Die Kathedrale "Unsere liebe Frau von Arabien" in Bahrain | AFP

"Liebe Frau von Arabien" Bahrain bekommt katholische Kathedrale

Stand: 10.12.2021 15:42 Uhr

Mit der Weihung der Kathedrale "Unserer Lieben Frau von Arabien" bekommt Bahrain die größte Kirche im arabischen Golf. Die Herrscherfamilie unterstützte den Bau - jedoch nicht nur aus Wohltätigkeit.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

In der bahrainischen Stadt Awali, 23 Kilometer südlich der Hauptstadt Manama, wurde die "Liebe Frau von Arabien" eingeweiht. Mit Platz für 2300 Gläubige ist sie die größte Kathedrale in den arabischen Golfstaaten.

Björn Blaschke ARD-Studio Kairo

Die Kirche habe eine wichtige Funktion im Vikariat Nord-Arabien: Sie werde der Sitz des Bischofs sein - auch wenn der im Moment vakant sei, erklärte Bischof Paul Hinder, päpstlicher Verwalter der Region. "Es wird das spirituelle Zentrum der Katholiken in vier Ländern sein - Bahrain, Katar, Kuwait und Saudi-Arabien."

Millionen Katholiken in Golfstaaten

In den vier Ländern sollen - nach Angaben der katholischen Kirche - mehr als zwei Millionen Angehörige ihrer Glaubensgemeinschaft leben, zumeist Arbeitsmigrierende aus aller Welt. Von den gut eineinhalb Millionen Einwohnern Bahrains machen nicht-muslimische Menschen etwa ein Drittel aus - also rund 500.000 Menschen.

"In Bahrain gibt es zwischen 100.000 und 120.000 Katholiken verschiedener Nationalitäten", sagt der katholische Bruder Charbel, der als libanesischer Kirchendiener nach Bahrain gekommen ist. "Es kommen auch Gläubige aus Amerika, Europa, Afrika, Australien, aber definitiv kommen die meisten Christen aus Indien und den Philippinen."

Bahrain und die anderen arabischen Golfstaaten sind eine multi-ethnische und multi-religiöse Region, beherrscht von Muslimen. Die Kuppel der Kathedrale der "Lieben Frau von Arabien" spielt auf das alles an: Sie erinnert an ein Zelt, die ursprüngliche Behausung von Wüstenvölkern. Obendrein ließ Moses laut Altem Testament ein Zelt der Zusammenkunft errichten - als Gottes Wohnung. Und die Bücher Mose - der Muslimen, Christen und Juden gleichermaßen ein Prophet ist - führt den gemeinsamen Ursprung ihrer Religionen vor Augen.

Die Kathedrale "Unsere liebe Frau von Arabien" in Bahrain von innen | AFP

Moderne Kirchenarchitektur: Das Innere der Kathedrale. Bild: AFP

Bahrain zeigt sich tolerant nach außen

"Wir leben in Bahrain in Freiheit. Wir werden respektiert und niemand diskriminiert uns oder behandelt uns schlecht", sagt Bruder Charbel. "Die Bahrainis sind freundlich. Es gibt Respekt von der Regierung und gleichzeitig vom Volk, das den Christen gegenüber aufgeschlossen ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass die erste katholische Kirche in Bahrain aus dem Jahr 1939 stammt."

Davor waren bereits andere Gebetshäuser entstanden - vor zweihundert Jahren das erste: ein buddhistischer Tempel. Mit anderen Worten: Bahrain zeigt sich schon lange tolerant; mit dem Bau und der Einweihung der Kathedrale jetzt noch einmal besonders.

Diese Toleranz feiert auch Scheich Khalid bin Khalifa Al Khalifa, Mitglied der königlichen Familie und Vize-Regierungschef von Bahrain: "Es ist erwähnenswert, dass der Geist, der dem Zeitraum von zweihundert Jahren innewohnt, in denen wir in Toleranz und friedlicher Koexistenz lebten, von Seiner Majestät, unserem König, Scheich Hamad, geerbt worden sein muss", sagt er. "Er schenkte der Kirche das Grundstück und unterstützte sie von Anfang an."

Imagepflege im repressiven Staat

Doch der demonstrativen großzügigen Toleranz dürfte auch ein politischer Gedanke innewohnen: Bahrain gilt als repressiv. Der Umgang des sunnitischen Königshauses mit der schiitischen Bevölkerungsmehrheit, aus der immer wieder der Ruf nach Demokratie laut wird, gilt teilweise als brutal. Und: 2011 hat das Königshaus mit Hilfe aus Saudi-Arabien einen Aufstand im Zuge des so genannten Arabischen Frühlings niedergeschlagen.

"Bahrains Menschenrechtsbilanz in den letzten zehn Jahren war im Allgemeinen von der Unterdrückung der wichtigsten bürgerlichen politischen Rechte geprägt, insbesondere der Meinungs-, der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit", gibt Devin Kennes von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zu bedenken.

Den Plan zum Bau einer Kathedrale in Bahrain gab es schon länger. Interessanterweise konkretisierte er sich aber erst ab 2011, nach der Niederschlagung des Aufstandes im Königreich. Mit dem Bau der Kathedrale der "Lieben Frau von Arabien" will das Königshaus von Bahrain also sicherlich auch sein Image aufpolieren - und nicht nur der Christenheit ein uneigennütziges Geschenk zur Weihnachtszeit machen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Dezember 2021 um 14:00 Uhr.