Aufräumarbeiten nach Plünderungen in Südafrika | EPA

Trotz Aufräumarbeiten Keine Entwarnung in Südafrika

Stand: 15.07.2021 18:51 Uhr

In Südafrika ist nach den heftigen Unruhen und Plünderungen Ernüchterung eingekehrt. Auch wenn die Aufräumarbeiten begonnen haben, kommt es noch immer zu vereinzelten Attacken - und die Folgen der Unruhen sind immens. 

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg 

Es ist wie ein Albtraum, der einfach nicht enden will - so drückt es ein Passant in Vosloorus aus, gut 30 Kilometer südöstlich von Johannesburg. Am Einkaufszentrum hier fahren Lastwagen vor, um den Müll abzuholen. Freiwillige sind auf dem Parkplatz damit beschäftigt, die Reste dessen zusammenzufegen, was zu Wochenbeginn noch in den Läden war.

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

Khomoto ist ein junger Mann, der auch mithilft. "Wir machen unseren Ort sauber, da ist doch nichts dabei", sagt er. "Ich sage nicht, ich habe nicht mitgemacht beim Plündern." Ob jetzt Leute mithelfen, die geplündert hätten oder nicht, das habe doch nichts damit zu tun. "Hier kaufen wir doch unsere Lebensmittel. Wenn wir als junge Leute uns nicht um unsere Sachen kümmern, dann tut es doch niemand. Wir müssen das tun."

Versorgungsketten brechen zusammen

Auch in Alexandra, einer armen Gegend in Johannesburg, laufen Aufräumarbeiten. Das Militär steht den Menschen zur Seite und sichert auch den einen, letzten Supermarkt ab, der noch intakt ist. Eine ältere Frau steht in einer langen Warteschlange an. "Ich hoffe, ich komme noch rein, bevor sie schließen", sagt die Frau. "Sie machen bald zu. Ich will Maismehl und Suppenfleisch kaufen."

Schlange von Käufern vor einem Einkaufszentrum | REUTERS

Durch die Plünderungen ist vielerorts die Versorgung zusammengebrochen. Bild: REUTERS

Die Möglichkeiten, einkaufen zu gehen, sind weniger geworden in ihrem Stadtteil. Auch die Lieferwege sind unterbrochen. Nicht nur, dass die logistische Hauptader, die Autobahn N3 nach wie vor gesperrt ist. Auf gewohntem Weg kommen Güter nicht vom wichtigen Hafen in Durban ins Industriezentrum rund um Johannesburg. Dazu kommt: Lagerhallen sind zerstört.

Gerald Williams leitet eines der größten Lagerhäuser in Kwazulu-Natal. Es ist komplett leergeräumt, die Wände und die Decke sind in Trümmern. "Wir haben es heute erst geschafft, unser Depot zu sichern. Das ist ein Riesenschaden. Autos wurden angezündet und Eigentum mutwillig beschädigt", erzählt er. "Das ist schlimm und wird viel Geld kosten. Meine größte Sorge ist aber, dass wir entscheidend für die Lieferkette in Südafrika waren. Ohne unsere Logistik wird die Provinz in die Knie gehen. Wir können den Märkten im ganzen Land weder Lebensmittel noch etwas anderes liefern."

Militär soll für Ruhe sorgen

Dass Lebensmittel knapp werden könnten, spürt man bereits. In den Vierteln, die nicht von Plünderungen betroffen sind, haben Hamsterkäufe eingesetzt. An den Tankstellen wird das Benzin knapp. In Durban etwa sind viele Tankstellen gar nicht geöffnet. Für die wenigen, die man noch anfahren kann, braucht man Geduld. Knowledge Khathi hat gerade getankt und erzählt: "Ich habe mehr als drei Stunden gewartet. Ich kam morgens um fünf, und auf dem Tankbeleg steht 10.35 Uhr.

Ein Soldat patrouilliert vor einer Brandruine. | REUTERS

In einigen Gebieten Südafrikas wird die Armee zur Kontrolle der Lage eingesetzt. Bild: REUTERS

Soldaten sichern die Tankstelle in Durban - ein Anblick, der befremdlich wirkt. 5000 von ihnen bewachen derzeit logistisch wichtige Orte, 25.000 Reservisten sind zusätzlich einberufen worden. Heute sind zwar nur einzelne Plünderungen gemeldet worden, sodass Südafrika ein wenig Luft holen kann. Die Regierung will aber verhindern, dass alles wieder von Neuem beginnt. Denn wirkliche Ruhe und Normalität sind noch nicht wieder eingekehrt.

Dieser Beitrag lief am 15. Juli 2021 um 19:25 Uhr auf MDR Aktuell.