Eine Reihe verbrannter Autos steht an einer Straße in Tripolis, Libyen. | REUTERS

Tote und Verletzte in Tripolis Machtkampf in Libyen eskaliert

Stand: 17.05.2022 15:32 Uhr

In Libyen hat der Machtkampf beider Regierungen eine neue Stufe erreicht: In der Hauptstadt Tripolis kam es zu Kämpfen, als der vom Parlament ernannte Ministerpräsident Baschagha in die Stadt umziehen wollte. Der währte nicht lange.

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Arabische Medien berichten, es habe Tote und Verletzte durch anhaltende Gefechte in Libyens Hauptstadt Tripolis gegeben. Auslöser für die Kämpfe war offenbar die Anreise von Fatih al Baschagha aus der ost-libyschen Stadt Bengasi. Er ist ein Regierungschef in Libyen - und damit Gegner eines zweiten Regierungschefs. Das Parlament in Bengasi hatte Baschagha im Februar zum Chef einer Übergangsregierung ernannt.

Björn Blaschke ARD-Studio Kairo

Dbeibah lehnt Rücktritt ab

Der andere Regierungschef, Abdul Hamid Dbeibah, der seinen Sitz im west-libyschen Tripolis hat, blieb jedoch im Amt. Er lehnt einen Rücktritt ab und sagte mehrfach, er werde die Macht nur an eine gewählte Regierung abgeben. Allerdings hatte er selbst die Wahl, die für vergangenen Dezember geplant war, abgeblasen, weil es verschiedene Probleme gegeben hatte.

Baschagha wollte in Tripolis die Arbeit aufnehmen

Baschagha und andere libysche Politiker werfen ihm seither vor, kein Mandat mehr zu haben. Gestern erklärte nun Baschaghas Pressedienst, die vom Parlament ernannte Regierung sei in Tripolis eingetroffen, um dort ihre Arbeit aufzunehmen. Baschagha sagte in einer Video-Botschaft, er sei "friedlich und sicher" in der Hauptstadt Tripolis im Westen eingetroffen; der Empfang sei "exzellent" gewesen:

Wir hatten einen ausgesprochen guten Empfang in der Hauptstadt. Die Willkommensnachrichten seit unserer Ankunft enden nicht. Die Einwohner der Hauptstadt nehmen ständig Kontakt zu uns auf und freuen sich über unsere Ankunft in der Hauptstadt.

Doch die Gefechte in Tripolis zeugen davon, dass Baschaghas Ankunft alles andere als "exzellent" war. Das Hauptproblem: Beide, Baschagha und Dbeiba, haben Milizen, die ihnen zur Seite stehen und bereit sind, ihre Waffen gegen die jeweils andere Seite zu erheben.

Die UN-Sonderbeauftragte für Libyen rief per Kurznachrichtendienst Twitter zur Ruhe auf. Die UN und verschiedene andere Staaten drängen darauf, dass Dbeibah seine Mission erfüllt und die Organisation von Wahlen weiterhin vorantreibt.

Baschagha inzwischen wieder abgereist

Mittlerweile hat Baschaghas Büro mitgeteilt, dass er und mehrere seiner Minister wieder abgereist seien. Sie wollten Bürger schützen "und das Blutvergießen stoppen". Die Gefechte in Tripolis zeugen allerdings davon, dass Baschagha und seinen Leuten das noch nicht gelungen ist.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 17. Mai 2022 um 15:38 Uhr.