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Klage gegen Pornhub "Regelrecht kriminelle Strukturen"

Stand: 19.06.2021 10:23 Uhr

Pornhub soll Geld machen mit Videos von Vergewaltigungen und Sex mit Minderjährigen. 34 Frauen haben in den USA Klage eingereicht. Der Betreiber MindGeek sieht einen Feldzug gegen die Pornoindustrie.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

"Jeder konnte alles von mir sehen, in einem sehr privaten Moment." Unter Tränen berichtet eine Frau im US-Nachrichtensender CBS davon, dass ihr Ex-Mann sie ohne ihr Wissen beim Sex gefilmt und die Szenen bei der Pornowebseite Pornhub hochgeladen hat. Als sie davon erfährt und die Betreiber bittet, das Video von der Seite zu nehmen, hätten diese ihr erst nicht geglaubt. Es dauert Tage, bis das Video verschwindet, nur um als Kopie später auf anderen Webseiten wieder aufzutauchen.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Schwere Vorwürfe von 34 Frauen

Es ist die Geschichte einer von insgesamt 34 Frauen, die fast alle anonym bleiben wollen. Sie haben eines gemeinsam: Sie werfen der Betreiberfirma von Pornhub, MindGeek, vor, von Videos zu profitieren, die nicht-einvernehmlichen Sex zeigen oder ohne Zustimmung hochgeladen wurden.

Die Anwaltsfirma Brown Rudnick, die die Klägerinnen vertritt, sagt, MindGeek mache wissentlich mit Videos Geld, die Vergewaltigung, sexuelle Ausbeutung von Kindern oder Rachepornos zeigen. Das Unternehmen weise regelrecht kriminelle Strukturen auf.

Michael Bowe, einer der Anwälte, sagt, es gehe um Schadenersatz, aber auch darum sicherzustellen, dass die Bilder seiner Klientinnen nicht weiter ausgebeutet werden.

Es geht um Millionen Videos

Es ist nicht das erste Mal, dass MindGeek mit schweren Vorwürfen konfrontiert wird. Eine Recherche der "New York Times" aus dem Dezember 2020 hatte dem Pornovideoportal ebenfalls vorgeworfen, zu wenig gegen Videos mit sexueller Gewalt bis hin zu Kinderpornografie vorzugehen. Jährlich seien etwa 8,6 Millionen Videos betroffen.

Als Konsequenz hatten die Bezahldienste Mastercard und Visa die Zusammenarbeit mit Pornhub eingestellt.

Im Mai 2021 hatten sich 700 Frauen in Kanada an die Regierung gewandt und eine Untersuchung von Pornhub gefordert. Am Donnerstag wurde ein Bericht der Ethikkomission im kanadischen Parlament vorgelegt und empfohlen, schärfere Regeln für die Pornoseitenbetreiber durchzusetzen.

Druck auf Unternehmen wächst

Mit der Klage in Los Angeles wächst der Druck auch auf der US-Seite gegen das Unternehmen. Und das in einem Klima, indem große Tech- und Social-Media-Konzerne mehr denn je unter Beobachtung stehen.

MindGeek ist eine kanadische Firma mit Büros unter anderem in Los Angeles, Montreal und Luxemburg. Auf ARD-Anfrage antwortete das Unternehmen, dass Pornhub "keine illegalen Inhalte toleriere" und die Vorwürfe untersuche.

MindGeek weist Vorwürfe scharf zurück

Doch wittert man eine politische Agenda hinter der Klage. Der Anwalt Michael Bowe, der auch schon Ex-US-Präsident Donald Trump oder den konservativen Politiker Sean Spicer vertreten hat, sei "ein Soldat des ultrarechten Flügels, der die Pornoindustrie stilllegen will".

Das Unternehmen verweist darauf, dass es selbst strengen Richtlinien folge, beispielsweise nur verifizierte Nutzer Videos hochladen dürfen. Diese neue Regelung war aber erst nach der Recherche der "New York Times" implementiert worden. Zudem arbeite man mit zahlreichen Organisationen weltweit zusammen, die Pornhub auf kritische Inhalte aufmerksam machen sollen, in Deutschland sei dies MindGeek zufolge der Verband der Internetwirtschaft Eco.

Technologie leicht zu umgehen

Pornhub versucht nach eigenen Angaben, illegale Videos aus dem Netz dauerhaft zu löschen. Auch mittels eines technischen Fingerabdrucks, der sicherstellen soll, dass ein gelöschtes Video nicht immer wieder neu hochgeladen werden kann. Doch Recherchen, unter anderem des Online-Magazins "Vice" zeigten: Die Technologie kann leicht umgangen werden.

Für die Betroffenen, die nicht an den Videos verdienen, sondern im Gegenteil oft ein lebenslanges Trauma davontragen, heißt das bittererweise meist: Was einmal im Netz ist, bleibt auch dort.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juni 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.