Ein Polizeiauto fährt an einer U-Bahn-Station am New Yorker Times Square vorbei. | AFP

Corona-Lockerungen in New York Die Stadt, die nicht mehr schläft

Stand: 19.05.2021 02:37 Uhr

New York, die Stadt, die doch eigentlich niemals schläft, lag mehr als ein Jahr lang im Corona-Koma. Nun erwacht im Big Apple überall wieder das Leben - und die Euphorie ist spürbar.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

"Die Show geht weiter in New York" - es ist Bürgermeister Bill de Blasios Weckruf für die Stadt. Jetzt macht sie ernst, und Kellnerin Anne im studentischen East Village bereitet die Bühne: "Ich bin es gar nicht mehr gewohnt, meine Tische so dicht aneinanderzustellen", sagt sie, während sie Möbel rückt. "Wir überlegen noch, wie wir das logistisch machen."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Schließlich brauchten ihre Kunden auch weiter das Sicherheitsgefühl. Rund die Hälfte der New Yorker sind geimpft. Die Infektionszahlen sinken. Masken sind im Freien nicht mehr Pflicht. Doch Gouverneur Cuomo mahnt die New Yorker trotzdem vor Vorsicht: "Mit der einen Hand halten wir das Covid-Monster in Schach. Mit der anderen planen wir die Wiedergeburt der Stadt."

Öffnung zu 100 Prozent

Zwar hat die City damit schon länger begonnen. Doch erst ab heute dürfen Lokale, Geschäfte, Fitnessclubs, Kinos und Museen wieder zu hundert Prozent öffnen.

"Ich freue mich darauf, hier bald wieder mehr Gesichter zu sehen", sagt Anna. Die auch weiß: Viele New Yorker werden sich noch schwer damit tun, ab jetzt wieder durch die Nacht in den Morgen zu brausen. Seit dieser Woche fährt die U-Bahn nämlich wieder durch. 24/7 - nach über einem Jahr gibt es keine Corona-bedingte Nachtruhe mehr. Doch nach 22 Uhr sind die meisten Waggons noch leer. Die Leute müssen das erst wieder lernen, sagt eine Frau.

Es ist großartig, dass das wieder läuft. Viele Leute fahren hier rund um die Uhr. Sie müssen zu Arbeit kommen und sonst wo hin. Sie brauchen den Service.

"Kannst die Energie fühlen"

Und sie freuen sich darauf, ihre Stadt zurückzubekommen, sagt ein Passant namens Ian. So wie sie war, bevor sie vor gut einem Jahr in diesen tiefen Schlaf verfiel. "Voller Menschen, die tun können, was sie wollen, die sich nicht anstellen oder registrieren müssen."

Es geht wieder los, das fühlt auch Barbesitzer Ian Conroy. Jede kleine gute Neuigkeit, bringe die Stadt wieder voran. Glücklich steht er vor ein paar Gästen hinter der Theke der Mustang Harry‘s Bar in Midtown. "Du kannst das Surren und die Energie hier fühlen."

Viele bleiben lieber daheim

Doch noch surrt es nicht so laut, wie es sollte: In den Bürotürmen rund um den Madison Square Garden, an dem sein Lokal liegt, sind die meisten Fenster weiter dunkel. Pappschilder in leeren Fluren begrüßen die Angestellten der Schreibtischburgen wie Heimkehrer nach einem Krieg. "Welcome Back, Team" - doch viele sind aus der Stadt geflohen und bleiben lieber in ihren Homeoffices, sagt Andrew Riggie, Chef des New Yorker Gaststättenverbands.

Wir müssten noch viel tun, um die Leute zurück nach New York zu bringen. Wenn Dein Lokal in Midtown ist, wo die Büros gerade mal zu 15 Prozent besetzt sind, dann brauchst Du die Angestellten zurück, damit sich Dein Laden erholen kann.

70 Millionen Touristen fehlen noch größtenteils

Hunderte Lokale am Big Apple haben die Pandemie nicht überlebt. Fast die Hälfte der rund 330.000 Arbeitsplätze in der Branche fehlen noch. Und auch 70 Millionen Touristen. Das merkt auch die Kulturszene. Vor allem die kleinen Off-Broadway-Theater brauchen dringend wieder vollbesetzte Reihen, sagt Aimee Todorroff vom Verband unabhängiger Theater. "Jetzt haben wir die Gelegenheit, unser Comeback zum Business besser zu machen."

Viele kleine Truppen hätten sich durch Kreativität durch die Krise gerettet. Doch letztlich wollten die Zuschauer die richtige Bühne. "Wir sehen ein unglaubliches Interesse von unserm Publikum, das zurück ins Theater will. Nicht draußen, wie es schon lange möglich ist. Sie wollen drinnen sitzen, im Dunkeln, und die Magie kann losgehen."

Der Broadway wird erst ab dem Herbst wieder funkeln. Dann soll die Stadt in die letzte Phase der Schlaflosigkeit starten. Auch der New York Marathon wird wieder verkleinert  loslegen. Ob schon wieder Touristen aus Deutschland die Straßen mit säumen dürfen, ist noch nicht klar. Aber New York will sie schon einmal locken: Mit einer Marketing-Kampagne von umgerechnet 25 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Mai 2021 um 05:25 Uhr.