Mütter und Kinder warten in einer Ernährungsklinik. | dpa

Vereinte Nationen Millionen Afghanen von Hunger bedroht

Stand: 19.11.2021 16:44 Uhr

Mindestens 18,8 Millionen Menschen in Afghanistan sind nach Angaben der UN nicht in der Lage, sich selbst zu ernähren. Zum Jahresende könnten es sogar noch mehr werden. Die UN fordert deshalb mehr finanzielle Unterstützung.

Die Welternährungs-Organisation FAO der Vereinten Nationen (UN) warnt vor einer zunehmenden Nahrungsmittelknappheit in Afghanistan. Eine weit verbreitete Dürre, die schwere ökonomische Krise und der Zusammenbruch bäuerlicher Betriebe trieben immer mehr Menschen ins Elend, aus dem es kein Entrinnen gebe, warnte der Generaldirektor der FAO, Qu Dongyu. "Millionen Afghanen leben am Rande einer Katastrophe, die eintreten wird, wenn Tiere sterben oder Felder unbewirtschaftet bleiben."

Bereits jetzt seien in dem Land mindestens 18,8 Millionen Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Diese Zahl von Menschen, die sich nicht täglich selbst ernähren können, werde bis Ende des Jahres voraussichtlich auf 22,8 Millionen steigen.

Mehr Hilfe für afghanische Bauern gefordert

Der FAO-Chef warb für mehr Investitionen in die bäuerlichen Betriebe, um die Afghaninnen und Afghanen unabhängiger von ausländischer Hilfe zu machen. Es sei immer dringender, Landwirte und Viehzüchter mit Saatgut, Düngemitteln, Bargeld und Hilfen für den Lebensunterhalt zu unterstützen, so Dongyu. Nur so ließen sich die landwirtschaftliche Produktion aufrechterhalten und ein weit verbreiteter Zusammenbruch der Lebensgrundlagen in mehreren Teilen des Landes verhindern.

"Wir müssen Afghanistan helfen, eine Hungerfalle zu vermeiden", sagte Dongyu. Der FAO zufolge kostet ein Hilfspaket für den Weizenanbau derzeit 157 US-Dollar (139 Euro). Dies ermögliche es einer Bauernfamilie, ihren Getreidebedarf für ein Jahr zu decken. Hingegen seien 1080 US-Dollar (956 Euro) erforderlich, um den Mindestnahrungsmittelbedarf einer durchschnittlichen Familie zu decken.

FAO fordert gut 175 Millionen Euro

Die FAO brauche dringend 115 Millionen US-Dollar (102 Millionen Euro), um ihre Programme im kommenden Winter und Frühling zu finanzieren. Im Verlauf des Jahres 2022 benötige die FAO dann weitere 85 Millionen US-Dollar (75 Millionen Euro).

Im August hatten die radikal-islamistischen Taliban die Macht in Afghanistan wieder an sich gerissen. Während die ausländischen Truppen, darunter US-amerikanische und deutsche Einheiten, abzogen, blieben humanitäre Helfer der UN und anderer Organisationen vor Ort. Nach der Machtübernahme der Taliban wurden internationale Hilfsgelder eingefroren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. November 2021 um 00:00 Uhr.