Edgar Lungu (M), Präsident von Sambia, begrüßt seine Anhänger nach der offiziellen Eröffnung eines Terminals am internationalen Flughafen Kenneth Kaunda (Archivbild). | dpa

Wahlen in Sambia Demokratie sieht anders aus

Stand: 12.08.2021 03:28 Uhr

Lange galt Sambia als eine der stabilsten Demokratien des afrikanischen Kontinents. Doch die Wahlen heute finden nicht nur in wirtschaftlich, sondern auch in politisch unruhigen Zeiten statt.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Auf dem Markt in Lusaka ist alles noch ruhig - und doch gibt es heute nur ein Thema: die Wahl. Lydia Mwansa hat einen Stand auf dem Markt in der Hauptstadt Sambias. Sie will dem Präsidenten ihre Stimme geben. Amtsinhaber Edgar Lungu, sagt sie, sei der Richtige: "Weil er ein friedlicher Präsident ist. Es gibt keine Probleme. Das ist der Grund, warum ich Lungu mag. Es herrscht Frieden, und es gibt kein Blutvergießen."

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

Blutvergießen gibt es tatsächlich nicht, aber doch Ungereimtheiten. Bis zuletzt hat die Opposition versucht, von Ort zu Ort zu ziehen. Nicht nur in Chiengi, einem kleinen Ort ganz im Norden Sambias, wurde sie von der Polizei aber an ihrem Wahlkampf gehindert. Videos davon stellten die Wahlkämpfer selbst in soziale Netzwerke.

Sambia ist bitterarm

Seit sechseinhalb Jahren ist Egar Lungu Präsident. Bei der letzten Wahl siegte er knapp gegen seinen Herausforderer Hakainde Hichilema. Der 59-jährige Hichilema ist ein self-made Millionär und punktet mit seinem Sachverstand, wenn es um Wirtschaft geht. Er gilt als nicht korrupt und führungsstark. In einer Videokonferenz klang er zuletzt zuversichtlich.

Es steht sehr viel auf dem Spiel! Die Sambier wollen Veränderung. Ich meine, es ist doch offensichtlich, der Wandel liegt in der Luft, jeder spürt es. Das sind die Voraussetzungen für einen Umbruch, und wir brauchen einen frischen Wind, wir brauchen eine neue visionäre Führung.

Sambia hat grundlegende Probleme, denn das Land ist bitterarm. Gut 60 Prozent der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Dabei ist das Land einer der größten Kupferproduzenten der Welt. Der Bergbau und die Landwirtschaft sind tragende Säulen der Wirtschaft - und doch könnte die Wirtschaftskrise tiefer kaum sein. Im vergangenen November wurde Sambia zahlungsunfähig.

Inflation liegt derzeit bei fast 25 Prozent

Menschen wie Paul Mtine aus Lusaka klangen damals schon besorgt: "Wenn sich die Wirtschaft weiter verschlechtert, werden auch die Menschen die Auswirkungen spüren, was bedeutet, dass die Preise weiter steigen werden." Er sollte Recht behalten. Die Inflation liegt derzeit laut dem Wirtschaftsbarometer Trading Economics bei fast 25 Prozent.

Schuld daran sind nicht etwa nur die global gefallenen Kupferpreise, sondern auch Misswirtschaft, Korruption und Vetternwirtschaft. Das bemängeln in sozialen Netzwerken viele, auch diese beiden Lyrikerinnen: "Korruption hier, da, überall. Wir sehen Korruption und die Schuldigen. Sie sind korrupt, aber wen betrügen sie? Ja, sie sind korrupt - und wer betrügt sie?"

Präsident Lungu regiert mehr und mehr autokratisch

Wie schon vor fünf Jahren wird auch diesmal wieder ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet. Der amtierende Präsident Edgar Lungu regiert seit Jahren mehr und mehr autokratisch und verletzt mitunter demokratische Grundrechte. Das bemängelt Robert Shivambu von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Wir sehen in Sambia, besonders in den vergangenen fünf Jahren, ein immer brutaleres Vorgehen gegen die Menschenrechte, das durch harte Angriffe auf Andersdenkende gekennzeichnet ist. Oppositionsführer, Journalisten, Medienhäuser und Aktivisten wurden zur Zielscheibe. Es ist immer gefährlicher geworden, über Korruptions- oder Missbrauchsvorwürfe gegen die Regierung zu sprechen. Proteste wurden mit unrechtmäßiger oder manchmal tödlicher Gewalt unterbunden oder aufgelöst.

Sambia galt lange als stabile Demokratie. Die frühere britische Kolonie ist seit 1964 unabhängig, seit 30 Jahren hat das Land eine Mehrparteien-Regierung. Heute nun spitzt sich die Wahl vor allem auf zwei Parteien zu: die Regierungspartei PF und die größte Oppositionspartei UPND.

Hoffen auf faire und friedliche Wahl

Anita Chabala aus Lusaka ist eine junge Frau, die der bisherigen Regierung nicht zutraut, die grundlegenden Probleme zu lösen. "Wenn wir wählen, sichern wir unsere Zukunft und auch die Zukunft unserer Generation. Wenn wir für Hakainde Hichilema stimmen, werden wir mehr Arbeitsplätze für die Jugend haben, und auch die Bildung wird aufgewertet werden."

Viele Sambier sind unzufrieden dieser Tage. Einer Studie von Afrobarometer zufolge sehen 80 Prozent der Bevölkerung die Wirtschaft des Landes als schlecht an. Das heißt aber noch nicht, dass es einen Kurswechsel in der Regierung geben wird. Die meisten Menschen hoffen, dass die Wahl fair abläuft und auch dass es friedlich bleibt, so wie auf dem Markt in Lusaka.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. August 2021 um 05:46 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".