierten hingegen, dass vermieden werden soll, dass Fotos eines Handschlags mit dem Kronprinzen entstehen. Dieser wird unter anderem wegen der schlechten Menschenrechtslage in Saudi-Arabien kritisiert. Sein Treffen mit ihm muss Biden seit Wochen gegen Kritik verteidigen.

Hände schütteln mit dem König

Die Vermutungen der Journalisten schienen sich wenig später zu bewahrheiten: Beim Treffen mit König Salman am Abend schüttelten sich die beiden Staatsoberhäupter mehrere Sekunden die Hände. Solche Gesten spielen in der internationalen Diplomatie immer eine große Rolle. Biden möchte mit seiner Reise nach Saudi-Arabien die bilateralen Beziehungen aus der Krise holen.