Ai Weiwei | dpa

China und Menschenrechte "Noch skrupelloser und rücksichtsloser"

Stand: 18.01.2022 11:22 Uhr

Kurz vor den Olympischen Spielen in Peking hat der Künstler Ai Weiwei seine Sorge geäußert, dass China die Menschenrechte während des Sport-Events noch mehr beschränken werde. Er hatte bereits die Spiele 2008 als eine "gemeinsame Show" von IOC und Regime kritisiert.

Zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking befürchtet der chinesische Konzeptkünstler Ai Weiwei strengere Beschränkungen der Menschenrechte in seinem Heimatland. Seit den Sommerspielen 2008 habe "die chinesische Regierung ihre Kontrolle weiter verstärkt, und die Menschenrechtssituation hat sich weiter verschlechtert", sagte der 64-Jährige der Nachrichtenagentur AP.

China hat die Heuchelei und Untätigkeit des Westens in Menschenrechtsfragen gesehen, deshalb sind sie noch kühner, skrupelloser und rücksichtsloser geworden. Im Jahr 2022 wird China dem Internet und dem politischen Leben, einschließlich der Menschenrechte, der Presse und der elektronischen Medien, strengere Beschränkungen auferlegen.

Stadion als "falsches Lächeln" bezeichnet

Zusammen mit einem Schweizer Architekturbüro war Ai Weiwei an der Gestaltung des "Vogelnests", dem Herzstück der Sommerspiele 2008 in Peking, beteiligt. Das Stadion wird am 4. Februar auch Schauplatz der Eröffnungszeremonie für die Winterspiele sein.

In der Entwurfsphase hatte der im portugiesischen Exil lebende Künstler gehofft, dass die Gitterform des Stadions und die Präsenz der Olympischen Spiele Chinas neue Offenheit symbolisieren würden. Diese Hoffnung wurde enttäuscht.

Das hell erläuchtete Stadion in Peking - "Vogelnest" genannt | AFP

Das hell erläuchtete Stadion in Peking - "Vogelnest" genannt Bild: AFP

Wiederholt hatte er das Stadion als ein "falsches Lächeln" bezeichnet, das China der Welt präsentierte.

Die Art und Weise, wie es danach verwendet wurde, ging in die entgegengesetzte Richtung unserer Ideale. Wir hatten gehofft, dass unsere Architektur ein Symbol für Freiheit und Offenheit sein und Optimismus und eine positive Kraft repräsentieren könnte, was sich sehr von der Verwendung als Werbemittel am Ende unterscheidet.

"Gemeinsame Show" von IOC und Regime

Der Kritiker der Kommunistischen Partei Chinas bezeichnete die Olympischen Spiele 2008 als "Tiefpunkt" dieser Entwicklung. Ai Weiwei betonte weiter: "Für die breite Öffentlichkeit gab es keine Freude an der Teilnahme. Stattdessen gab es eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem chinesischen Regime, die gemeinsam eine Show aufführten, um wirtschaftliches und politisches Kapital zu gewinnen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Dezember 2021 um 20:00 Uhr.