Ein Mann wird während einer Demonstration gegen die Regierung Kubas verhaftet (Archivfoto vom 11. Juli 2021). | AFP

Urteil nach Protesten in Kuba Hohe Haftstrafen für Demonstranten

Stand: 14.06.2022 09:25 Uhr

Es waren die größten regierungskritischen Proteste seit Jahrzehnten: Ein Jahr, nachdem Tausende Kubaner gegen die schwere Wirtschaftskrise auf die Straße gingen, sind 381 von ihnen verurteilt worden - zu bis zu 25 Jahren Haft.

In Kuba sind 381 Oppositionelle zu teilweise hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden, weil sie im Juli vergangenen Jahres gegen die Regierung protestiert hatten. Wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte, erhielten 36 Verurteilte Freiheitsstrafen von bis zu 25 Jahren Haft. 16 der Verurteilten sind jünger als 18 Jahre. Die meisten von ihnen sollen sich des Aufruhrs, der Sabotage, des Raubes, der Körperverletzung, der Missachtung von Autoritäten und der Unruhestiftung schuldig gemacht haben.

Nichtregierungsorganisationen bezweifeln das. Nach Angaben der Organisation Cuban Prisoners Defenders sitzen in dem Land derzeit 1046 Menschen aus politischen Gründen im Gefängnis. Die Mehrheit von ihnen sei bei den Demonstrationen vom Juli 2021 festgenommen worden, 246 seien zu Haftstrafen von zehn oder mehr Jahren verurteilt worden.

Videos zeigten überwiegend friedliche Proteste

Am 11. Juli 2021 hatten in zahlreichen kubanischen Städten Tausende Menschen gegen die wirtschaftliche Lage und für demokratische Rechte demonstriert. Es waren die mit Abstand größten regierungskritischen Proteste in dem sozialistischen Land seit Jahrzehnten. Etwa 1400 Beteiligte wurden festgenommen.

Auf Videos waren überwiegend friedliche Demonstrationen zu sehen, die die Sicherheitskräfte gewaltsam auflösten. Deren Vorgehen stieß international auf Kritik. Die kubanische Regierung warf dagegen der US-Regierung vor, die Demonstrationen provoziert zu haben.

Kuba macht die schwerste Wirtschaftskrise seit fast 30 Jahren durch. Zahlreiche Bewohner verließen deswegen das Land, viele von ihnen flüchteten in die USA.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Juni 2022 um 06:00 Uhr in den Nachrichten.