Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe startet auf dem Fliegerhorst Wunstorf. | dpa

Rettung aus Afghanistan Bundeswehr fliegt mehr als 120 Menschen aus

Stand: 17.08.2021 18:33 Uhr

125 Menschen sind mit einem zweiten Flugzeug der Bundeswehr aus Kabul ausgeflogen worden. Erste Botschaftsmitarbeiter sind offenbar bereits zurück in Deutschland. Heute soll es noch zwei weitere Flüge geben.

Ein deutsches Evakuierungsflugzeug hat nach Angaben von Außenminister Heiko Maas mit 125 Menschen an Bord den Flughafen Kabul verlassen. Wie Maas mitteilte, handelte es sich dabei um Deutsche, Afghanen und Angehörige anderer Nationen. "Die Luftbrücke ist angelaufen und wird intensiv fortgesetzt, sofern die Sicherheitslage dies irgendwie zulässt", erklärte er. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr bestätigte, dass die Maschine mittlerweile sicher in Taschkent in Usbekistan gelandet ist.

Von dort sollen die Menschen dann weiter nach Deutschland gebracht werden. Die Lufthansa beteiligt sich daran mit drei Sonderflügen. Ein Airbus A340 werde Passagiere von Bundeswehr-Flügen in Taschkent übernehmen und am Dienstagabend von dort nach Frankfurt fliegen, erklärte eine Lufthansa-Sprecherin. Für Mittwoch seien zwei weitere Flüge geplant.

Auch Afghanen an Bord

Laut Verteidigungsministerium sind auch afghanische Ortskräfte unter den Passagieren. Die Bundeswehr hatte in der Nacht zum Dienstag eine erste Gruppe von nur sieben Personen im Militärflieger vom Typ A400M ins Nachbarland Usbekistan ausgeflogen. Bis gestern Nachmittag hatten sich vier Bundeswehr-Maschinen auf den Weg nach Kabul gemacht, die jedoch wegen der unsicheren Lage teilweise nicht dort landen konnten.

Schwierige Situation der Ortskräfte

Vor allem die Afghanen an Bord der Maschine dürften erleichtert sein, das Land verlassen zu können. Sie mussten wegen ihrer Zusammenarbeit mit der Bundeswehr in den vergangenen Jahren mit Racheakten der Taliban rechnen. Die Islamisten hatten zudem erklärt, nach ihrer Machtübernahme keine Staatsbürger ausreisen zu lassen. "Die Taliban haben angekündigt, dass Afghanen das Land nicht verlassen dürfen", sagte der Politikwissenschaftler der Bundeswehr-Universität München, Carlo Masala bei tagesschau24. "Ob wir die Ortskräfte alle rausbekommen, dafür gibt es keine Garantie." Optimistischer zeigte sich Masala bei den verbliebenen Deutschen in Kabul. So lange die US-Amerikaner den Flughafen sichern würden, könnten Ausländer ausgeflogen werden.

Erste Botschaftsmitarbeiter zurück in Deutschland

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sind die ersten Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Kabul bereits zurück in Deutschland. Demnach landeten sie am Dienstagnachmittag mit einer Linienmaschine auf dem Berliner Hauptstadtflughafen in Schönefeld. In der Nacht zu Montag waren sie unter den ersten 40 deutschen Staatsbürgern, die mit einem US-Flugzeug nach Doha im Golfemirat Katar ausgeflogen worden waren. Wieviele genau von ihnen mit der Linienmaschine in Schönefeld ankamen, war zunächst unklar.

Zwei weitere Flüge geplant

Die Bundesregierung will die Evakuierungsaktion mit Hochdruck fortsetzen, erklärte Maas bei einer Pressekonferenz in Berlin. Es sollen noch heute zwei weitere Bundeswehrmaschinen in Kabul landen und "wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass so bald wie möglich weitere Menschen in Sicherheit gebracht werden können". Die Lage am Flughafen habe sich glücklicherweise stabilisiert, die Bundeswehr sichere nun den Zugang für die deutsche Mission dort.

Die Hauptaufgabe bei der Sicherung des Flughafens kommt aber weiter dem US-Militär zu: Nach Angaben des Weißen Hauses sind dort inzwischen etwa 3500 Soldaten im Einsatz. Das Verteidigungsministerium in Washington erklärte, die Zahl werde im Lauf des Tages noch auf rund 4000 ansteigen. In einigen Tagen sollen es dann bis zu 6000 Soldaten sein.

Wie Bundesaußenminister Maas weiter erklärte, sollen auch ausländische Maschinen weiter genutzt werden, etwa US-Flieger. In der Nacht zu Montag waren 40 Botschaftsmitarbeiter mit einem Flugzeug der amerikanischen Verbündeten nach Doha im Golfemirat Katar gebracht worden. Zudem favorisiert Maas ein koordiniertes europäisches Vorgehen, sowohl was die Rettungsflüge als auch was den Umgang mit den Taliban angeht.

Suche nach weiteren Helfern

Laut Kanzlerin Angela Merkel seien von den Ortskräften der Bundeswehr und Bundespolizei sehr viele Personen bereits in Deutschland. Nun versuche man Kontakt zu den rund 1000 Ortskräften im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit herzustellen, die aber teilweise nicht in Kabul seien. Dazu kämen die Helfer von Nichtregierungsorganisationen.

Der Grund, warum man diese zunächst nicht auf der Liste der zu Evakuierenden hatte, sei die Annahme gewesen, dass man die Entwicklungszusammenarbeit nach dem Abzug des Militärs zunächst fortsetzen könne, sagte Merkel. Dies sei nun nicht mehr möglich.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. August 2021 um 15:00 Uhr.