Demonstrant in Khartum, Sudan. | EPA

Militärputsch im Sudan Tote und Verletzte am Tag des Widerstands

Stand: 30.10.2021 21:42 Uhr

Bei Protesten gegen den Militärputsch im Sudan sind drei Menschen durch Schüsse von Sicherheitskräften getötet worden. Die Demokratie-Bewegung hatte zu einem Tag des Widerstands aufgerufen, dem sich viele anschlossen.

Bei Massenprotesten der Demokratie-Bewegung im Sudan gegen die Militärmachthaber hat es nach Angaben des unabhängigen Zentralkomitees sudanesischer Ärzte Tote und Verletzte gegeben. Mindestens drei Zivilisten starben demnach in der Stadt Omdurman durch Schüsse von Milizionären. Über Twitter teilte das Ärztegremium mit, die Toten hätten Schusswunden im Kopf- und Bauchbereich.

Auch in der Hauptstadt Khartum sei mit scharfer Munition auf Protestierende geschossen worden. Mehr als 100 Menschen seien durch das gewaltsame Vorgehen oder durch Tränengas verletzt worden.

"Nein, nein zur Militärherrschaft"

Trotz eines Großaufgebots des Militärs waren Tausende Menschen gegen den Militärputsch vor knapp einer Woche auf die Straße gegangen. Die Demokratie-Bewegung hatte zu einem Nationalen Tag des Widerstands ausgerufen. In vielen Teilen der Hauptstadtregion inklusive den Nachbarstädten Omdurman und Nord-Khartum folgten die Menschen dem Aufruf. Auch aus dem östlichen Bundesstaat Kassala wurden Proteste gemeldet. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa berichteten Augenzeugen von einer großen Beteiligung der Bevölkerung.

In Khartum hatte das Militär demnach wichtige Straßenkreuzungen und die meisten Brücken blockiert, die Hauptstadt mit den Nachbarstädten verbinden. Die Internet- und Telefonverbindungen waren weitgehend lahmgelegt, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Demonstranten skandierten Slogans wie "Nein, nein zur Militärherrschaft" und "Wir sind freie Revolutionäre", berichtete AFP. Im Osten der Hauptstadt zündeten Protestierende demnach auch Autoreifen an.

Täglich wütende Proteste

Das Militär hatte zuvor die Macht in dem nordostafrikanischen Land übernommen und damit international Protest und Empörung ausgelöst. In den vergangenen Tagen hatte es immer wieder wütende Proteste Tausender Menschen im Sudan gegeben. Bei Konfrontationen mit Sicherheitskräften sind nach Angaben von Ärzten inzwischen elf Menschen getötet worden.

Vielen Protestierenden gelten die Führungen der arabischen Nachbarstaaten als Drahtzieher hinter dem Militärputsch. Da sie selbst autokratisch herrschten, wollten sie eine Demokratisierung des Sudan verhindern. Sowohl die Vereinten Nationen wie auch die Europäische Union mahnten das Militär zu Zurückhaltung.

Die USA forderten, das sudanesische Militär möge das Recht auf friedliche Proteste respektieren. Sie haben - wie auch Staaten der EU - den Putsch verurteilt. Sie verlangen die Wiedereinsetzung von Regierungschef Abdullah Hamduk und seines Übergangkabinetts.

Militär verhängt Ausnahmezustand

Soldaten hatten nach wochenlangen Spannungen zwischen Befürwortern einer Militärherrschaft und Unterstützern einer Zivilregierung die zivilen Mitglieder der Übergangsregierung festgenommen. Hamduk steht seitdem unter Hausarrest.

Sudans neuer Militärmachthaber General Abdel Fattah al-Burhan will innerhalb einer Woche einen neuen Regierungschef ernennen. Er stand bisher gemeinsam mit dem entmachteten Regierungschef Hamduk an der Spitze einer Übergangsregierung. Nach dem Putsch verkündete er deren Auflösung. Zudem verhängte er einen Ausnahmezustand.

Gemeinsame Übergangsregierung

Im April 2019 wurde Langzeit-Machthaber Omar al-Baschir nach monatelangen Massenprotesten und einem Militärputsch aus dem Amt getrieben. Das Militär, angeführt von al-Burhan, und die zivile Opposition einigten sich in einem Verfassungsabkommen zunächst auf eine gemeinsame Übergangsregierung, die den Weg zu Wahlen 2022 ebnen sollte. Demnach hätte sich al-Burhan aus der Übergangsregierung bis Jahresende zurückziehen und einem zivilen Vertreter Platz machen müssen.

Die zivile Regierung plante umfangreiche wirtschaftliche Reformen, durch die das Militär erhebliche ökonomische Verluste hätte hinnehmen müssen. Auch verweigerte das Militär eine von Hamduk vorangetriebene Aufarbeitung von Menschenrechtsverstößen, in die teilweise auch al-Burhan und andere einflussreiche Generäle verwickelt gewesen sein sollen.

Mit Informationen von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Oktober 2021 um 18:23 Uhr.