Martin Griffiths mit Taliban in Kabul | via REUTERS

Hilfe für Afghanistan Taliban sagen Schutz für Helfer zu

Stand: 06.09.2021 07:02 Uhr

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sollen sich künftig frei in Afghanistan bewegen dürfen. Das hätten die Taliban garantiert, so die UN. Die Taliban eroberten indes offenbar auch die letzte Hochburg des Widerstands.

Die Taliban haben sich nach UN-Angaben verpflichtet, für die Sicherheit von humanitären Helfern in Afghanistan zu sorgen. Die Islamisten hätten in Gesprächen zugesichert, dass Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sich im Land frei und sicher bewegen könnten, erklärte ein UN-Sprecher.

Der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, Martin Griffiths, hielt sich am Sonntag zu Gesprächen mit der Taliban-Führung in Kabul auf. Unter anderem traf er den Taliban-Mitgründer Mullah Abdul Ghani Baradar.

Auf Hilfe angewiesen

Griffiths erklärte danach, dass die internationale Gemeinschaft sich verpflichtet fühle, "unparteiische und unabhängige humanitäre Hilfe" in Afghanistan zu leisten. Er forderte die Taliban auf, insbesondere die Rechte von Frauen im Allgemeinen und Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisationen im Besonderen zu respektieren. Taliban-Sprecher Suhail Schaheen erklärte auf Twitter, die Taliban dankten der UNO für die "versprochene Fortsetzung der humanitären Hilfe für das afghanische Volk" und sicherten ihnen "Zusammenarbeit und die Bereitstellung der notwendigen Einrichtungen" zu.

Nach der Machtübernahme durch die radikalislamischen Taliban ist rund die Hälfte der afghanischen Bevölkerung nach Einschätzung der UNO von einer humanitären Katastrophe bedroht. Afghanistan war bereits zuvor in hohem Maße von humanitärer Hilfe abhängig. Rund 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes werden aus dem Ausland finanziert. 

Entwicklungsminister will weiter helfen

Die Außenminister der EU-Staaten hatten sich Ende der Woche auf fünf Bedingungen für eine beschränkte Zusammenarbeit mit den Taliban verständigt. Das "operative Engagement" mit den neuen Machthabern soll demnach schrittweise hochgefahren werden, wenn die Taliban eine Regierung unter Einbindung auch von anderen politischen Kräften im Land bilden und die Ausreise schutzbedürftiger Menschen ermöglichen.

Zudem sollen sie die Einhaltung von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und Pressefreiheit gewähren, humanitäre Hilfe ermöglichen und garantieren, dass Afghanistan nicht wieder zu einer Basis für international operierende Terrorgruppen wird. Der Vorstoß wurde auch aus dem Bundestag heraus kritisiert.

Entwicklungsminister Gerd Müller stellte in der "Rheinischen Post" gleichwohl weitere Hilfen für Afghanistan in Aussicht und warnte vor dem näher rückenden Winter: "Wir müssen jetzt versuchen, auf allen Wegen Hilfe zu senden und auf allen Wegen weiterhin versuchen, diejenigen aus dem Land zu bekommen, die in Gefahr sind." Er habe mit dem Präsidenten der Weltgesundheitsorganisation WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, besprochen, "dass wir die geplante Luftbrücke der WHO zur Versorgung von Krankenhäusern mit Medikamenten und Impfstoffen unterstützen".

Taliban erobern offenbar das Pandschir-Tal

Die radikalislamischen Taliban gaben derweil an, auch das Pandschir-Tal "vollständig erobert" zu haben. Damit hätten sie auch die letzte Hochburg des Widerstands in Afghanistan eingenommen. Die Taliban waren am Wochenende weiter im Pandschir-Tal vorgerückt. Sie meldeten schwere Kämpfe und Gebietsgewinn in der Provinz nördlich von Kabul. Eine Reaktion der Widerstandskämpfer auf die Verkündung der Taliban gab es zunächst nicht.

Das Pandschir-Tal war bereits in den 90er Jahren eine Hochburg des Widerstands gegen die Islamisten und bislang noch nie unter deren Kontrolle. Vor drei Wochen formierte sich in dem Tal die Nationale Widerstandsfront (NRF) unter Führung des Sohnes des 2001 getöteten afghanischen Kriegsherrn und Taliban-Gegners Ahmed Schah Massud sowie des ehemaligen Vizepräsidenten Amrullah Saleh. Letzterer hatte angesichts der Belagerung durch die Taliban vor einer humanitären Krise im Tal gewarnt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2021 um 09:00 Uhr.