Satellitenaufnahme der im Suezkanal gestrandeten "Ever Given" | AP

Havarie im Suezkanal Bergung dauert wohl noch länger

Stand: 26.03.2021 14:37 Uhr

Keine Entwarnung im Suezkanal: Das Containerschiff "Ever Given" sitzt trotz aller Bemühungen weiter fest. Der Vorfall sorgte bereits für starke Schwankungen bei den Öl-Preisen. Die deutsche Industrie befürchtet Lieferengpässe.

Das Containerschiff "Ever Given" der Reederei Evergreen hängt weiter im Suezkanal fest. Trotz fortlaufender Bemühungen von Schlepperbooten und anderem Gerät konnte der seit Tagen festliegende Frachter noch nicht freigelegt werden. Bereits jetzt stauen sich mehr als 200 Schiffe.

Der nächste Versuch, das Schiff zu bewegen, soll am Abend unternommen werden, teilte das Seefahrts- und Logistikunternehmen GAC auf seiner Internetseite mit. Nach Angaben der Suezkanal-Behörde ist derzeit ein Baggerschiff dabei, 15.000 bis 20.000 Kubikmeter Sand abzusaugen, um den Frachter freizulegen. Die ägyptische Behörde wird dabei von dem niederländischen Bergungsunternehmens Boskalis unterstützt.

Sand wegbaggern, Gewicht verringern

Nach Einschätzung von Boskalis wird die Freilegung des Frachters noch dauern. Man versuche jetzt mit einem doppelten Ansatz, die "Ever Given" freizubekommen, sagte ein Unternehmenssprecher der niederländischen Nachrichtenagentur ANP. Das Schiff solle nun von zwei Seiten losgelöst werden. Neben den Baggerarbeiten soll zudem das Gewicht des Schiffes durch Abpumpen von Treibstoff verringert werden.

Wie lange dauert die Blockade noch?

Zuvor hatte die japanische Zeitung "Nikkei" unter Berufung auf den Eigner Shoei Kisen berichtet, dass das Frachtschiff bereits "morgen Nacht japanischer Zeit" aus der misslichen Lage befreit werden könnte.

Ein Vertreter der ägyptischen Regierung hatte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von maximal drei Tagen gesprochen. Die Schifffahrt auf dem Kanal zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer werde "binnen 48 bis 72 Stunden höchstens wieder aufgenommen" werden, so der Berater von Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi für Seehäfen, Mohab Mamisch.

Schifffahrt auf Kanal eingestellt

Seit Dienstag blockiert die 400 Meter lange "Ever Given" den Suezkanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Das unter der Flagge Panamas fahrende Containerschiff war auf Grund gelaufen. Schlepper versuchen, den Frachter wieder flott zu bekommen.

Sollte die Bergung doch länger dauern, hätte das weitreichende Folgen. Die Schifffahrt auf dem Kanal ist bis auf weiteres eingestellt. Dadurch hat sich ein langer Stau gebildet.

Lieferengpässe in Deutschland befürchtet

Die Blockade des Suezkanals könnte nach Branchenangaben zu Versorgungsengpässen in der deutschen Industrie führen. "Bereits stockende maritime Lieferketten zwischen Asien und Europa drohen vollständig zum Erliegen zu kommen", erklärte Holger Lösch, der Vize-Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Eine Umleitung der Schiffe um Afrika herum dauere eine Woche länger und sei extrem teuer. "Schon eine einwöchige Verzögerung ist vor allem für Industriezweige mit "Just-in-time"-Produktion problematisch, etwa die Automobilindustrie", so Lösch.

Laut Bundesverband der Deutschen Industrie sind bereits internationale Logistik-Turbulenzen zu spüren. Zentrale Lieferketten drohen demnach aufgrund fehlender Container, unpünktlicher Schiffe und fehlender Transportkapazität ins Stocken zu geraten. Die Reederei-Riesen Maersk und Hapag-Lloyd teilten mit, sie prüften nun den Umweg ihrer Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung.

Unsicherheit am Ölmarkt

Der Schiffsstau sorgte auch für Unsicherheit am Ölmarkt. Im Verlauf der Handelswoche war es teilweise zu starken Schwankungen beim Preis für Rohöl gekommen, da der Suezkanal auch für den internationalen Ölhandel eine hohe Bedeutung hat.

Der Suezkanal ist für Ägypten eine wichtige Einnahmequelle. Das Land erzielte aus den Durchfahrtsrechten im vergangenen Jahr einen Erlös von umgerechnet 4,2 Milliarden Euro. 2020 passierten fast 19.000 Schiffe die Wasserstraße.

Die Karte zeigt Ägypten mit dem Suezkanal

Über den Suezkanal, der 1869 eröffnet worden ist und das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet, wird rund zwölf Prozent der globalen Fracht und etwa 30 Prozent des Containervolumens abgewickelt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. März 2021 um 09:00 Uhr und 12:00 Uhr.

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Moderation 26.03.2021 • 21:49 Uhr

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