Eine Frau erhält eine Spritze mit Impfstoff in den Oberarm | dpa

Impfstopp in Südafrika Wirkstoff- statt Strategiewechsel

Stand: 08.02.2021 14:03 Uhr

Laut einer Studie wirkt AstraZenecas Vakzin kaum gegen die Corona-Mutante. Nun will das Land bei anderen Herstellern kaufen - denn bei der Grundstrategie "Impfen zur Pandemiebekämpfung" soll es bleiben.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Der Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca ist kaum wirksam gegen die südafrikanische Variante von Covid-19. Das geht aus einer Studie hervor, die die Johannesburger Witwatersrand-Universität am Abend vorgestellt hat. Dennoch gibt die Regierung ihre Impfpläne nicht auf.

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

Eine Million Impfdosen von AstraZeneca lagern im BIOVAC-Labor in Johannesburg. Diese werden aber nicht wie geplant heute und morgen landesweit verteilt: Denn der Studie zufolge schützt der Impfstoff nur zu rund 20 Prozent vor der ansteckenderen Variante B.1.351. Diese Mutation wurde im vergangenen November in Südafrika entdeckt und ist im Kap-Staat inzwischen für 90 Prozent aller Coronavirus-Infektionen verantwortlich.

Johnson & Johnson soll Impfstoff liefern

Lange soll der Impfstart nicht verzögert werden. Gesundheitsminister Zweli Mkhize kündigte am Vormittag an, Impfdosen des US-amerikanischen Herstellers Johnson & Johnson seien bereits zugesagt: "Wir werden rechtzeitig einige Dosen rechtzeitig bekommen, um nächste Woche mit den Impfungen beginnen zu können." Wie viele Dosen wann genau erwartet werden, sagte der Minister nicht.

Glenda Gray, die den südafrikanischen medizinischen Forschungsrat leitet, machte ebenfalls Hoffnung darauf, dass Impfungen schon bald starten könnten. "Wir befinden uns in fortgeschrittenen Gesprächen, um in den nächsten Tagen die Einzelimpfung von Johnson & Johnson in Südafrika weiter zu bewerten", sagte sie. "In bisherigen Studien hat sie gut gewirkt und auch bei der Variante schwerwiegende Covid-19-Verläufe verhindert."

Noch keine Retoure an AstraZeneca geplant

Wie mit den bereits erworbenen Impfdosen von AstraZeneca verfahren werden soll, steht noch nicht fest. Die Studie war klein angelegt und umfasste meist junge Probanden. Bei diesen hatte die Impfung einen milden Verlauf nicht verhindert. Der Wirkstoff von AstraZeneca könnte aber, so die Hoffnung führender Virologen, bei anderen Zielgruppen möglicherweise schwerwiegende Verläufe verhindern.

Auch Gesundheitsminister Mkhize setzt auf wissenschaftliche Einschätzungen: "Wir halten uns an unsere Wissenschaftler, wenn es darum geht, was wir mit dem AstraZeneca-Impfstoff machen werden. Derzeit planen wir nicht, die Impfdosen zurück zu schicken", sagte er. "Der Plan ist, von Wissenschaftlern zu hören, wie wir sie einsetzen können."

Wie kann der Impfstoff genutzt werden?

Die Zeit drängt, denn das Ablaufdatum der gelieferten Dosen ist schon im April. Deshalb werden nun Optionen geprüft, wie die Impfstoffe genutzt werden können. Schließlich habe Südafrika viel Geld dafür bezahlt, sagt Shabir Madhi, Direktor des medizinischen Forschungsinstituts SAMRC an der Universität Witwatersrand in Johannesburg."Jedes Land, das Covid-19-Impfstoffe beschafft, nimmt dabei Risiken in Kauf. Wir in Südafrika hatten schlichtweg das Pech, dass hier die Variante entstanden ist."

Wenn Südafrika auf den "perfekten Impfstoff" gegen die Virusmutante warten wolle, brauchen es Geduld - denn "den wird es wahrscheinlich nicht vor 2023 oder 2024 geben. Ohne Impfungen aber werden wir bis dahin viele weitere Wellen haben", gibt Madhi zu bedenken.

Die Ergebnisse der Studie sind ein Rückschlag für die Pläne der Regierung. Trotzdem setzt Südafrika setzt weiter auf Impfstoffe - vielleicht sogar den von AstraZeneca - um die Pandemie einzudämmen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Februar 2021 um 09:14 Uhr.