Bundeswehrsoldaten und Zivilisten am Flughafen Kabul | dpa

Lage in Afghanistan Rettungsaktion unter Zeitdruck

Stand: 21.08.2021 12:52 Uhr

Zehntausende warten in Afghanistan darauf, ausgeflogen zu werden. Die Lage am Flughafen ist dramatisch. Zwei Bundeswehr-Hubschrauber sollen nun bei der Rettungsaktion helfen - und die Zeit drängt.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Zwei Hubschrauber der Bundeswehr sind in Kabul angekommen. In ihnen sollen nun Menschen aus der Stadt zum Flughafen gebracht werden. Allerdings nur in Ausnahmefällen, so der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, im Interview mit dem ARD-Studio Neu-Delhi.

Man muss sich das so vorstellen, dass Sammelpunkte festgelegt werden, die wir international abstimmen. Und dann fliegen wir grundsätzlich mit zwei dieser kleinen Hubschrauber raus. Einer nimmt das Personal auf, das wir evakuieren wollen und einer sichert dann diese Landezone. Die Amerikaner unterstützen das komplett durch die Koordinierung des Luftraums.
Silke Diettrich ARD-Studio Neu-Delhi

Regulär können maximal sechs Menschen mit diesen Helikoptern transportiert werden, aber Tausende, die nach Deutschland gebracht werden sollen, harren noch in Afghanistan aus. Es sei eine der größten und schwierigsten Luftbrücken der Geschichte, sagte US-Präsident Joe Biden. Dennoch versprach er, dass alle US-Bürger nach Hause gebracht würden.

Rund um den Flughafen Checkpoints der Taliban

Die Bundeswehr muss daher schnell handeln, denn alle Nationen, die jetzt noch vor Ort sind und Menschen herausholen, sind von den USA abhängig. Würden die USA das Land verlassen, würde die Luftbrücke nicht mehr funktionieren. Die US-Soldaten kontrollieren den militärischen Teil des Flughafens, der zivile Flughafen ist zerstört und nicht einsatzbereit.

Vor dem Flughafen, wie auch fast im gesamten Land, haben die Taliban die Kontrolle:

Unser Bild ist, dass wir um den Flughafen herum eine ganze Reihe von Checkpoints haben, die durch die Taliban besetzt werden. Das sorgt auf der einen Seite auch für eine gewisse Stabilisierung und Ruhe und Ordnung vor den Toren. Dort wird aber auch schon kontrolliert, wer überhaupt durchgelassen wird.

UN-Bericht warnt vor Racheaktionen

Die Taliban beteuern immer wieder, dass sie niemanden aufhalten würden von der internationalen Gemeinschaft, das Land zu verlassen. Sie appellieren aber an die ausländischen Nationen, im Land zu bleiben. "Es besteht kein Risiko für die Botschaften und Diplomaten hier von unserer Seite", sagte Suhail Shaheen, einer der Taliban-Sprecher. "Mehr noch, wir setzen alles daran, sie zu schützen."

Die Vereinten Nationen allerdings warnen vor Racheaktionen. Laut einem internen Bericht suchen die Islamisten systematisch nach Gegnern und ihren Angehörigen,. Das meldete der britische Sender BBC. Dabei gehe es vor allem um Personen, die wichtige Positionen im Militär, bei der Polizei oder anderen Ermittlungsbehörden hatten. Seien diese nicht auffindbar, würden Familienmitglieder stattdessen in Gewahrsam genommen. Und es würde damit gedroht, sie umzubringen.

Sieben Stunden lang mussten die Evakuierungen gestern ausgesetzt werden. Dabei warten noch Zehntausende Menschen darauf, ausgeflogen zu werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. August 2021 um 12:26 Uhr.