Der verstorbene Architekt Helmut Jahn (Aufnahme von Ende Juli 2019).

Stararchitekt Helmut Jahn bei Chicago tödlich verunglückt

Stand: 10.05.2021 02:37 Uhr

Er entwarf Flughäfen, Messehallen und Wolkenkratzer. Helmut Jahn prägte das Gesicht zahlreicher Metropolen auf der ganzen Welt. Jetzt ist er bei einem Fahrradunfall ums Leben gekommen.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Ich wollte für ein Jahr kommen, sagt Helmut Jahn bei einem Vortrag, und die Menschen lachen, weil sie wissen, dass daraus über 50 wurden. Jahre, in denen er sich von Chicago aus zu einem der Stararchitekten der Welt entwickelt.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

"Das war damals eine sehr aktive Zeit in Amerika", erinnert sich Jahn in einem Interview der Deutschen Welle zu seinem 75. Geburtstag. "Das war damals die moderne Architektur, kommerzielle Regierungsgebäude, die alles bestimmt haben. Es war großer Bauboom."

Am Sonntag ist Helmut Jahn in einem Vorort von Chicago mit 81 Jahren bei einem Fahrradunfall ums Leben gekommen. Seine Spuren hinterlässt er in Dutzenden spektakulärer Gebäude, die vor allem mit Stahl und Glas Alltagsbauten zu architektonischen Erlebnissen machen.

"Es geht nicht nur um Ästhetik"

"Wir wollten Gebäude bauen, in denen Architektur und Ingenieurwesen etwas schaffen, das performanceorientiert war wie alle Gebrauchsobjekte. Gebäude sind Gebrauchsobjekte, es geht nicht nur um Ästhetik", so Jahn einmal.

Bei der Liste seiner Werke sagt auch der Architektur-Laie: "Ach ja, natürlich, da bin ich auch stehen geblieben und habe gestaunt". Die internationalen Flughäfen von Bangkok, Chicago oder Köln verdanken Jahn Terminals, München das Airport Center. Das Thomson-Center in Chicago, der Bahnhof in Tokio, die Bayer-Konzernzentrale, die Galeria-Kaufhof-Gebäude in Chemnitz, das Messezentrum Doha, das EU-Hauptquartier in Brüssel, das Sony Center am Potsdamer Platz in Berlin, der Messeturm Frankfurt.

"Der Messeturm ist ja ein Reimport", so Jahn. "Ein Import des amerikanischen Wolkenkratzers."

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Architektur von Helmut Jahn

 Immer vorwärts

Helmut Jahn ist in Nürnberg geboren, geht 1966 nach Chicago und studiert bei der Bauhaus-Legende Mies van der Rohe, der auch als sein künstlerisches Vorbild gilt. Als Assistent des van-der-Rohe-Schülers Gene Summers beginnt Jahns Karriere 1967 im Chicagoer Architekturbüro C.F. Murphy. Dessen Chef wird er 1982 und nennt es um in Murphy/Jahn, behält den Namen seines Förderers bei. Und hört auch in hohem Alter nicht auf, neue Ideen zu entwickeln.

 "Ich blicke immer noch vorwärts", sagte er. "Weil ich noch immer nicht zufrieden bin, mit dem was ich gemacht habe"

 "Wenig sozialer Wohnraum"

Ein Thema: Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, soziale Verträglichkeit. Der Gedanke, wie Architektur mit den Bedürfnissen der Menschen in Einklang kommt, beschäftigt ihn immer mehr. Dass die großen Städte immer schneller wachsen, wie Menschen dort würdig leben können.

 "Es gibt nur wenig sozialen Wohnraum und für die Mittelschicht, der den Bedarf deckt und Lebensqualität für diese Massen sichert", so Jahn.

Und deshalb hätten Architekten jetzt die Aufgabe zu beweisen, dass soziale und Urbane Probleme mit ausgezeichnetem Design und engen Budgets gelöst werden könnten. Und deshalb werde sich Architektur ändern müssen, so seine These. Sie müsse sich von der Technologieorientierung mit riesigen Räumen und großen öffentlichen Gebäuden weiterentwickeln zu einer mit sozialem Bewusstsein und Verantwortung.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. Mai 2021 um 06:05 Uhr.