Karte: Syrien mit Damaskus und Hama

Mutmaßliche Waffenfabrik Israel greift Chemiefabrik in Syrien an

Stand: 07.09.2017 12:03 Uhr

In der Nacht hat die israelische Luftwaffe eine Fabrik in Syrien angegriffen, in der nach US-Einschätzung Chemiewaffen hergestellt werden. Israel hat damit zum ersten Mal direkt in den Konflikt im Nachbarland eingegriffen.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Die israelische Armee hat den Luftschlag weder dementiert noch bestätigt. In den Medien des Landes wird aber nicht daran gezweifelt, dass israelische Kampfflugzeuge den Angriff auf eine mutmaßliche Waffenfabrik in Syrien flogen.

Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Die Attacke sei keine Routine gewesen, twitterte der Ex-Chef des israelischen Militärnachrichtendienstes, Amos Yadlin, und ergänzte: Wenn der Luftschlag von Israel durchgeführt worden sein sollte, so wäre es eine moralisch lobenswerte Aktion gewesen. In der Fabrik seien chemische Waffen und Fassbomben hergestellt worden.

Nach Einschätzung Jadlins lautete die Botschaft der Attacke, dass Israel die Herstellung strategischer Waffen nicht dulden werde und seine "roten Linien ziehen wird, auch wenn die Großmächte sie ignorieren".

Der ehemalige israelische nationale Sicherheitsberater, Yaakov Amidror, erklärte, erstmals sei ein syrisches Ziel und kein Konvoi mit Waffen für die libanesische Hisbollah-Miliz angegriffen worden.

Mehr als 100 Einsätze in Syrien

Zuvor hatte die syrische Armee Israel beschuldigt, für den Luftschlag gegen die Anlage nahe der Stadt Hama verantwortlich zu sein. Die Armee warnte Israel vor ernsten Konsequenzen. Nach syrischen Angaben wurden zwei Soldaten getötet und es entstand erheblicher Sachschaden.

Israel hat in den vergangenen Jahren immer wieder Angriffe in Syrien geflogen - mit dem Ziel, Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden. Nach Angaben des ehemaligen Kommandeurs der israelischen Luftwaffe, Amir Eshel, gab es mehr als 100 Einsätze gegen solche Konvois.

Zur Zeit führen die israelischen Streitkräfte an der Grenze zum Libanon ein Großmanöver durch,  bei dem auch für mögliche Konfrontationen mit der Hisbollah trainiert wird.

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KOMMENTARE

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Magfrad 07.09.2017 • 19:22 Uhr

@Brunswick 12:35

Sehe es ganz genauso. Iran hat sich viel zu nahe an Israels Grenze herangearbeitet. Hier geht es um die Existenz des Staates Israel. So sehr ich die Israelis kritisch sehe, wenn es um den Palästinenserkonflikt angeht, hier haben sie recht. Russland hätte wissen müssen wie heikel es ist, wenn man den Iran und die Hizbollah auf syrischem Gebiet militärisch agieren lässt. Es war klar, dass Israel dies nicht mitmachen wird. Der Konflikt in Syrien könnte jetzt eine Wendung nehmen. Dies mag den Unterstützern Assads nicht gefallen, aber dies hätte man überlegen müssen bevor man mit dem Iran und der Hizbollah die Todfeinde Israels mit ins Boot holt. Nun gibt es die Quittung für dieses blinde Vorgehen ohne nachzudenken.