Ein Ölteppich breitet sich auf dem Fluss Cuninico in Peru im September 2022 aus. In der Region im Amazonasgebiet ist es in der Vergangenheit häufiger zu Öllecks gekommen. | AFP

Aus Protest gegen Ölleck Indigene setzen Touristen-Schiff fest

Stand: 04.11.2022 16:16 Uhr

Um auf ein Ölleck in einer Pipeline aufmerksam zu machen, haben Indigene im peruanischen Amazonasgebiet Dutzende Touristen gefangen genommen. Unter ihnen soll sich auch ein Deutscher befinden.

Indigene haben im peruanischen Amazonasgebiet ein Schiff mit etwa 70 Urlaubern festgesetzt. Darunter soll sich laut einer Sprecherin des Auswärtigen Amts auch ein deutscher Reisender befinden.

Die Indigenen wollen mit der Geiselnahme gegen die Untätigkeit ihrer Regierung nach einem Ölleck in einer Pipeline demonstrieren. "Wir wollen mit dieser Aktion die Aufmerksamkeit der Regierung wecken", sagte Watson Trujillo Acosta, Gemeindevorsteher der Ortschaft Cuninico, dem Radiosender RPP.

Bei den auf einem Nebenfluss des Marañon gefangen gehaltenen Touristen handele es sich um Peruaner und Ausländer, fügte er hinzu. Die ausländischen Urlauber kommen den Angaben zufolge aus den USA, Spanien, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz. Allen Männern, Frauen und Kindern gehe es gut, sagte der Gemeindevorsteher. Alte und kranke Menschen dürften das Schiff verlassen.

Arbeiter errichten eine Ölbarrikade auf dem Fluss Cuninico,  einem Nebenfluss des Marañon im Amazonasgebiet in Peru. | AFP

Zuletzt kam es im September zu einem Leck an der Norperuano-Pipeline. Arbeiter des staatlichen Unternehmens Petroperu errichteten daraufhin eine Ölbarrikade auf dem Fluss Cuninico. Bild: AFP

Druck auf die Regierung

Indigenen-Vertreter Trujillo forderte die Verhängung des Notstands. Regierungsvertreter sollten den Bruch der staatlichen Norperuano-Ölpipeline Mitte September und die daraus entstandenen Umweltschäden vor Ort untersuchen.

Bei dem Unfall waren 2.500 Tonnen Rohöl in den Fluss Cuninico gelangt. Zuvor hatten die indigenen Einwohner bereits die Durchfahrt für alle Schiffe auf dem Fluss blockiert, um auf den Ölteppich aufmerksam zu machen. Ende September verhängte die Regierung einen 90-tägigen Ausnahmezustand in der Region, in der etwa 2.500 Indigene leben.

Die 800 Kilometer lange Norperuano-Pipeline, die dem staatlichen Unternehmen Petroperu gehört, wurde vor rund 40 Jahren gebaut, um Rohöl aus dem Amazonasgebiet an die Küste zu transportieren. Nach Angaben von Petroperu wurde die Pipeline vorsätzlich durch einen 21 Zentimeter langen Schnitt beschädigt. Seit Dezember vergangenen Jahres seien laut dem Unternehmen über 50 Beschädigungen registriert worden.