Honduras' neue Präsidentin Xiomara Castro bei ihrem Wahlsieg. | picture alliance / AA
Porträt

Präsidentin von Honduras Katholikin, Linke - und Hoffnungsträgerin

Stand: 27.01.2022 13:25 Uhr

Aus Protest wählten viele Honduraner die Linke Xiomara Castro zur Präsidentin. Nun muss sie Armut, Femizide und Korruption zugleich angehen - und auch die USA haben große Erwartungen an sie.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Schon vor Xiomara Castros Amtsantritt zeichnet sich die erste institutionelle Krise ab: Im Parlament von Honduras kam es zu handfesten Rangeleien: Gleich zwei Kongressabgeordnete beanspruchten die Führung des Kongresses und sorgten damit für seine Spaltung. Es ist nur eine weitere Herausforderung auf einer langen Liste, die auf die neue Präsidentin wartet. Der Druck, der auf der 62-Jährigen lastet, ist riesig. Sie wird die erste Präsidentin des Landes sein.

Anne Demmer

Bertha Zúñiga vom Rat der Volks- und indigenen Organisationen COPINH, Tochter der 2016 ermordeten Sozialführerin Berta Cáceres, hofft, dass mit dem Antritt von Xiomara Castro die Gewalt gegen Frauen im Land endlich geahndet wird: "Wir hoffen, dass sie der Frage der Frauenmorde, der ganz speziellen Gewalt gegen Frauen, den Verbrechen, der Belästigung besondere Aufmerksamkeit schenkt und die neue Regierung Institutionen schafft, die sich mit diesen Fällen befassen. Und dass es ihnen gelingt, die Straflosigkeit zu bekämpfen, die es in diesem Zusammenhang gibt." Zudem erwartet Zúñiga, dass Castro sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung in Honduras einsetzt und die umstrittenen Sonderwirtschaftszonen abschafft.

Polizeikräfte gehen am Stadion von Tegucigalpa vorbei, in dem Castros Amtseinführung stattfindet. | REUTERS

Polizeikräfte gehen am Stadion von Tegucigalpa vorbei, in dem Castros Amtseinführung stattfindet. Bild: REUTERS

Hoffnung auf Korruptionsbekämpfung

Castro hat viel versprochen: mehr Partizipation, eine Regierung der Versöhnung. Sie ist die Ehefrau des Ex-Präsidenten Manuel Zelaya - der hatte die Wahl 2005 als Kandidat der Liberalen Partei gewonnen und anschließend einen Linksschwenk vollzogen. Doch 2009 putschte die rechtskonservative Elite gegen ihn. Seitdem stellte die Nationale Partei die Regierung in dem mittelamerikanischen Land. Der Wahlsieg der 62-Jährigen mit ihrer Mitte-Links-Partei Libre ist für viele ein historischer Einschnitt.

Karte: Honduras mit Tegucigalpa

Viele Menschen in Honduras setzen auf einen tiefgreifenden Wechsel, wie auch diese Honduranerin aus der Hauptstadt Tegucigalpa: "Wir hoffen auf eine Regierung der Transparenz, denn die Diktatur, diese Drogenregierung, ist vorbei", meint sie. "Wir hoffen, dass die Menschen auch verstehen, dass in den nächsten vier Jahren nicht alles erreicht werden kann. Zuerst müssen wir all diese korrupten Leute ins Gefängnis bringen. Das ist es, was wir wirklich wollen."

Bevölkerung lebt in Armut

Der scheidende Präsident Juan Orlando Hernández steht in dem Verdacht, in den Schmuggel von Kokain in die USA verwickelt zu sein. Sein Bruder Tony wurde wegen Drogenhandels in den USA bereits zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Viele Menschen in Honduras hoffen auf Gerechtigkeit und den Bruch mit den alten Eliten.

Rund 70 Prozent der Menschen leben in Armut. Die Wirtschaft in dem mittelamerikanischen Land liegt brach, die Situation hat sich durch die Pandemie nur noch weiter verschärft. Die Korruption ist ein massives Problem. Laut dem gerade herausgegebenen Index von Transparency International befindet sich Honduras auf Platz 157 von 180 Ländern. Die Verbesserung der Lebensverhältnisse wird eine Mammutaufgabe.

"Xiomara Castro wird als eine Person mit wichtigen Eigenschaften wie Einfachheit, Ehrlichkeit, Transparenz und Engagement für die honduranische Gesellschaft angesehen, die sich bei mehreren Gelegenheiten für die ärmsten Bevölkerungsschichten eingesetzt hat", meint der Menschenrechtsaktivist und Priester Ismael Moreno, der die streng katholische linke Politikerin im Wahlkampf beobachtet hat. "Deshalb wird erwartet, dass ihre Regierung für Gerechtigkeit sorgt und der honduranischen Gesellschaft zuhört."

Karawanen Richtung USA

Angesichts der gravierenden Armut machen sich regelmäßig Karawanen mit Hunderten Menschen auf den Weg Richtung Norden, auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Vor allem das Durchgangsland Mexiko und die USA haben deshalb großes Interesse daran, dass die neue Präsidentin das Land stabilisiert.

Im Wahlkampf hatte Castro eine Annäherung an China versprochen. Das hat für Beunruhigung gesorgt. Die US-Vizepräsidentin Kamala Harris will offenbar ein Zeichen setzen und reist direkt mit einer ganzen Delegation zur Antrittszeremonie an.